Sagen Sie mal, Hebräer...
Interviews mit Personen der Bibel (246)
Warum die Suche nach der bleibenden Stadt trotz »Ave Maria« weitergeht
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sob
 Albrecht Dürer: Porträt eines jungen Mannes (1500, Alte Pinakothek München).
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...endlich müssen Sie nicht mehr suchen, denn die zukünftige verheißene Stadt ist gefunden!
Hebräer: Tatsächlich? Dann kann ich den Brief ja zum Altpapier geben, den ich einst erhielt. Darin stand nämlich: »Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.«
Schluss mit dem Suchen! Wir haben sie gefunden!
Hebräer: Und wo liegt sie?
In Florida, einem Bundesstaat der Vereinigten Staaten. Sie ist nagelneu und trägt den wunderschönen Namen »Ave Maria«.
Hebräer: »Gegrüßet seist du Maria«?!? Ein ungewöhnlicher Name für eine Stadt. Wer ist nur auf diese Idee gekommen?
Ein amerikanischer Unternehmer. Tom Monaghan heißt er. Ein Katholik mit viel Geld, das er mit seinen Pizza-Restaurants gemacht hat. Mit seinen Milliarden hat er seine Vision verwirklicht, eine durch und durch christliche Stadt zu errichten. Seit fünf Jahren arbeiten die Bauarbeiter, seit kurzem können die Menschen dort einziehen.
Hebräer: Interessant. Aber was erwartet mich dort?
Zum Beispiel eine riesige katholische Kirche in der Mitte, daneben wird ein riesiges Kruzifix errichtet. Sie brauchen nicht zu befürchten, dass Sie auf der Straße Muslimen oder Buddhisten begegnen, denn alle 20000 Bewohner werden christlich konservativ glauben.
Hebräer: Beachtlich. Obwohl: Ich habe vor Muslimen gar keine Angst, vor Buddhisten erst recht nicht.
Ich nenne Ihnen noch mehr Vorteile. In der gesamten Stadt werden Sie keinen Porno-Shop und keine Strip-Bar finden!
Hebräer: Okay, aber derartige Etablissements besuche ich sowieso nicht.
Ihre Tochter wird dort nicht in die Versuchung kommen, die »Pille« zu nehmen - denn sie wird sie in »Ave Maria« nicht kaufen können!
Hebräer: Das wird aber kaum die Versuchung mildern, sexuelle Erfahrungen zu sammeln.
Sollte etwas passieren, kann sie jedenfalls nicht abtreiben in dieser Stadt.
Hebräer: Aha. Das klingt ja alles ganz unglaublich. Meinen Sie denn, junge Menschen werden trotzdem dort hinziehen?
Auf jeden Fall. Unter anderem, weil es dort eine katholische Elite-Universität gibt, deren Abschlüsse sehr anerkannt sein werden überall auf der Welt.
Hebräer: Die Studentinnen und Studenten werden vermutlich alle katholischer als der Papst sein und die strenge Glaubensspielart des bekehrten Pizza-Bäckers in die Konzerne und in die Politik Amerikas tragen.
Das hofft er, ja. Aber in Ihren Worten höre ich einen schnippischen Unterton. Warum nur?
Hebräer: Das Leben in dieser Stadt wird zwar sehr fromm sein, aber auch sehr langweilig. Wo bleiben denn Freude, Spaß und jenes himmlische Prickeln, das das Leben erst spannend macht?
Freude werden die Menschen im Glauben finden. Und natürlich können sie sich im Fernsehen oder Kino Filme ansehen und Spaß haben. Dass dort keine Pornos oder sündige Szenen gezeigt werden, ist selbstverständlich.
Hebräer: Ich habe es befürchtet, ja.
Weshalb »befürchtet«? Schauen Sie sich etwa so was an?
Hebräer: Nein. Aber ich bin der Überzeugung, dass man Moral und Glaube nicht verordnen sollte. Menschen müssen die Möglichkeit zur Entscheidung haben, die darf man ihnen nicht nehmen. Nur wer sündigen darf, kann fromm werden. Mich reizt es nach Ihren Schilderungen jedenfalls gar nicht, in diese Stadt zu ziehen.
Es gibt die erste christliche Stadt und sie wollen weitersuchen?
Hebräer: Auf jeden Fall. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. |