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Dieser Artikel: Ausgabe 51/2007 vom 23.12.2007
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Ein Lobgesang auf Gott

Das Magnifikat gehört zu den biblischen Texten, die am häufigsten vertont worden sind


Der in die Geburtsgeschichte Jesu eingebettete Lobgesang Marias (Lukas 1,46-55) ist der von den großen Komponisten wohl am häufigsten vertonte biblische Text. Ob im Magnifikat in erster Linie Maria oder Gott gepriesen wird, darüber haben die Komponisten einhellig eine klare Antwort gegeben: Es handelt sich um einen Lobgesang auf Gott.Auch wenn die Beurteilung von Musik zu einem Teil eine Frage des Geschmacks ist, besteht doch ein Konsens darüber: Die alles überragende Vertonung ist das Magnifikat von Johann Sebastian Bach (1685-1750).

Der »fünfte Evangelist«: Johann Sebastian Bach.
Foto: sob
   Der »fünfte Evangelist«: Johann Sebastian Bach.

  JOHANN SEBASTIAN BACH legte seinem Magnifikat von 1730 für Chor, Solostimmen, Kammerorchester und Basso continuo in D-Dur ausschließlich den lateinischen Text des Lobgesangs Mariens zugrunde. In der Erstfassung in Es-Dur dagegen, komponiert für die Weihnachtsvesper am 25. Dezember 1723, gab es noch zusätzlich vier weihnachtliche Einlagesätze. Doch Bach hatte »ein Gespür dafür, dass die liturgischen Texte der alten Kirche ihm ein anderes kompositorisches Verhalten abverlangten als die frisch angelieferten deutschen Kirchentexte aus benachbarter Verseschmiede« (so in einem Textbuch zur Interpretation durch Helmuth Rilling).

Die Versionen von 1723 und 1730 sind nicht Bachs einzige Auslegungen des Lobgesangs Mariens. Die zum Fest der Heimsuchung Mariens - einem der drei auch evangelischen Marienfesttage - komponierte siebenteilige Choralkantate »Meine Seele erhebt den Herrn« (BW 10), uraufgeführt am 2. Juli 1724, basiert auf dem deutschen Text des Magnifikats, vertont daraus aber nur die Verse Lukas 1,46-48 und 54 sowie das liturgisch dazugehörende »Ehre sei dem Vater«.

  CARL PHILIPP EMANUEL BACH (1714-1788), Sohn des Thomaskantors, hat ebenfalls ein Magnifikat geschrieben. Es ähnelt in manchem dem Werk seines Vaters, vor allem in dem jubelnden Eröffnungschor und der chorischen Schlussfuge »Sicut erat«. Das ausdrucksstarke Werk mit opernhaften Arien liegt stilistisch zwischen Barock und Klassik.

  PAPST GREGOR DER GROßE (6. Jahrhundert) integrierte das Magnifikat in die Vesper, das gottesdienstliche Abendgebet. Im Morgengebet hat das Benedictus seinen Ort, der Lobgesang des Zacharias (Lk 1,67-69); im Nachtgebet, der Complet, das »Nunc dimittis«, der Lobgesang des Simeon (Lk 2,29-32). Diese Nachbarschaft der drei Lobgesänge aus der lukanischen Geburts- und Kindheitsgeschichte Jesu zeigt deutlich, dass der Lobgesang Mariens in der abendländischen Liturgie nicht als Lobgesang auf Maria verstanden wird, sondern als Lobpreis Gottes. Die Einordnung des Magnifikats in die Vesper kommt vor allem bei zwei Komponisten zur Geltung:

  CLAUDIO MONTEVERDI (1567-1643), als großer Autor von Opern und Madrigalen geschätzt, veröffentlichte 1610 eine grandiose »Marienvesper«. Darin ist das Magnifikat der dreizehnte und letzte Teil. Dem dramatischen Magnifikat gehen, nach den zur Vesper gehörenden Psalmen und weiteren Texten aus dem Alten Testament, auch drei Texte der Marienverehrung voraus.

  WOLFGANG AMADEUS MOZART (1756-1787) schrieb 1779 und 1780, als Auftragswerke des Erzbischofs von Salzburg, zwei je sechsteilige Vesperzyklen für Solostimmen, Chor und Orchester, in denen das Magnifikat den Schlussteil bildet: die »Vesperae solennes de Dominica« und die »Vesperae solennes de Confessore«. Für freie musikalische Gestaltung hatte Mozart hier mehr Möglichkeiten als bei den Messen, die in den strengen Gottesdienstablauf eingepasst werden mussten. Orchester, Chor und Solostimmen wirken in melodischem Erfindungsreichtum, in ständiger Dynamik und in kunstvoller Kontrapunktik gleichgewichtig zusammen. Die Einzelheiten lösen sich nicht auf, sondern sind in ein großes Ganzes eingebunden.

  HEINRICH SCHÜTZ (1585-1672) schrieb 1671 sein »Deutsches Magnificat. Meine Seele erhebt den Herrn«.

  FELIX MENDELSSOHN-BARTHOLDY (1809-1847) komponierte 1847 sein Chorwerk »Mein Herz erhebet Gott«. Beides sind Chorwerke ohne Instrumentalbegleitung in deutscher Sprache.

  ORLANDO DI LASSO (1532-1594) schrieb mit seinem »Magnificat 'Praeter rerum seriem'« von 1582 eine feierliche sechsstimmige Motette.

  FRANZ SCHUBERT (1796-1828) komponierte sein dreigliedriges Magnifikat von 1815 in der Stimmung eines an Mozart erinnernden, von der klaren Form gezügelten Jubels.

  ARVO PÄRT (geboren 1935), ein estnischer Komponist, greift in seinem Magnifikat von 1989 wie Orlando di Lasso auf die Gregorianik zurück. Die eher stille Musik des orthodoxen Christen entfaltet eine mystische Stimmung, in der der Text zurücktritt.

»MAGNIFICAT«

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Andreas Rössler

 


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abgerufen 08.02.2012 - 12:06 Uhr

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