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Dieser Artikel: Ausgabe 38/2007 vom 23.09.2007
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Sagen Sie mal, Leviathan...

Interviews mit Personen der Bibel (238)


Das biblische Seeungeheuer, das Meer und der Klimawandel

Untergang des Leviathan, Gustave Dore, 1865, aus der Folge der 230 Bilder zur Bibel, Berlin, Archiv für Kunst und Geschichte.
Foto: pa
   Untergang des Leviathan, Gustave Dore, 1865, aus der Folge der 230 Bilder zur Bibel, Berlin, Archiv für Kunst und Geschichte.

  ...afrikanische Länder klagen über nie gekannte Überschwemmungen, das Abschmelzen des arktischen Eises wird den Meeresspiegel heben und viele Länder unbewohnbar machen. Und in Asien verwüsten Tsunamis ganze Küstenstriche. Stecken Sie eigentlich hinter diesen Wasser-Katastrophen?

Leviathan: Oh nein, keine Angst. Auch ich befinde mich - wie Sie - in dieser Angelegenheit nur im Beobachterstatus. Und staune darüber, welche Katastrophen der maritimen Art sich da anbahnen. Es ist in der Tat viel in Bewegung geraten in den letzten Jahrzehnten. Meine Ruhe auf dem Meeresboden kann ich nicht mehr recht genießen.

  Dann stimmt es also, dass Sie dort unten als Gegenspieler Gottes hausen?

Leviathan: Gegenspieler ist übertrieben. Er hat mich ja erschaffen und mit Macht ausgestattet - also muss er mich gewollt haben. Vielleicht, weil es Zeiten gab, in denen er mit mir gespielt hat? Auch mein Leben muss einen Sinn haben.

  Sie würden das Meer aufbrausen lassen, heißt es. Sie würden Feuer spucken - so heiß, dass Sie das Wasser zum Sieden bringen!

Leviathan: Die Menschen neigen zur Übertreibung. Und dazu, die eigene Schuld auf andere abzuwälzen. Früher haben sie alles Schlimme den Sündenböcken aufgebürdet und sie in die Wüste geschickt. Nur damit sie selbst nicht die Verantwortung übernehmen müssen. Heute ist es oft »das Böse« oder irgendein teuflisches Wesen, das für diverse Miseren der Welt zuständig sein soll. Dass Sie jetzt mir die Schuld für Überschwemmungen geben wollen, passt in dieses unselige Muster hinein. Ich muss Sie aber enttäuschen: Die Wasserprob­leme der heutigen Menschheit haben die Menschen selbst verursacht. Im Gegenteil: Ich staune selber über die Heftigkeit, mit der sich das Meer derzeit gebärdet. Da krieg ja sogar ich Mitleid mit der Schöpfung. Jedesmal, wenn ein Gletscherstück ins Meer sackt, reißt es mir das Herz entzwei.

  Wenn Sie schon nicht der Verursacher sind: Können Sie dann nicht wenigstens helfen und gegensteuern? Zeigen Sie uns Menschen, dass Sie ein Monster mit einem guten Herz sind. Verhindern Sie, dass unschuldige Menschen elendiglich ersaufen!

Leviathan: Wieso sagen Sie »unschuldige« Menschen? An einem Großteil Ihrer Probleme sind Sie und Ihre Mitmenschen schuld. Das lässt sich nicht schönreden. Die Klima-Veränderungen sind Folgen menschlichen Tuns! Immer mehr Autos, immer mehr Flugzeuge, immer größere und immer mehr Fabriken, die die Atmosphäre aufheizen. Und da reden Sie noch immer von »unschuldigen Menschen«? Mittlerweile glaube ich, die Menschheit in ihrer Gesamtheit ist viel monströser als ich es in meinen besten Tagen gewesen bin. Gegen sie hat selbst Gott keine Chance.

  Okay, ich gebe Ihnen ja Recht. Sehen Sie mein Hilfsersuchen doch bitte als Akt der Verzweiflung. Wir Menschen wissen einfach nicht mehr, was wir gegen die Klimakatastrophe tun können.

Leviathan: Ach, und da soll ich einspringen? Ich, der ich über Jahrhunderte, Jahrtausende immer nur die Rolle des bösen Drachen spielen musste? Nein, nein, da ist was faul. Die Menschheit kennt die Methoden, wie sie der Fluten und Stürme Herr werden kann. Bauen Sie Windräder, nutzen Sie die Sonne, wirken Sie auf Politiker im In- und Ausland ein, damit sie keine Energie verpulvern. Seien Sie freundlich zur Umwelt, dann wird sie auch freundlich zu Ihnen sein.

  Aber es ist doch so unendlich schwer! Wir in Bayern und Deutschland tun ja schon alles. Alles sinnlos, denn in China, in Indien und auch in Russland schänden immer mehr Menschen die Erde.

Leviathan: Merken Sie es gar nicht: Schon wieder schieben Sie die Schuld auf andere ab. Sorgen Sie gefälligst dafür, dass es in Ihrem Land sauber zugeht. Werden Sie zum Vorbild, dann werden es Ihnen andere gleich tun. Klopfen Sie den Verantwortlichen auf die Finger. Und, ganz wichtig: Lassen Sie sich von den Schreckens-Vorhersagen nicht bange machen. Es gibt Auswege. Immerhin hat Gott den Menschen versichert, dass er keine neue Sintflut schicken wird!

Eine » Übersicht aller Interviews mit Personen der Bibel finden Sie » hier...

 

ZUR SACHE

LEVIATHAN: (hebr., »das Gewundene«) ist ein Feuer speiendes, bösartiges Meeres-Ungeheuer. In der biblischen Mythologie dient dieses drachenähnliche Wesen als Sinnbild für ein durch Menschen nicht zu zähmendes Böses, das erst am Ende aller Zeiten von Gott vernichtet wird. Vom Mittelalter an wird Leviathan als teuflische Gestalt gedeutet; heutzutage tragen in Fantasy-Filmen und Computerspielen Monster den Namen Leviathan.

QUELLEN: Hiob 3,8; 40,25-41,26; Psalm 74,14; Jesaja 27,1 (Nachschlagen bei  » bibel-online.net:  Hiob 3,8,  Hiob 40,25,  Ps 74,14,  Jes 27).

@ Haben Sie Fragen an Menschen aus der Bibel? Stellen Sie sie ins Internet unter:  www.sagen-sie-mal.de

Interview: Uwe Birnstein

 


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/news/aktuell/2007_38_23_01.htm
abgerufen 09.02.2012 - 01:36 Uhr

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