Drei ausgezeichnete Arbeiten
Landeskirche vergibt erstmals »Von-Pechmann-Preis«
Ein Fernsehfilm über evangelische Opfer des Nationalsozialismus, ein von Schülerinnen erarbeiteter Gedenkband und eine wissenschaftliche Arbeit über Pfarrer mit jüdischen Wurzeln erhalten den erstmals vergebenen »Von-Pechmann-Preis« der bayerischen Landeskirche.
 Foto:
Stadtarchiv München
 Evangelische Christin mit jüdischen Wurzeln: Elisabeth Braun (um 1940) bot Juden und Christen jüdischer Herkunft in ihrer Bogenhauser Villa Obdach. Bis sie im November 1941 selbst deportiert und ermordet wurde.
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Mit dem nach Wilhelm Freiherr von Pechmann (1859-1948), dem ersten Präsidenten der bayerischen Landessynode, benannten und mit insgesamt 5000 Euro dotierten Preis will die evangelische Kirche in Bayern wissenschaftliche Arbeiten und andere Projekte zur Zeit von 1919 bis 1945 auszeichnen, die das Wissen um den Naziterror und seine verheerenden Folgen erweitern. Daneben können hervorragende Beispiele für Zivilcourage in der heutigen Zeit ausgezeichnet werden. Initiatorin des Preises war die frühere Synodalpräsidentin Heidi Schülke.
Die Jury unter dem Vorsitz von Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler prämierte gleich drei Projekte: die im November 2007 erstmals ausgestrahlte BR-Fernsehproduktion »Gottvertrauen und Zivilcourage. Evangelische Opfer des NS-Regimes« von Jutta Neupert, den Gedenkband »Verfolgt, Vertrieben, Ermordet. Die 120 Jüdinnen vom Mädchenlyzeum«, den Schülerinnen einer 9. Klasse des Nürnberger Sigena-Gymnasiums erarbeitet hatten, sowie die Dissertation des Nürnberger Pfarrers Axel Töllner, der die Geschichte bayerischer Pfarrfamilien mit jüdischen Vorfahren im Dritten Reich untersucht hatte (Sonntagsblatt-Titelthema Nr. 19/2007).
Übergabe an historischem Ort
Die Preise werden am 17. April im Münchner Hildebrandhaus übergeben - an einem historisch passenden Ort: Die ehemalige Künstlervilla, die heute die Monacensia-Sammlung der Münchner Stadtbibliothek beherbergt, gehörte bis 1941 Elisabeth Braun, einer getauften Jüdin, die ihr Haus vor ihrer Deportation und Ermordung der evangelischen Kirche in Bayern vermachte. Der nun ausgezeichnete Film von Jutta Neupert zeichnet neben dem Schicksal von Gerhard Günther, Hans Leipelt, Friedrich von Praun und Werner Sylten auch das Schicksal von Elisabeth Braun nach.
Der Namensgeber des Preises, Wilhelm Freiherr von Pechmann, war von 1919 bis 1922 der erste gewählte Präsident der bayerischen Landessynode. Der gebürtige Memminger war Jurist und Direktor der Bayerischen Handelsbank in München. In den 1920er-Jahren hatte er höchste kirchliche Ämter inne, unter anderem war er mehrfach Kirchentagspräsident und leitendes Mitglied im Lutherischen Weltkonvent.
Als einer von nur wenigen evangelischen Christen hat Pechmann immer wieder deutlich gegen die nationalsozialistische Judenverfolgung protestiert. Bereits während des Kirchenkampfs war Pechmann, ein überzeugtes Mitglied der »Bekennenden Kirche«, aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Nicht zuletzt das Schweigen von Landesbischof Hans Meiser zur Judenverfolgung bewegte Pechmann 1946 dazu, in die katholische Kirche einzutreten und sich von Kardinal Michael Faulhaber firmen zu lassen. | |
Kirche und Nationalsozialismus
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BUCHTIPP
Christiane Kuller, Maximilian Schreiber: »Das Hildebrand- haus - Eine Münchner Künstlervilla und ihre Bewohner in der Zeit des National- sozialismus«, Allitera Verlag München, 2006, 184 Seiten, 15,90 Euro, ISBN 3-86520-130-X
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