Aufklärung bleibt auf der Strecke
Zur Islamkonferenz und zum geplanten islamischen Religionsunterricht
Von
Benjamin Lassiwe
Der Weg zu einem flächendeckenden islamischen Religionsunterricht in Deutschland scheint kürzer geworden. Die Spalten zwischen den liberalen und den konservativen Muslimen dagegen werden eher tiefer, und der Glaube an schnelle Erfolge im Dialog mit dem Islam in Deutschland ist weitgehend verflogen. Das sind die Ergebnisse der dritten Plenarsitzung der Deutschen Islamkonferenz, die letzte Woche in Berlin stattfand, und sie stimmen nachdenklich.
Natürlich ist es gut und der einzig richtige Weg, wenn Islamunterricht in deutscher Sprache und von in Deutschland ausgebildeten Lehrern unterrichtet wird. Auch die hier lebenden Muslime haben, genau wie die Christen, ein Recht auf Religionsunterricht. Doch der Staat braucht dazu Partner, und an dieser Stelle steht ausgerechnet der konservative Koordinationsrat der Muslime bereits in den Startlöchern. Sein Sprecher Bekir Alboga, dem die türkische Soziologin Necla Kelek »Lippenbekenntnisse« bei der Anerkennung der deutschen Rechts- und Werteordnung vorwarf, kündigte bereits an, entsprechende Landesverbände bilden zu wollen.
Auf der Strecke blieben dann aber auch die aufgeklärten und liberalen Muslime, die trotz aller Unkenrufe die schweigende Mehrheit unter den hierzulande lebenden Menschen islamischen Glaubens stellen. Solch ein Ergebnis wäre fatal: Denn gerade jene Muslime, die sich vom Koordinationsrat nicht vertreten sehen, sind oft die wahren Vorreiter in Bezug auf Integration, Demokratiefähigkeit und Bildung. Der Islam des Koordinationsrats hingegen hat im Unterschied etwa zum Christentum der großen Kirchen seine Aufklärung noch nicht erlebt.
Als Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) 2006 die erste Islamkonferenz einberief, legte er noch großen Wert darauf, auch die aufgeklärten Muslime durch herausragende Einzelpersönlichkeiten am Beratungstisch vertreten zu sehen. Auch künftig sollten sie in die Vorbereitungen eines islamischen Religionsunterrichts einbezogen werden. Geschieht das nicht, haben sich die guten Ansätze der Deutschen Islamkonferenz zumindest bei einem Sachtthema in ihr Gegenteil verkehrt, und der Geist der Konferenz ist schon nach dem dritten Mal verloren. |
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