Sagen Sie mal, Stephanus...
Interviews mit Personen der Bibel (241)
Der erste Märtyrer der Christenheit über den Mann, der ihn verfolgte
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 Der heilige Stephanus, Fresko in der »Stanza della Segnatura« im Vatikan, Raffael, 1509.
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...wir verehren den Apostel Paulus, weil er die frohe Botschaft aus Palästina in die gesamte Mittelmeerwelt getragen hat. Sie hingegen dürften schlimme Erinnerungen an Paulus haben.
Stephanus: Sein Gesicht war eines der letzten, das ich in meinem irdischen Leben sah, bevor die Steine auf mich niederprasselten und mich ins Jenseits beförderten. Paulus - damals hieß er noch Saulus - hatte sichtbar Gefallen an meinem Tod. Mit hämischem Lächeln und eiskaltem Blick stand er neben meinen Peinigern.
Schaurig, dass so einer später ausgerechnet den Glauben weiterträgt, dessentwegen Sie gesteinigt wurden!
Stephanus: In gewisser Weise gebe ich Ihnen recht. Dieser Saulus gehörte zu den unnachgiebigsten Verfolgern der ersten Christen. Mit ein paar Soldaten im Schlepptau ging er in Jerusalem von Haus zu Haus, schleppte Männer fort und warf sie ins Gefängnis. Er schnaubte mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn. Wir alle lebten in Angst vor ihm. Aber auch in der Gewissheit: Diese Verfolgung wird der Verbreitung des christlichen Glaubens keinen Abbruch tun. Im Gegenteil: Sie wird uns stärker machen. Paradox, oder?
In der Tat. Wären Sie am Leben geblieben, hätten Sie als Diakon weiter gute Werke tun können.
Stephanus: Diese Tätigkeit haben andere übernommen. Meine Missions-Aufgabe war mein Tod, so schrecklich das in Ihren Augen klingen mag. Als erster Märtyrer der Kirchengeschichte hatte ich der Menschheit zu zeigen: Wir Christen scheuen den Tod nicht. Unser Glaube akzeptiert diese künstliche Grenze nicht. Der Tod hat den Stachel verloren, denn wir wissen: Danach werden wir bei Gott sein.
Das irdische Leben mit seinen Freuden möchte ich trotzdem nicht missen.
Stephanus: Müssen Sie ja auch nicht. Auch die Christen sollen schließlich das Leben genießen. Geht es dann allerdings ans Sterben - dann leben wir in der Gewissheit: Wir gehen nicht ins Nichts, sondern zu Gott. Mit meinen Erfahrungen kann ich Ihnen versichern: Dieser Wechsel in die andere Wirklichkeit ist überwältigend...
...war bei Ihnen aber mit schlimmsten Schmerzen verbunden.
Stephanus: In der Tat. Merkwürdigerweise spürte ich die Steine aber irgendwann nicht mehr. Es war so, als habe jemand meine Nerven abgeschaltet. Das gab mir Kraft, würdig in den Tod zu gehen und mein Sterben zum Glaubenszeugnis zu machen. Im Moment des Todes war ich erfüllt von Liebe für meine Peiniger. »Rechne ihnen diese Sünde nicht an«, rief ich laut. In diesem Moment blickte ich Saulus in die Augen. Hinter seinem Blick sah ich eine leichte Verunsicherung.
Kein Wunder. Er musste annehmen, Sie würden ihn hassen und Rache fordern!
Stephanus: Rache bringt die Welt nicht voran. Wir müssen aussteigen aus diesem ewig gleichen Kreislauf der Rache. Nur Vergebung wirkt Wunder. Wie sie wirken, können Sie an dem Schicksal des Saulus erkennen.
Dass er zum Paulus geworden ist, meinen Sie?
Stephanus: Genau. Nicht zuletzt mein Sterben hat ihm die Sinnlosigkeit seines Wirkens als Christenverfolger deutlich gemacht. Als er zu neuen Untaten nach Damaskus reiste, musste er sich der Frage Jesu stellen: »Saul, Saul, warum verfolgst du mich?«
Das hat gewirkt.
Stephanus: Ja. Die Wege des Herrn sind unergründlich. Jesus wählte sich Saulus, den bösesten Christenverfolger, zum Werkzeug aus. »Ich will ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen«, sagte er. Saulus ließ sich taufen und wurde Missionar. Eine wunderbare Bekehrung. Warum sollte ich also Hass spüren gegen ihn?
Hat es Sie denn mit Genugtuung erfüllt, dass Paulus am Ende auch den Märtyrertod starb?
Stephanus: Er wurde einer von uns. Und er hat die Sache des Glaubens vorangetrieben. Der Tod ist nicht zwingend dafür notwendig. Aber auch nicht hinderlich. | Eine » Übersicht aller Interviews mit Personen der Bibel finden Sie » hier...
ZUR SACHE
STEPHANUS (griech. »Kranz«, »der Bekränzte«) war einer der sieben Diakone der Jerusalemer Urgemeinde, »voll Gnade und Kraft« tat er »Wunder und große Zeichen unter dem Volk«. Misstrauische Juden denunzierten ihn; als er in seiner Verteidigungsrede das Volk Israels beschuldigt, sich von Gott entfernt zu haben, wird er zum Tode verurteilt. Seine Steinigung wird beaufsichtigt von dem Christenverfolger Saulus, der »Gefallen« fand an dessen Tod. Stephanus gilt als erster Märtyrer der Christenheit; Saulus wird kurze Zeit darauf bekehrt und unter dem Namen »Paulus« einer der erfolgreichsten Missionare der Christenheit.
QUELLE: Apostelgeschichte 6-8,3; 9,1-19 (Nachschlagen bei » bibel-online.net: Apg. 6 ff.).
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