Sagen Sie mal, Friedensstifter...
Interviews mit Personen der Bibel (245)
Wenn Achtsamkeit, Diplomatie und Menschenkenntnis gefragt sind
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 Hans von Aachen: Allegorie des Friedens - umgeben von Kunst und Wohlstand (1602, Eremitage St. Petersburg).
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...Sie sind selig, hat Jesus in der Bergpredigt gesagt. Ein Zustand, den auch ich gerne erleben würde. Doch meine Erfahrung ist: Mit meinen Friedensbemühungen habe ich einen bestehenden Streit oft noch angefacht, statt ihn zu schlichten!
Friedensstifter: Ein großes, weit verbreitetes Problem. Frieden zu stiften ist wahrlich eine hohe Kunst. Unzählige Dilettanten versuchten sich bereits an ihr und scheiterten kläglich.
Kann man diese Kunst lernen? Geben Sie Kurse oder Ähnliches?
Friedensstifter: Es ist so wie bei jeder großen Kunst: Die Techniken kann man lernen; ohne Talent allerdings nützen sie wenig.
Was ist die Wichtigste: Waffen zerstören? Verhandlungen ansetzen? Gewalttäter und Friedensfeinde ruhig stellen?
Friedensstifter: Aber, aber... ich bitte Sie! Was für banale, oberflächliche Vorstellungen. Als ob sich Frieden verordnen lassen würde. Frieden ist nur in sehr beschränktem Maße machbar. Ihre Fragen beziehen sich auf unfriedliche Zustände, die sich in Konflikten zwischen Staaten ergeben können. Dort ist Diplomatie gefragt. Die Friedensstifter, die dort tätig sind, gehören einer ganz eigenen Spezies an. Sie verfügen meist in hohem Maße über die Gaben der Kommunikationsfähigkeit und Menschenkenntnis. Aber die Frage von Krieg und Frieden ist wahrlich nicht auf Nationen beschränkt. Spannender und eine tägliche Herausforderung ist das Friedenstiften im Alltag. Verdeckte Gewalt und fauler Friede lauern überall und wollen entdeckt werden.
Im Alltag? Kommen Sie jetzt mit dem Spruch »Frieden fängt im Kleinen an«, mit dem die Mächtigen zu allen Zeiten lautstarken Protest der Friedensfreunde ausbremsen wollten?
Friedensstifter: Auch wenn Sie es nicht gerne hören: Ja, Frieden fängt im Kleinen an. Diese Einsicht ist grundlegend für die Kunst des Friedenstiftens. Wie könnte ein Mensch Frieden zwischen Anderen stiften, wenn er mit sich selbst keinen Frieden geschlossen hat?
Das dauert mir zu lange. Ich möchte etwas tun, was rasch Erfolge zeigt. Aktionen gegen Rassismus ins Leben rufen. Für den Abzug der Amis aus dem Irak demonstrieren, auch gegen den Bürgerkrieg im Sudan protestieren. Friedensstifter aller Länder, vereinigt euch!
Friedensstifter: Ihre Leidenschaft in allen Ehren, aber Frieden zu stiften ist eine langwierige Angelegenheit. Vermeintliche rasche Erfolge entpuppen sich oft als Startschüsse für neue Konflikte. Parolen können allenfalls die Öffentlichkeit auf einen Konfliktherd aufmerksam machen. Sie baten mich, Sie die hohe Kunst des Friedenstiftens zu lehren. Die erste Lektion lautet: Achtsamkeit.
Auch das hört sich ganz anders an als das, was ich mir von Ihnen erhofft hatte.
Friedensstifter: Das tut mir leid, ist aber nicht zu ändern. Die Aufgabe: Üben Sie Achtsamkeit. Gönnen Sie sich ein paar Tage Einsamkeit und achten Sie auf Ihre Gedanken und Gefühle. Stellen Sie sich Fragen, die Sie sich sonst nie zu fragen trauten: Bin ich eigentlich glücklich? Wann und wo herrschte Unfrieden in meinem Leben? Gegen wen oder was spüre ich Abneigung oder gar Hass? Wie möchte ich gerne sein - und was hindert mich daran, so zu sein?
Solche Fragen aus der Psycho-Ecke wollen Sie mir tatsächlich zumuten?
Friedensstifter: Nicht ich - Sie sollten sie sich zumuten. Zum Frieden gehört es, Anderen mit Achtung zu begegnen. Das können Sie nur, wenn Sie achtsam mit sich selbst umgehen. Andernfalls werden Sie kein Gehör bei Menschen finden, die im Unfrieden leben.
Okay. Die zweite Lektion?
Friedensstifter: Dreht sich ebenfalls um die Achtsamkeit. Versuchen Sie, Unfrieden zu entdecken. Achten Sie im Alltag darauf, welche Menschen und welche Situationen von Unfrieden bestimmt sind. Wo werden Menschen herabgewürdigt und verachtet? Wo herrscht Angst? In welchen Situationen werden Menschen nicht ernst genommen, sondern manipuliert? Wenn Sie mit offenen Augen und Sinnen durch Ihren Alltag gehen, werden Ihnen viele Dinge auffallen...
... in denen ich Frieden stiften kann?
Friedensstifter: Auf jeden Fall. Aber lassen Sie sich Zeit. Lassen Sie Ihr Handeln nicht von spontanen Einfällen bestimmen, sondern von den Erkenntnissen der Achtsamkeit. Übrigens habe ich noch einen tollen Tipp für Sie. Damit können Sie sofort beginnen, Friedensstifter zu werden.
Friedensstifter: Verraten Sie’s mir!
Friedensstifter: Suchen Sie sich eine Kirchengemeinde, die sich an der diesjährigen »Friedensdekade« beteiligt. Gehen Sie zu deren Veranstaltungen, Sie werden viele Gleichgesinnte finden! |