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Dieser Artikel: Ausgabe 51/2007 vom 23.12.2007
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Altes Ehepaar auf Therapeuten-Couch

Ökumene der Profile? Schluss mit aller Kuschelökumene? - Standortbestimmung

Von Tilmann Kleinjung

Schaut so die »Ökumene der Profile« aus? Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann (links), und der Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber (rechts).
Foto: Steffen Kugler/dpa
   Schaut so die »Ökumene der Profile« aus? Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann (links), und der Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber (rechts).

In den ökumenischen Beziehungen werden gern Bilder aus der Meteorologie bemüht. So war lange Zeit von einer Tauwetterperiode die Rede, neuerdings spricht man eher von einer Eiszeit. Und das, was Ende Juni über die Ökumene-Landschaft hereinbrach, war dann wohl ein heftiges Sommergewitter, das schweren ökumenischen Flurschaden anrichtete. Die vatikanische Glaubenskongregation sah sich - von wem auch immer - genötigt festzustellen: Die evangelischen Kirchen »können nach katholischer Lehre nicht Kirchen im eigentlichen Sinn genannt werden.«

»So, wie die katholische Kirche sich definiert, wollen wir ja auch nicht Kirche sein«, verkündete Landesbischof Johannes Friedrich daraufhin trotzig und bemühte sich um Schadensbegrenzung: Der Text sei »keine Absage an ökumenische Bestrebungen«.

Wenn Rom den Lutheranern abspricht, einer richtigen Kirche anzugehören, Protestanten gleichsam als Sektenmitglieder diffamiert - da soll die Ökumene keinen Schaden nehmen? Natürlich, diese römische Sicht der Dinge ist nicht neu, schon im Jahr 2000 hat Kardinal Joseph Ratzinger den Protestanten ins Stammbuch geschrieben, sie seien keine Kirchen, sondern nur kirchliche Gemeinschaften. Und der neue Text aus dem Vatikan findet ausdrücklich den Segen Ratzingers - heute Papst Benedikt XVI.

Brüskierung hat Methode

Da kann man wohl nicht mehr von einem Versehen ausgehen, die Brüskierung hat Methode. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, spricht von Vorsatz und hat sich Gedanken über die Zukunft des ökumenischen Dialogs gemacht: Herausgekommen ist die »Ökumene der Profile«. Man zeigt Kante. Protestantisches Selbstbewusstsein gegen katholische Überheblichkeit. Naiv zu glauben, dass das an der Kirchenbasis, in den Gemeinden ohne Folgen bleibt. Auch hier hilft das Bild von der Eiszeit: Wer in einem Gewächshaus die Temperatur auf den Gefrierpunkt reguliert, der muss sich nicht wundern, dass die zarten Pflanzen am Boden Schaden nehmen.

Wenn Protestanten respektlos von »Katholen« sprechen oder der katholische Priester die evangelische Pfarrerin nicht als gleichberechtigtes Gegenüber ernst nimmt, dann kann man wohl nicht mal mehr von einer »Ökumene der Profile« reden, sondern von einem Rückfall ins alte Schubladendenken: hier katholisch, hier evangelisch. Neulich in einem ökumenischen Arbeitskreis in Bayern: Da haben die evangelischen Vertreter das Papier der Glaubenskongregation harsch kritisiert, die katholische Geistlichkeit reagierte eingeschnappt.

Kein Zweifel: Das Klima zwischen katholischer und evangelischer Kirche ist frostig, inzwischen eben auch auf der Arbeitsebene. Wer das noch nicht wahrhaben wollte, konnte sich davon im September ein Bild machen, bei der Europäischen Ökumenischen Versammlung in Hermannstadt in Siebenbürgen.

Während sich die Christenheit Europas in Rumänien trifft, besuchte das Oberhaupt der größten christlichen Konfession einen Wallfahrtsort in Österreich. Nein, heißt es im Vatikan, der Österreichbesuch von Papst Benedikt XVI. sei keine Gegenveranstaltung zur Europäischen Ökumenischen Versammlung in Hermannstadt. Eine zufällige Terminkollision, da darf man keine Absicht unterstellen, aber eine gehörige Portion Ignoranz gegenüber der ökumenischen Bewegung.

Immerhin war das Treffen einer der seltenen Höhepunkte in der Geschichte der Ökumene. Es gibt keine andere Veranstaltung auf der Welt, die gemeinsam von der katholischen, der orthodoxen, der evangelischen und vielen anderen Kirchen verantwortet wird.

2010 - ein hartes Stück Arbeit

Der Vatikan war in Hermannstadt immerhin mit Ökumenekardinal Walter Kasper prominent vertreten. Und der nutzte die Gelegenheit, um seinerseits den Protestanten reinen Wein einzuschenken. »Eine Schummel- oder Kuschelökumene bringt uns nicht weiter.« Auch er fühle sich oft brüskiert von dem, was andere über die katholische Kirche sagten.

Das klingt wie bei einem alten Ehepaar auf der Therapeuten-Couch. Endlich sagen wir mal, was uns aneinander stört und nicht passt. »Die Ökumene ist erwachsen geworden«, sagt ein Experte. Der ökumenische Frühling nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist endgültig vorbei. Da werden die Erfolgserlebnisse seltener - zuletzt die gegenseitige Anerkennung der Taufe im April dieses Jahres. Da nehmen die Frustrationen zu. Heute ist der evangelisch-katholische Dialog an einem Punkt, wo es ums Eingemachte geht. Ökumene ist harte Arbeit.

Das nächste Stück harter Arbeit ist der zweite Ökumenische Kirchentag in München im Jahr 2010. Die Verantwortlichen haben schon deutlich gemacht, dass sie sich von der Ökumene-Depression nicht anstecken lassen wollen. Nicht Querelen und Resignation sollen im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen, sagt der neue katholische Erzbischof von München, Reinhard Marx, sondern das gemeinsame Zeugnis der christlichen Kirchen. Jede Veranstaltung wird daraufhin überprüft, ob sie ökumenisch durchzuführen und zu verantworten ist. Man will so viel gemeinsam machen wie nur möglich, während des Kirchentags und bereits davor. So könnte von München im Sommer 2010 mal wieder ein Signal der ökumenischen Ermutigung ausgehen.

Es wird auch Zeit.

 

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abgerufen 08.02.2012 - 23:15 Uhr

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