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Dieser Artikel: Ausgabe 25/2008 vom 22.06.2008
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Sumpf ist besser als Wüste

»Die Weichen neu stellen«: Rüdiger Dahlke betreut seit 30 Jahren depressiv Erkrankte


Wer sich einer Depression stellt und Hilfe annimmt kommt der Heilung näher und eröffnet sich eine fruchtbare Lebensphase. Das meint der Naturheilarzt Dr. med. Rüdiger Dahlke, der seit über 30 Jahren depressiv Erkrankte behandelt.

Dr. Rüdiger Dahlke.
Foto: Sissi Furgler
   Dr. Rüdiger Dahlke.

  Was ist Depression?

Dahlke: Wörtlich könnte man de-pression übersetzen mit »weg vom Druck« und hierin eine Aufforderung sehen, sich vom Stress des Lebens oder allem, was überfordernden Druck macht, zu befreien. Andererseits heißt das lateinische depressio Niederdrückung, und so beschreibt das Wort Depression auch den Zustand, in dem die Lebensenergie ganz niedrig ist und der Lebensfluss stagniert. Ein Zwang zum Innehalten. In der Depression wird man gezwungen, ganz im Hier und Jetzt zu leben.

  Die Vorstellung ist weit verbreitet, dass man sich auch bei Depressionen selbst therapieren könne.

Dahlke: Leider. Nur in leichten Fällen von Depression scheint es möglich zu sein, sich wie Baron Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Doch auch hier ist therapeutische Hilfe von Vorteil. Jedenfalls liegen auch im Sumpf, als der sich die Depression erweist, Lösungen. Sümpfe sind ausgesprochen fruchtbare Landschaften, aus ihnen kann viel eher neues Leben hervorgehen als aus der Wüste. Letztlich sind Depressionen in dieser Hinsicht fruchtbarer für das Gelingen eines Lebens, für unser Heilwerden, als Karrieren in kalten Bürohochhäusern und Hierarchien moderner Macherwelten. Jeder Mann, der die Nachtmahrfahrt der Seele hinter sich gebracht hat, weiß das.

  Also hat die Depression einen Sinn?

Dahlke: Wer die Tiefen der Unterwelt und der Depression durchwandert hat, kann in der Regel nicht so einfach in die trockene Wüstenwelt des Funktionierens zurückkehren, die einen verblüffend guten Ruf hat, obwohl sie weder lebendig noch inspirierend ist, sondern lediglich ein geordnetes Auskommen ermöglicht. Aus solchen entwicklungsfeindlichen Sackgassen können Depressionen befreien, wenn man den Mut und die Kraft hat, sich ihnen in all ihrer Fruchtbarkeit zu stellen, und die Weisheit, die sich bietende Hilfe anzunehmen.

  Können Psychopharmaka dabei helfen?

Dahlke: Ja. Im Falle schwerer Depressionen sorgen sie dafür, dass ein Weiterleben überhaupt erst denk- und vorstellbar wird, was für diejenigen, die im Sumpf stecken, bereits eine unglaubliche Erleichterung darstellt.

  Wie kann ich herausfinden, ob ich gefährdet bin?

Dahlke: Es gibt nach meiner Erfahrung drei sehr einfache Fragen, die das klären helfen können, nämlich:

1. Macht meine Arbeit Sinn für mich, beziehungsweise mache ich die Arbeit, die mich ruft und mir Berufung ist?

2. Lebe ich mit dem Menschen, mit dem ich wirklich leben möchte?

3. Lebe ich an dem Ort, an dem ich sein möchte?

Wer diese Fragen oder zwei von ihnen mit Nein oder Jein beantworten muss, ist sicher gefährdet. Wer eine Arbeit macht, an die er nicht glaubt, an einem Ort, den er nicht mag und obendrein mit einem Menschen lebt, zu dem er nicht (mehr) passt, läuft Gefahr, den Sinn seines Lebens aus dem Auge zu verlieren. Die beste Prophylaxe wäre demnach, die Weichen im eigenen Leben so zu stellen, dass man diese drei Fragen aus ganzem Herzen mit Ja beantworten kann.

DEPRESSION

Der Kampf mit dem Schatten. Vier Millionen Deutsche leiden unter Depressionen - Wege aus der Krankheit. Von Uwe Birnstein. » lesen!

Sumpf ist besser als Wüste. »Die Weichen neu stellen«: Rüdiger Dahlke betreut seit 30 Jahren depressiv Erkrankte. Interview. » lesen!

Was tun bei Depressionen? Vier Schritte aus der Krankheit. » lesen!

 

 

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ub

 


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/news/aktuell/2008_25_01_02.htm
abgerufen 08.02.2012 - 23:33 Uhr

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