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Dieser Artikel: Ausgabe 12/2008 vom 23.03.2008
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Das Jahrhundert-Ostern

Erst 2160 fällt das Osterfest wieder so früh


Der Fasching war extrem kurz, Tag der Arbeit und Christi Himmelfahrt fallen arbeitgeberfreundlich zusammen auf den 1. Mai - der Kalender bietet dieses Jahr einige Besonderheiten. Der Grund: der frühe Ostertermin, der zweitfrüheste, der überhaupt möglich ist. Kein derzeit lebender Katholik oder Protestant wird Ostern jemals wieder so früh feiern.

700 Jahre lang feierte die Christenheit im Mittelalter Ostern zu einem einheitlichen Termin, dann beendete seine Kalenderreform 1582 die Übereinstimmung: Papst Gregor XIII. (Ugo Buoncompagni, 1502-1585, Papst ab 1572).
Foto: sob
   700 Jahre lang feierte die Christenheit im Mittelalter Ostern zu einem einheitlichen Termin, dann beendete seine Kalenderreform 1582 die Übereinstimmung: Papst Gregor XIII. (Ugo Buoncompagni, 1502-1585, Papst ab 1572).

Erst im Jahr 2160 wird Ostern wieder am 23. März begangen; nach dem 22. März der zweitfrüheste Termin, der überhaupt möglich ist.

Dass das älteste und höchste Fest der Christenheit im Lauf der Jahre munter durch den Kalender wandert, ist dem Mond zu verdanken. Er bestimmt das Datum des jüdischen Passahfestes, an dem sich Ostern orientiert. Juden in aller Welt feiern Passah zum Gedenken an den Auszug der Israeliten aus der Knechtschaft in Ägypten ab dem Vorabend des ersten Vollmondtages nach Frühlingsanfang. An diesem Tag wurde nach den Berichten der Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas Jesus Christus gekreuzigt.

Die ersten Christen bezeichneten den übernächsten Tag, an dem der auferstandene Christus den Jüngern erschien, als den »Herrentag«. Jeder Sonntag sollte ein Feiertag im Gedenken an die Auferweckung des Herrn sein. Ein Jahresfest zur Erinnerung an die Kreuzigung und Auferstehung Christi entwickelte sich ab dem 2. Jahrhundert an verschiedenen Tagen.

Auf dem ersten Konzil von Nicäa im Jahr 325 verwarfen Theo­logen aus den verschiedenen Landesteilen des Römischen Reichs die Praxis, das Osterfest gleichzeitig mit dem jüdischen Passahfest zu feiern, und legten als Regel fest: Der Tag der Auferstehung ist ein Sonntag, also wird Ostern am Sonntag bei oder nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang begangen.

Dennoch wurde das Fest im Römischen Reich zunächst weiter an verschiedenen Tagen gefeiert. Das Problem stellte der Frühlingsanfang dar, der unterschiedlich berechnet wurde. Astronomisch schwankt der Frühlingsbeginn, an dem Tag und Nacht gleich lang sind, zwischen dem 19. und dem 21. März. Erst der Abt Dionysius Exiguus legte im Jahr 525 im päpstlichen Auftrag den 21. März als Frühlingsbeginn fest.

700 Jahre gemeinsamer Termin

Es dauerte noch bis zur Zeit Karls des Großen um 800, bis sich in der ganzen Christenheit ein einheitlicher Ostertermin durchsetzte. Doch diese Gemeinsamkeit ging wieder verloren mit der Kalenderreform von Papst Gregor im Jahr 1582. Während der katholische und der evangelische Teil der Christenheit den reformierten Kalender übernahmen, halten die meisten orthodoxen Kirchen zur Berechnung der Feiertage am alten julianischen Kalender fest. Dieser weicht inzwischen um 13 Tage vom präziseren Nachfolgemodell ab.

Nicht genug, dass östliche und westliche Kirchen unterschiedliche Kalender benutzen: In der abendländischen Christenheit geriet die Regel von Nicäa in Vergessenheit, dass Ostern weder gleichzeitig noch vor dem Passahfest stattfinden soll. Die östlichen Kirchen halten aber daran fest. Da der 14. Nisan des jüdischen Kalenders, an dem das Passahfest beginnt, dieses Jahr auf den 19. April fällt, feiern die Orthodoxen erst am 27. April Ostern.

Dieser Termin wäre für Katholiken und Protestanten unmöglich: Für sie kann das Osterfest nur zwischen dem 22. März und dem 25. April stattfinden. Die Wiedergewinnung eines gemeinsamen Ostertermins für die Christenheit, wie es das Konzil von 325 anstrebte, ist in unabsehbare Ferne gerückt.

OSTERN

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Jens Bayer-Gimm

 


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abgerufen 08.02.2012 - 22:56 Uhr

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