Home
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Das Sonntagsblatt-Blog
Anzeigen-Service
Leserreisen
Zeitvertreib
Leserbriefe
Impressum



    
Heute: 09.02.2012
Aktuelle Ausgabe: 06 vom 05.02.2012
Artikel mit anderen teilen!
Dieser Artikel: Ausgabe 51/2007 vom 23.12.2007
Alle Artikel der » Ausgabe 51/2007 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


Mit der Lore zum Inselgottesdienst

An Heiligabend fährt Halligpastor Matthias Krämer mit Postschiff und Lore zum Gottesdienst


Weil nach dem Gezeitenkalender in diesem Jahr Ebbe und Flut zur rechten Zeit kommen, kann Halligpastor Matthias Krämer (43) Heiligabend alle drei Gottesdienste auf seinen Inseln feiern. Der evangelische Theologe ist am 24. Dezember auf den schleswig-holsteinischen Halligen Gröde, Oland und Langeneß im Einsatz.

Der Halligpastor auf dem Weg zur Gemeinde: Matthias Krämer mit dem Postschiffer »Fitje« Nissen.
Foto: privat
   Der Halligpastor auf dem Weg zur Gemeinde: Matthias Krämer mit dem Postschiffer »Fitje« Nissen.

»Wir brauchen Flut«, sagt Krämer. Denn das Postschiff, das ihn zu zwei Einsatzorten bringt, muss Wasser unter dem Kiel haben.

Das Wetter könnte dem evangelischen Theologen einen Strich durch die Rechnung machen. Schwerer Sturm oder frostige Temperaturen, mit denen derzeit kaum zu rechnen ist, könnten seine Planungen durchkreuzen. Weil Heiligabend in diesem Jahr am Montag ist, hat der Pastor mit Dienstsitz auf Hallig Langeneß die Gottesdienste am Sonntag gestrichen. »Darauf habe ich mich mit den Kirchenvorständen geeinigt«, sagt er.

Der Zeitplan an Heiligabend ist ohnehin eng. Erste Station ist in diesem Jahr Hallig Gröde. Während seine Frau mit den Kindern den Baum im gemütlichen Pastorenhaus auf der Kirchenwarft schmückt, packt »de Preester«, übrigens der 16. seit 1841, schnell seine Sachen für die Überfahrt auf Gröde. Dort bringt ihn Postschiffer »Fiete« (Hans-Friedrich) Nissen hin. Schnell muss Krämer dann den Talar anziehen und das Beffchen anlegen, um pünktlich um 13 Uhr in der Kirche mit dem Heiligabend-Gottesdienst zu beginnen. 17 Gemeindemitglieder leben auf Gröde.

Von Gröde geht es dann ebenfalls mit dem Postschiff Richtung Hallig Oland. 24 evangelische Christen wohnen auf der Insel. Sie erwarten ihren Pastor um 15 Uhr in der Petri-Kirche. Im Gepäck hat der Gottesmann einen schwarzen Anzug, passende Schuhe »und natürlich Predigt und Noten für die Orgel«. Der Pastor spielt selbst, »seit die letzte Organistin vor ein paar Jahren aufgehört hat«, aus Altersgründen.

»Es ist ein Ros' entsprungen«, »Ihr Kinderlein, kommet«, »O, du fröhliche«. Nein, die Oländer hätten auch keine anderen Lieblings-Weihnachtshits als der Rest der Republik. Dann kommt die Predigt. Lukas-Evangelium, Weihnachtsgeschichte. »Ich habe mir Stichworte gemacht«, sagt Krämer. Das gibt Spielraum für Variationen. Politisch soll es aber nicht werden, so viel ist klar. Danach geht's wieder retour: raus aus Talar und feinem Zwirn, rein in die warmen Klamotten, rauf auf die Lore, übers Watt nach Langeneß.

