Sagen Sie mal, Maria...
Interviews mit Personen der Bibel (250)
Der »Klaps auf den Po« hat noch keinem geschadet? Eine berühmte Mutter über Erziehungskrisen
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akg
 »Maria züchtigt das Jesuskind vor drei Zeugen: André Breton, Paul Eluard und dem Maler« - nämlich Max Ernst. Auf dessen 1926 entstandenem Bild ist der Heiligenschein des Jesuskinds als Folge der mütterlichen Schläge zu Boden gefallen (Museum Ludwig, Köln).
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...ich bin geschockt. Sie zerstören unsere ganze Weihnachts-Krippen-Idylle! Haben Sie wirklich Jesus, den Sohn Gottes, geschlagen?
Maria: »Geschlagen« wäre übertrieben. Aber einen Klaps auf den Popo hat er schon mal bekommen, wenn er meine Nerven ruiniert hat.
Das entspricht gar nicht heutigen Erziehungsstandards. Körperliche Gewalt ist tabu, erst recht gegen Kinder.
Maria: Gewalt würde ich ja auch nicht anwenden. Aber was will man machen, wenn so ein kleiner Racker unaufhörlich nervt und seiner Mutter einfach nicht Gehorsam leistet? Auch für Jesus galt das vierte Gebot, auch er musste seine Mutter ehren!
Da ist Geduld gefragt - jene Tugend, die man Ihnen eigentlich nachsagt!
Maria: Auch ich bin nur ein Mensch mit einem normal ausgestatteten Nervenkostüm.
Haben Sie denn in solchen Momenten ganz vergessen, wen Sie da vor sich hatten?
Maria: Nie. Jesus von Nazareth, den von Gott gezeugten Messias. Aber auch er hatte sich nun mal den Regeln einer normalen Kindheit zu unterwerfen. Wenn es stimmt, dass Jesus ganz Gott, aber auch ganz Mensch war - dann hieß es auch, dass er nicht vor der strengen Hand der Mutter bewahrt bleiben konnte. Dass es ihm geschadet hat, glaube ich nicht. Im Gegenteil.
Jetzt wollen Sie auch noch im Nachhinein behaupten, so ein kleiner »Klaps« sei gut für die Kindesentwicklung?
Maria: Ich sage nur: Einen Schaden an Jesus habe ich nicht erkennen können. Er hat mich geliebt. Ist nicht nach der Pubertät ausgezogen, sondern blieb bei uns, bis er dreißig wurde. Und seine spätere Lehre ist maßgeblich von meiner Erziehung geprägt.
Inwiefern das?
Maria: »Wenn dich einer auf die Wange schlägt, so strecke ihm auch noch die andere hin«, empfahl er seinen Jüngern.
Logisch. Aus dem geschlagenen Kind wurde ein Friedensstifter. Als Kind hatte er keine Chance, den mütterlichen Schlägen zu entkommen. Also machte er aus der Not eine Tugend und hielt auch noch die andere Backe - und Wange - hin...
Maria: Meiner Meinung nach interpretieren Sie da aber etwas zu viel hinein. Außerdem möchte ich betonen, dass ich nur im äußersten Notfall mütterlicher Erschöpfung zu dieser Erziehungsmethode gegriffen habe. Meistens setzte ich auf die Macht des Gesprächs, des Gebets und der Überzeugung. Ich war und bin eine durch und durch demütige, duldsame, friedliebende Frau!
Das sehe ich anders. Sonst hätten Sie nicht in Ihrem Lobgesang, dem »Magnificat«, die gewaltsame Seite Gottes hervorgekehrt: »Er übt Gewalt mit seinem Arm.«
Maria: Gut beobachtet, aber lesen Sie bitte auch weiter: »Er stürzt die Gewaltigen vom Thron«, habe ich da gesagt. Gewalt an sich ist nicht verwerflich.
Bei Gott nicht. Bei einer Mutter schon.
Maria: Aufgrund meines späteren ausgezeichneten Leumunds kann ich davon ausgehen, dass die körperliche Züchtigung Jesu meinem Image nicht sonderlich geschadet hat. Warum musste Ihr Künstler auch ausgerechnet diese Szene malen? Das ärgert mich sehr.
Seien Sie getrost, Maria: Vielen Menschen, gerade evangelischen Frauen, sind Sie viel sympathischer geworden durch Ihre kleinen Erziehungssünden. Sie schwebten nicht versonnen über Ihrem Kind, sondern standen voll im Mutterleben mit allen Freuden und Sorgen. Es ist noch keine Super-Nanny vom Himmel gefallen!
Maria: Meinen Sie? Das würde mich freuen. Schließlich war ich ganz Gottesmutter, aber auch ganz Mensch. Mögen mir Gott und Jesus diese Schläge vergeben.
Ich bin mir sicher, sie tun es!
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ZUR SACHE
MARIA (* um 22 v. Chr., † nach 30 n. Chr.) war verlobt mit dem Zimmermann Josef von Nazareth. In Betlehem empfing sie etwa 4 v. Chr. Jesus, von dem seine Anhänger behaupten, er sei der Sohn Gottes. Maria schloss sich dem Jüngerkreis an. Nach seinem Tod wurde sie Mitglied der Jerusalemer Christengemeinde.
QUELLEN: Evangelien, Apostelgeschichte des Lukas. (Nachschlagen bei » bibel-online.net: Mt, Mk, Lk, Joh, Apg).
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