Kann man an Wunder glauben?
Sonntagsblatt-Umfrage zu Ostern
»Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!« - An Ostern feiert die Christenheit mit der Auferstehung von Jesus Christus ein wunderbares Ereignis. Aber kann und darf man heute überhaupt noch an Wunder glauben?
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»Wunder und Neugier«
»Als Wunder wahrnehmen kann man vieles, etwa den Löwenzahn, der den Asphalt durchbricht. Viele Wunder lassen sich doch mit Erfahrungen (physikalischen Gesetzen) erklären. Dann verblasst schnell die Symbolkraft. Die Bereitschaft, etwas als Wunder zu sehen, erleichtert mir, die transportierte Botschaft zu verstehen. Als Geschöpf Gottes muss ich nicht alles erklären können (Auferstehung), bin trotzdem neugierig (Forscherdrang).«
Franz-Burkhard Anschütz (38), Dipl.-Ing. Elektrotechnik, München
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»Wunderglaube und Realismus«
»Ich halte es mit Ben Gurion, der einmal sagte: 'Wer nicht an Wunder glaubt, der ist kein Realist!' Aber ganz im Ernst: Jesu Tod und die Auferstehung ist natürlich ein Wunder. Ich glaube, dass der Glauben an dieses Wunder der Auferstehung das Christentum voranbringen kann. Es steht damit für das Positive im Leben. Für die Arbeit in unserer evangelischen Kirche können wir auch manchmal Wunder brauchen.«
Ernst Reichold (56), Hochschulpfarrer in Regensburg
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»Aufklärung«
»Die Welt ist wunderbar, doch es geht in ihr 'mit rechten Dingen' zu: Es gibt keine Belege, dass die Naturgesetze nicht überall und ausnahmslos gelten. Längst hat die wissenschaftliche Theologie seit Bultmann den Wunder- und Auferstehungsglauben aufgegeben. Die christlichen Amtskirchen aber haben die Aufklärung noch nicht bewältigt. Liberale Pastoren wie Dr. Paul Schulz wurden aus dem Amt entfernt.«
Rainer Wolf (66), Biologe und Wahrnehmungspsychologe, Gerbrunn
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»Vieles, nicht alles ist erklärbar«
»Meine Tochter ist eben 18 Jahre alt geworden. Wir schenkten ihr ein Fotoalbum: 18 Jahre im Zeitraffer. Der Beginn ihres Lebens, das Zusammentreffen von Eizelle und Samen - ein Wunder! Ein glückliches Aufwachsen - ein Wunder! Sicher kann man vieles rational erklären. Vieles? Alles? Bleibt nicht immer der Glaube an etwas, was man sich von ganzem Herzen wünscht, was aber nicht eingefordert werden kann?«
Anna Leist (49), kaufmännische Sachbearbeiterin, Wolkersdorf | OSTERN
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