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Dieser Artikel: Ausgabe 43/2007 vom 28.10.2007
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Sagen Sie mal, tüchtige Hausfrau...

Interviews mit Personen der Bibel (243)


Sie ist »viel edler als die köstlichsten Perlen« - und hält Eva Hermans Sprüche für »Schmarrn«

»Sie steht vor Tage auf und gibt Speise ihrem Hause.« (Antonello da Messina, etwa 1475, Galleria Regionale della Sicilia, Palermo)
Foto: sob
   »Sie steht vor Tage auf und gibt Speise ihrem Hause.« (Antonello da Messina, etwa 1475, Galleria Regionale della Sicilia, Palermo)

  ...wissen Sie überhaupt, dass Ihnen die Bibel ein wundervolles Loblied widmet?

Hausfrau: Nein. Ich weiß nur, dass Jesus einmal bei Martha war, die so sehr am hausfraulichen Wirbeln war, dass sie gar keine Zeit zum Zuhören fand. Da schneidet meine Zunft nicht gut ab.

  Dann kann ich Ihnen um so mehr empfehlen, einmal im Buch der Sprüche nachzuschauen. Ganz am Ende finden Sie es, überschrieben »Lob der tüchtigen Hausfrau«.

Hausfrau: Moment, ich stelle mal rasch den Besen zur Seite und hol mir meine Bibel... (blättert). Leider komm ich so selten zum Lesen, wissen Sie, der Haushalt... Da... ich hab’s. Tatsächlich!

  Finden Sie sich treffend beschrieben?

Hausfrau: Moment... »Sie steht vor Tage auf und gibt Speise ihrem Hause«: Das stimmt. Kinder wecken, Frühstückstisch decken, Stullen schmieren..., mein Wecker klingelt um sechs. Insofern bin ich schon eine »tüchtige Hausfrau«.

  Und Sie sind damit »viel edler als die köstlichsten Perlen«.

Hausfrau: Nun übertreiben Sie mal nicht.

  Steht da aber. »Sie tut ihrem Mann Liebes und kein Leid ihr Leben lang.«

Hausfrau: Jetzt wird’s für meinen Geschmack ein wenig zu romantisch. Niemand kann immer nur »Liebes« tun. Um unseren ganzen Haushalt zu organisieren, müssen wir Hausfrauen auch schon mal hart sein und auf den Tisch hauen. Nein, dieses biblische »Loblied« überfordert uns Hausfrauen eher, als dass es uns ehrt. Es bürdet uns, die wir uns Tag für Tag die Hände wund arbeiten, auch noch Schönheit auf. »Kraft und Würde« sollen wir ausstrahlen und Purpur-Kleider tragen. Über unserem Kittel, oder wie?

  Wer als Frau gelobt werden will, muss halt was leisten!

Hausfrau: Eva Herman hätte es nicht besser sagen können. Dennoch ein Macho-Spruch. Ich könnte wetten, dass ein Kerl dieses vermeintliche Loblied gedichtet hat. Eines dieser erfolgreichen Exemplare, die morgens aus dem Haus gehen und abends alles sauber sehen möchten, das Essen auf dem Tisch, die Kinder gehorsam, die Frau im Negligé, alle bei bester Stimmung und in freudiger Erregung den Pascha erwartend.

  Weil Sie gerade Eva Herman ansprechen: Die hat doch recht. Ich meine, dieses Familienideal ist ja leider Gottes durch die 1968er-Generation völlig torpediert worden. Seitdem ist nichts, wie es vorher war...

Hausfrau: ...bei den Nazis, oder was meinen Sie?

  Nein, natürlich nicht, mit solchen Vergleichen muss man ja vorsichtig sein. Ich sage nur: Die traditionelle Rolle der Mutter muss wieder wertgeschätzt werden!

Hausfrau: Da gebe ich Ihnen Recht. Eine Mutter verdient Respekt und Ehre - genauso wie ein Vater übrigens. Allerdings hat das wenig zu tun mit einer bestimmten Form von Familie. Ich kenne Mütter, die absolut unorthodox und so gar nicht »normal« sind - und die besten Mütter der Welt sind! Und ich kenne Mütter, die als Hausfrauen vermeintlichen »Familienwerten« nacheifern und dabei todunglücklich sind. Das biblische Loblied, das Sie mir da zeigen, drängt eine Frau in unzumutbarer Weise in eine konventionelle Hausfrauen-Ecke. Ohne Rücksicht auf Verluste.

  Aber wäre nicht wirklich alles viel leichter auch in unserer heutigen Gesellschaft, wenn wir dieses Familienbild wiederbeleben würden?

Hausfrau: Schmarrn. Das kann nicht funktionieren. Niemand kann sich zurückkatapultieren ins vermeintliche Familien-Paradies, in dem Eva die Hauptrolle spielte. Außerdem: Selbst zu biblischen Zeiten war »Hausfrau« nur eine Lebensform von vielen. Es gab Prophetinnen und Herrscherinnen, Jüngerinnen, Unternehmerinnen... Und noch was: Zeigen Sie mir bitte eine »heile« Familie in der Bibel! Vielehen, Alkoholismus, enttäuschte Kinder, Ehebruch. Die 1968er konnten kein einheitliches Familienbild zerstören. Das gab es ja immer nur in den Köpfen irgendwelcher Ideologen! Das Glück findet eine Familie, wenn alle miteinander lebendig umgehen. Alte Rollenklischees machen nicht glücklich. Auch dann nicht, wenn sie in der Bibel stehen.

Eine » Übersicht aller Interviews mit Personen der Bibel finden Sie » hier...

 

ZUR SACHE

TÜCHTIGE HAUSFRAU: Das alttestamentliche Buch der Sprüche enthält viele Sprichwörter, Weisheiten und Lebensratschläge. Der weise König Salomo (965-925 v. Chr.) soll sie verfasst haben; tatsächlich sind sie jedoch viel später entstanden.

QUELLE: Sprüche 31,10-31. (Nachschlagen bei  » bibel-online.net:  Spr 31,10).

@ Haben Sie Fragen an Menschen aus der Bibel? Stellen Sie sie ins Internet unter:  www.sagen-sie-mal.de

Interview: Uwe Birnstein

 


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/news/aktuell/2007_43_19_01.htm
abgerufen 09.02.2012 - 01:51 Uhr

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