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Dieser Artikel: Ausgabe 39/2007 vom 30.09.2007
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Sagen Sie mal, Eli...

Interviews mit Personen der Bibel (239)


Dem frommen Ziehvater des Samuel brach der Ärger mit den eigenen Söhnen letztlich das Genick

Der junge Samuel berichtet dem betagten Priester Eli von seiner Vision. Ausschnitt eines Gemäldes von John Singleton Copley (1780).
Foto: sob
   Der junge Samuel berichtet dem betagten Priester Eli von seiner Vision. Ausschnitt eines Gemäldes von John Singleton Copley (1780).

  ...Sie waren ja ein Opa, wie er im Buche steht: weißer Bart, liebevolles Gesicht, geduldiger Blick...

Eli: Danke für das Kompliment. Für idyllische Familien-Vorstellungen tauge ich allerdings herzlich wenig. Meine grauen Haare zeugen auch nicht von Altersweisheit, sondern von Kummer. Meine beiden Söhne haben mir so viel Stress bereit - kaum auszuhalten war das!

  Das tut mir Leid. Dabei sieht der Kleine so neugierig und problemlos aus!

Eli: Der Kleine auf dem Bild ist ja auch nicht mein leiblicher Sohn, sondern mein Ziehsohn. Samuel heißt er. Seine Mutter Hanna hatte ihn mir zur Erziehung anvertraut. Samuel war wirklich ein Herzchen. Einen so wissbegierigen, gleichzeitig bescheidenen wie selbstbewussten Knaben habe ich selten zuvor erlebt. Der Traum jedes Vaters.

  Wieso hat Ihre Erziehung bei Samuel besser geklappt als bei Ihren leiblichen Söhnen?

Eli: Bei Hofni und Pinhas? Gott habe sie selig! Keine Ahnung. Auf jeden Fall habe ich mich ihnen gegenüber genauso liebevoll-väterlich verhalten wie Samuel gegenüber. Viel vom Wesen eines Menschen steckt in den Genen, haben die Wissenschaftler Ihrer Zeit herausgefunden. Das könnte stimmen. Die beiden haben sich absolut respektlos mir und Gott gegenüber verhalten. Ehrlich gesagt: Dafür habe ich sie verachtet. Aber das sollte man als Vater wohl nicht sagen.

  Warum? Lassen Sie Ihren Gefühlen freien Lauf. Verschweigen hilft eh nicht.

Eli: Stellen Sie sich vor: Die beiden hatten den Priester-Dienst am Heiligtum angetreten. Wenn Gläubige ihr Opferfleisch brachten, beschlagnahmten sie es einfach und bereiteten sich daraus ein Festmahl!

  Unverschämt. Frevelhaft.

Eli: Gesprächen mit mir entzogen sie sich. »Nicht doch, meine Söhne!« rief ich ihnen zu. Doch sie trieben es immer schlimmer. Eines Tages erfuhr ich, dass sie mit Frauen schliefen, die vor dem Tempel Dienst taten.

  Unter »Jugendsünden« kann man das wohl nicht mehr verbuchen.

Eli: Sie waren schon erwachsen. Aber Kinder bleiben immer Kinder für einen Vater. Das Dumme war: Als Hohepriester wusste ich, dass Gott zu dieser Zeit noch ziemlich rigide war in seinen Methoden. Wer ihm dumm von der Seite kam, den räumte er aus dem Weg. Seine gnädige Seite hatte er noch nicht so recht entwickelt.

  Er war tatsächlich so autoritär, wie es ihm bis heute viele nachsagen?

Eli: Ja. Deswegen befürchtete ich - zu Recht, wie sich später zeigte! -, dass er Hofni und Pinhas bestrafen würde. Und zwar mit dem Tod.

  Sie haben Ihre Söhne verachtet, sagten Sie. Empfanden Sie den Tod etwa als gerechte Strafe?

Eli: Keineswegs. Gott wahrte nicht die Verhältnismäßigkeit der Mittel. Ich sagte es ihm. Doch er war schon damals zu mächtig und souverän, um auf die Einwände eines Menschen zu hören. Eine Kriegsschlacht wählte er, um ihnen das Leben zu nehmen.

  Wenigstens ein heldenhafter Tod.

Eli: Das ist ein schwacher Trost. Ich hatte schon ein flaues Gefühl, als ein Bote klopfte. Dann überbrachte er mir die Nachricht: Meine beiden geliebten Stress-Söhne waren in der Schlacht gefallen.

  Sie fielen vom Stuhl und brachen sich das Genick, berichtet die Bibel.

Eli: So war es. Ich wollte nicht glauben, dass Gott es wahr machen würde mit seiner Drohung. Jahrzehntelang hatte ich ihm als Hohepriester gedient - sollte das der Dank sein?

  Eine gute Wendung nahm die Geschichte dann doch noch. Die hinterbliebene Witwe des Pinhas, Ihre Schwiegertochter also, gebar kurz darauf einen gesunden Sohn. Ihr Familienstammbaum wurde fortgeführt.

Eli: Davon habe ich erfahren, ja. Leider konnte ich ihm kein guter Opa mehr sein. Meine Zeit auf der Erde war abgelaufen. Dafür hatte ich zuvor Samuel meine ganze Liebe schenken dürfen. Manchmal kann man zu Ziehsöhnen ein unbefangeneres Verhältnis haben als zu seinen eigenen Kindern.

Eine » Übersicht aller Interviews mit Personen der Bibel finden Sie » hier...

 

ZUR SACHE

ELI (hebr. »Gott ist erhaben«) diente als Hohepriester am Heiligtum von Silo. Über das gotteslästerliche Verhalten seiner eigenen Söhne Hofni und Pinhas grämte er sich. Um so mehr freute er sich an Samuel, dem Sohn einer lange Zeit kinderlosen Frau namens Hanna. Als Eli vom Tod der eigenen Söhne erfährt, bricht er sich das Genick. Kurz darauf gebiert seine Schwiegertochter den Sohn Ikabod.

QUELLE: 1. Samuel 1-4 (Nachschlagen bei  » bibel-online.net:  1. Sam 1).

@ Haben Sie Fragen an Menschen aus der Bibel? Stellen Sie sie ins Internet unter:  www.sagen-sie-mal.de

Interview: Uwe Birnstein

 


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/news/aktuell/2007_39_21_01.htm
abgerufen 09.02.2012 - 00:38 Uhr

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