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Dieser Artikel: Ausgabe 25/2008 vom 22.06.2008
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Kirche der Fragenden

Otto Ziegelmeier ist mit der Internetseite theology.de in Kontakt mit kirchlich Distanzierten


Wer bei Google das Stichwort »Theologie« eingibt, erhält als einen der ganz oben stehenden Treffer die Internetseite theology.de. Deren Startseite ist mit »Theologie & Kirche im Web« überschrieben. Fast drei Millionen Besucher hat die Adresse seit Gründung 1999 erhalten, den Newsletter haben mehr als 8000 Interessierte abonniert. Verantwortet wird die Seite von Otto Ziegelmeier und - so heißt es auf der Startseite wörtlich - dem »Team von theology.de«.

»Große und kleine Fische«: Otto Ziegelmeier vor seinem Aquarium.
Foto: Magirius
   »Große und kleine Fische«: Otto Ziegelmeier vor seinem Aquarium.

Im Büro der website in Frankfurt-Bockenheim sind aber keine Mitarbeiter zu sehen, nur ein Arbeitsplatz ist zu erkennen. Ein Regal deckt die Längswand des Zimmers ab, darin theologische Lexika, religiöse und belletristische Titel, in der Raummitte ein Aquarium, unter dem Software platziert ist. Otto Ziegelmeier ist evangelischer Pfarrer, steht aber auf keinem kirchlichen Gehaltszettel. Er ist freiberuflicher PR-Berater, schreibt Texte und Vorträge, gibt Seminare, gestaltet Internetseiten.

Dank  theology.de, das er ehrenamtlich betreibt, verkehrt Ziegelmeier täglich mit denen, über die man in den verfassten Kirchen zwar spricht, ohne aber mit ihnen immer ins Gespräch zu kommen. Gemeint ist die Gruppe der so genannten kirchlich Distanzierten, die laut Bertelsmann-Studie 2007 zwar religiös sind, aber an einem kirchlichen Gemeindeleben eher desinteressiert. Viele von ihnen kontaktieren offenbar ohne Scheu  theology.de.

Das liegt sicher auch daran, dass das Angebot überkonfessionell und von kirchlichen Institutionen unabhängig betrieben wird: »Ich will aufklären und informieren«, sagt Otto Ziegelmeier. »Meine Person steht dabei im Hintergrund, trotzdem fragen sich viele: Wer steckt hinter dieser Seite?« Täglich erhält er zwischen fünf und 15 E-Mails. »Da kommt eine Frage aus Paris, ein Kommentar aus Hongkong, eine Frau aus dem Bayerischen Wald sucht die Lösung für ein Quiz. Ein anderer schreibt, er wolle sich umbringen, ein Schüler sucht Material für ein Referat zum Thema Schöpfung.«

Die Idee für den Auftritt im Web hatte der Theologe 1998. »Das Internet ist die zweite Medienrevolution nach Gutenberg«, dachte er. Damals war er bereits einige Jahre Pfarrer, PR-Leiter bei einer Firma, hatte journalistische Erfahrungen unter anderem beim Bayerischen Rundfunk gesammelt, dazu gesellte sich die Neugier für das noch neue Medium. Er schlug einigen Landeskirchen vor, sich im Internet zu präsentieren. Antwort: »Das ist schwierig, vielleicht können wir in einigen Jahren eine halbe Stelle schaffen.« So lange wollte er, der Firmen wie Porsche und Audi im EDV-Bereich beraten hatte, nicht warten. 1999 stellte er die ersten zwölf Seiten von  theology.de ins Netz, inzwischen sind es über 2500.

Dem Angebot widmet er sich etwa eine Stunde am Tag. »Das ist mein großes Hobby, nein, noch mehr, es ist Verkündigung.« Eine Form von Verkündigung, die durch die Fragen der Nutzer lebendig wird. Sie sind es, die dem Webmaster von theology.de ein großes Team bescheren. Seine Mitarbeiter sind die Nutzer: »Ihre Anliegen haben die Seiten wachsen lassen und ihnen im Lauf der Jahre ihr Gesicht gegeben.« Einmal wollte sich ein Paar informieren, wie es sich kirchlich trauen lassen kann, er sei »ein bisschen katholisch«, seine Partnerin habe Jugendweihe. Ziegelmeier antwortete, stellte aber durch die Frage angeregt auch Informationen zum Thema Trauung ins Netz, später auch über Taufe und Beerdigung, ein Service, der häufig heruntergeladen wird.

Die Fragen brachten ihn auch dazu, regelmäßig Buchtipps zu geben und religiöse Feiertage zu erklären. Das hat dazu geführt, dass er inzwischen als religiöser Experte auch schon mal bei Fernsehsendern Auskunft gibt.

Er selbst hält Kontakt zu seiner Ortsgemeinde, engagiert sich in der Stadtteilarbeit.  theology.de ist auch mit vielen Kirchengemeinden unterschiedlicher Konfession verlinkt, also keine vom körperlich-realen Leben isolierte Welt. Ziegelmeier sieht sich als Seelsorger, seinen Newsletter eröffnet er mit der Rubrik »Angedacht«. Dessen Stil ist prägnant und anekdotenhaft, oft mit einem Augenzwinkern versehen. Wie wichtig ihm die Bildhaftigkeit ist, zeigt sich, als er mitten im Gespräch aufsteht und das Aquarium zeigt: »Das ist wie die Welt des Internets!« Auch das Aquarium braucht Pflege, es hat eigene Strukturen. »Steuern kann man die Fische nicht, die haben ihren eigenen Willen, einmal haben sie die Wurzelhöhle durch das halbe Aquarium an den Ort transportiert, wo sie sie haben wollten.« Ein anderes Mal habe ein großer Fisch angefangen, die kleinen zu fressen. Den nahm er schnell heraus.

Was das übertragen heißt? »Der große Fisch, vielleicht ist das die Gefahr, als Theologe die Stimmen der Kleinen, ihre Hoffnungen, Fragen und Ängste zu erdrücken.« Die zunehmende Eventkultur und den Gefühlsjubel dem Papst oder anderen kirchlichen Größen gegenüber sieht Ziegelmeier skeptisch. »Ich nenne das Theotainment. Nur - kommt es eigentlich auf die Schönheit eines Bischofs an?«

WEBTIPP

www.theology.de

  Otto Ziegelmeiers Seiten zu »Theologie & Kirche im Web« finden Sie unter  theology.de.

 

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Georg Magirius

 


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/news/aktuell/2008_25_11_01.htm
abgerufen 08.02.2012 - 12:13 Uhr

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