Der Farbraum-Architekt
Retrospektive zum 100. Geburtstag von Rupprecht Geiger im Münchner Lenbachhaus
Am 26. Januar feiert der Münchner Maler Rupprecht Geiger seinen 100. Geburtstag. Aus diesem Anlass zeigt das Münchner Lenbachhaus bis zum 30. März 2008 eine umfassende Retrospektive eines der bedeutendsten deutschen Maler des 20. Jahrhunderts. Zu sehen sind über 200 Exponate, darunter 50 Gemälde, Serigrafien, Modelle und Collagen aus sieben Jahrzehnten.
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© Rupprecht Geiger
 Imaginäre Farbräume: Das Farbrund zwischen Gelb und Violett (1973) war 1977 auf der documenta zu sehen.
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Die Farbe Rot regiert sein Werk. Wer sich den kraftvollen Bildern des Münchner Malers Rupprecht Geiger aussetzt, macht die fast schon körperliche Erfahrung, Farbräume zu betreten.
Rupprecht Geiger wurde am 26. Januar 1908 in München als Sohn des Malers Willi Geiger und seiner Frau Clara geboren. Die Familie kam viel herum in Europa: Rupprecht wuchs in Florenz, Berlin, Madrid und Marokko auf, bevor er in München Architektur studierte.
1940 zog die Wehrmacht den jungen Architekten an die Ostfront ein, wo er unter anderem als Kriegsmaler eingesetzt wurde. In den damals in der Ukraine und in Griechenland entstandenen Landschaftsbildern sind Geigers Lebensthemen Farbe, Licht und Raum bereits ersichtlich. Und es zeigt sich: Die Wurzeln von Rupprecht Geigers Farb-, Bild und Raumwelt liegen in der Landschaft, nicht in der Auseinandersetzung mit dem Körper. Leider muss man für einen Blick auf diese ersten Bilder Geigers das zu seinem 95. Geburtstag erschienene Werkverzeichnis zur Hand nehmen.
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© Rupprecht Geiger
 Konkrete Farbräume: Modell UnisonoRot von 1975.
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1948 wurde Geigers erstes nichtgegenständliches Bild im 'Salon des Réalités Nouvelles' in Paris ausgestellt. Ein Jahr später gründete er zusammen mit Willi Baumeister, Fritz Winter und anderen die Künstler-Gruppe 'ZEN 49' für neue Kunst im Nachkriegsdeutschland.
Auf der Kasseler documenta war Rupprecht Geiger erstmals 1959 zu sehen. Bis 1977 folgten drei weitere documenta-Auftritte.
Von 1965 bis 1976 war Geiger Professor für Malerei an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf - an der Seite von Joseph Beuys. Leuchtende Farbflächen, flirrend geränderte Farbkreise, die in den Raum zu treten scheinen, wurden zum Markenzeichen des Künstlers. Geiger arbeitete mit neuen, fluoreszierenden Pigmenten und brachte diese mit der Spritzpistole auf seine Bilder auf.
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© Rupprecht Geiger
 Das Fenster über dem Taufbecken der evangelischen Kirche Stockdorf.
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Wie bei kaum einem anderen Maler zieht sich bei Rupprecht Geiger ein großes künstlerisches Lebensthema durch sein 70 Schaffensjahre umfassendes Werk. Dabei geht es Geiger, der im Bezirkskrankenhaus Taufkirchen eine »Rot-Rotunde« als Meditationsraum geschaffen hat, auch um die »Spiritualität der Farbe«.
1971 gestaltete er im nordrhein-westfälischen Ibbenbüren die Apsis der katholischen Kirche St. Ludwig: Eine gigantische rote Geiger-Sonne wirkt dort bis heute als theologisch-farbtheoretisches Programm. »Im Moment bewusster Wahrnehmung setzt Rot Energie frei. Ein monochrom moduliertes Farbfeld leuchtroter Farbe wird zum Kraftfeld«, schrieb Geiger.
Bereits aus dem Jahr 1960 datiert das Kirchenfenster über dem Taufbecken der evangelischen Kirche in Stockdorf, südlich von München (Foto).
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Schönborn
 Noch mit knapp 100 Jahren arbeitet Rupprecht Geiger regelmäßig in seinem Atelier.
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Immer ist es die Beziehung von Farbe und Raum, die das Werk des gelernten Architekten Rupprecht Geiger bestimmt. Seinen Beruf gab er erst 1962 endgültig auf, als Maler war er Autodidakt.
Auch wenn er unter anderem die Mosaikfassade des Münchner Hauptbahnhofs geschaffen hat: Schwerer als anderswo fiel es Rupprecht Geiger, in seiner Heimatstadt Anerkennung zu finden. 1978, zum 70. Geburtstag, widmete ihm das Münchner Lenbachhaus eine erste Ausstellung, zugleich die erste Ausstellung des heutigen Lenbachhaus-Direktors Helmut Friedel, der auch die jetzige Ausstellung kuratierte. 1987 schuf Geiger die Großskulptur 'Gerundetes Blau' vor dem Münchner Kulturzentrum Gasteig.
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Lenbachhaus
 Die Stadt München hat sich mit »ihrem« Künstler lange schwer getan. Gleichwohl prägen viele seiner Arbeiten den öffentlichen Raum in der bayerischen Landeshauptstadt - vom Hauptbahnhof bis zum Gasteig (hier die U-Bahn-Station Machtlfinger Straße).
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Die Besucher der Münchner Schau im Lenbachhaus empfängt Geigers 1989 entstandene großflächige Installation »Neues Rot für Gorbatschow«. Er habe die Farbe zum »Element« erhoben, sagt Rupprecht Geiger über sein Werk. Noch heute, mit knapp 100 Jahren, arbeitet er regelmäßig in seinem Atelier in München-Solln. Vor allem mit Rot: »Rot ist die Farbe, Rot ist schön. Rot ist Leben, Energie, Potenz, Macht, Liebe, Wärme, Kraft. Rot macht high,« hat Geiger einmal gesagt und allen Menschen empfohlen, »Rot zu tanken«.
Bis 30. März 2008 im Lenbachhaus München, Luisenstraße 33. Die Ausstellung ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr.
Eine kostenlose Führung durch die Ausstellung findet jeden Samstag um 11 Uhr statt (ohne Voranmeldung).
Eine zweistündige geführte Bustour zu Arbeiten Rupprecht Geigers in München findet jeden Samstag um 13 Uhr statt. Kosten: 2 Euro, Anmeldung erforderlich unter (089) 233-32029.
Internet: www.lenbachhaus.de
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