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Dieser Artikel: Ausgabe 39/2007 vom 30.09.2007
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»Entnennung« ist »Entehrung«

Oberfrankens Regionalbischof zur Hans-Meiser-Straße in Bayreuth


Wird nach München und Nürnberg auch die Stadt Bayreuth bald keine Hans-Meiser-Straße mehr haben?

Die Hans-Meiser-Straße in Bayreuth. Links die evangelische Erlöserkirche.
Foto: wl
   Die Hans-Meiser-Straße in Bayreuth. Links die evangelische Erlöserkirche.

In der Wagnerstadt hat jetzt Oberfrankens evangelischer Regionalbischof Wilfried Beyhl (Bayreuth) zur öffentlichen Diskussion um eine Umbenennung der nach dem ersten Landesbischof benannten Straße Stellung bezogen. Anlass war ein Antrag der Bayreuther Stadtratsfraktion der Grünen, die wegen Meisers antisemitischer Haltung auf eine Namensänderung drängt.

Beyhl, der seinen Amtssitz in der Hans-Meiser-Straße hat, bezeichnet die »Entnennung« einer Straße als schwerwiegende Entscheidung. Seiner Meinung nach sollte sie nur nach eindeutigen und gravierenden Kriterien erfolgen, weil sie - so Behyls Argumentation - gleichbedeutend mit einer »Entehrung« einer Gesamtpersönlichkeit sei.

Um eine »Verwaltungsbegünstigung« bei Straßennamen zu vermeiden, müssten Beyhl zufolge gegebenenfalls alle Straßennamen nach den gleichen Kriterien auf den Prüfstand gestellt werden. Der Regionalbischof gab jedoch zu bedenken, dass Straßennamen die Erinnerung an eine historische Epoche einer Stadt oder eines Landes wachhielten. Sie dienten damit auch der Erinnerungskultur, die Licht und Schattenseiten bewahre. »Wir halten daher eine Erinnerungstafel bei entsprechenden Straßennamen für einen angemesseneren Umgang mit der Geschichte als eine Entnennung«, betont Beyhl.

In seiner Stellungnahme erinnert der oberfränkische Oberhirte aber auch an die besonderen Verdienste Hans Meisers um Bayreuth, der hier 1933 zum ersten Landsbischof der bayerischen Landeskirche gewählt wurde.

So habe er sich entschieden für die Gründung der Kirchenmusikschule in Bayreuth (heute Hochschule für Kirchenmusik) und für die Stärkung der strukturschwachen Region eingesetzt.

Gegen die NS-Diktatur

Zur geschichtlichen Rolle Meisers merkte Beyhl an, der Landebischof habe sich im Kirchenkampf erfolgreich der nationalsozialistischen Diktatur widersetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe er Großes für den Wiederaufbau Bayerns, der Kirche und der Diakonie geleistet.

Beyhl ging auch auf »antisemitische Hetzworte« Meisers in den 1920er-Jahren ein, die als »unselig« zu verurteilen seien. Sie seien von einer antijudaistischen Bibelauslegung ausgegangen. Aus historischem Abstand sei allerdings leicht zu urteilen. »Wir dürfen froh sein, dass wir nicht in solche Verstrickungen und Irrungen wie die Menschen damals geraten sind.«

Anders als Beyhl hat sich der frühere Bayreuther Stadtrat und Hobby-Historiker Siegfried Pokorny mit Nachdruck für eine Änderung der Straßenbezeichnung ausgesprochen. Dem stockkonservativen Lutheraner Meiser hätten Volk, Rasse und Staat als von Gott verfügte Ordnungen gegolten.

Zwar habe auch Richard Wagner wie Meiser völkisch antisemitisches Gedankengut verbreitet, nur sei er nicht mit der Vernichtung der Juden konfrontiert gewesen. Meiser habe sich auch nach 1945 nie von seinen antisemitischen Auffassungen distanziert.

Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Felix Gothart, hatte im Juli dieses Jahres die Umbenennung der Hans-Meiser-Straße in Dietrich-Bonhoeffer-Straße ins Gespräch gebracht. Damit würde ein bedeutender evangelischer Theologe und Märtyrer, der auch eine Beziehung zu Bayreuth hat, eine verdiente Ehrung erfahren.

 

Kirche und Nationalsozialismus

Kirche und Nationalsozialismus (Bild: Dietrich Bonhoeffer und »Reichsbischof« Ludwig Müller)

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Bernd Mayer

 


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abgerufen 09.02.2012 - 01:43 Uhr

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