Langeneß ist die dritte und letzte Station von Pastor Krämer, hier wohnt er mit Ehefrau Manina, den Söhnen Jannis und Jerrit und Töchterchen Tjarde. Hier reist er von Oland aus mit einer kleinen Schienenlore an. Nach dreizehn Jahren Halligleben geht der gebürtige Hamburger mit dem knatternden, stinkenden Gefährt um wie ein Einheimischer. 4,5 Kilometer lang führt der Schienendamm durchs schleswig-holsteinische Wattenmeer. Gefahren wird bei Wind und Wetter, das ist Ehrensache. An die 100 Frauen, Männer und Kinder erwartet Krämer ab 17 Uhr in der Kirche.

Krämer ist jetzt 13 Jahre Halligpastor. »Am Heiligabend gehört Stress dazu«, sagt er. Wichtig ist eine dicke Jacke und die strikte Beachtung des Gezeitenkalenders. Er zeigt an, wann Ebbe und Flut sind. Vor zwei Jahren musste der Pastor wegen der »Tide« beispielsweise den Weihnachtsgottesdienst auf Gröde auf den Vierten Advent am 18. Dezember vorverlegen. Die Halligen sind kleine Inseln im nordfriesischen Wattenmeer an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins.

Die sieben bis 960 Hektar großen Halligen sind teilweise Reste des Festlands oder von Inseln, die nach Sturmfluten übrig geblieben sind. Wohnhäuser und Kirchen befinden sich auf meterhohen künstlich aufgeschütteten Hügeln, den Warften.

»Der Ablauf der Gottesdienste ist immer gleich«, sagt Krämer. Langweilig wird es trotzdem nicht. Auch weil man nie weiß, wann Ebbe und Flut wieder drei Weihnachtsgottesdienste zulassen.

WEIHNACHTEN

Meine Seele erhebt den Herrn. Der Lobgesang der Maria gehört zu den revolutionärsten Texten der Bibel. Von Peter Haigis. » lesen

Ein Lobgesang auf Gott. Das Magnifikat gehört zu den biblischen Texten, die am häufigsten vertont worden sind. Von Andreas Rössler. » lesen

Mit der Lore zum Inselgottesdienst. An Heiligabend fährt Halligpastor Matthias Krämer mit Postschiff und Lore zum Gottesdienst. » lesen

Das große Weihnachtspreisrätsel: das Finale. Knacken Sie auch die letzten Nüsse und gewinnen Sie einen von 100 wertvollen Preisen. » lesen

Durch Licht und Dunkel. »Die zwölf heiligen Nächte erleben: Ein Weg von Weihnachten bis Epiphanias. Von Jörg Zink. » lesen

Anti-Weihnachten der Ultraorthodoxen. In Jerusalems orthodoxem Viertel Mea Schearim ist der christenfeindliche »Nittel«-Brauch noch lebendig. Von Ulrich Sahm, Jerusalem. » lesen

»Das Blümelein so kleine...« »Es ist ein Ros entsprungen« - dieses Weihnachtslied gehört zu den beliebtesten und bekanntesten. Weniger bekannt ist, dass die letzten beiden Strophen in Oberfranken entstanden sind: Vor 200 Jahren wurde der oberfränkische Pfarrer und Lieddichter Fridrich Layriz (1808-1859) geboren. » lesen

 

Lesen Sie jede Woche auch das Sonntagsblatt-Titelthema, viele weitere interessante Artikel und Terminhinweise. Auch vor Ort immer gut informiert mit dem Sonntagsblatt: Sechs Regionalausgaben berichten über das, was an Ihrem Wohnort wichtig ist im evangelischen Bayern. Mit Gottesdienst-Anzeiger (München/Oberbayern, Nürnberg, Augsburg).
 

 

Hartmut Schulz

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2007_51_09_01.htm
abgerufen 09.02.2012 - 00:18 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2012, ImpressumWebmaster
Angebote für Webmaster