Sagen Sie mal, Elia...
Interviews mit Personen der Bibel (237)
Ein Glaubenswettstreit auf Leben und Tod für den sanften Gott im Windhauch
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 José de Ribera, »Heiliger Elias« (1638), Öl auf Leinwand, Museo di San Martino, Neapel.
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...450 Propheten einer anderen Religion eigenhändig zu ermorden - musste das wirklich sein?
Elia: Na ja... Ich meine, sie hatten eben den falschen Glauben!
Elia - ich bitte Sie! Man sollte meinen, als Prophet dienen Sie dem Guten und dem Leben. Mit Ihrer Mordaktion haben Sie jedoch Leben vernichtet. 450 Menschen einfach abgeschlachtet. Nur weil sie an einen anderen Gott glauben?
Elia: Sie haben nicht nur selbst falsch geglaubt, sondern auch noch unzählige Menschen dazu gebracht, nicht an unseren Gott, sondern ihren »Baal« zu glauben. Hätte ich sie gewähren lassen, wäre womöglich Schlimmes passiert. Am Ende wäre Israel ausgelöscht worden, wer weiß.
Mord als Terror-Prophylaxe, meinen Sie? Dass Israel kein Rechtsstaat war damals, weiß ich. Aber trotzdem: Mord ist Unrecht. »Du sollst nicht töten« heißt es in den Zehn Geboten.
Elia: Das sagen Sie mal den anderen! Aber unter uns gesagt: Ich verstehe Ihre Empörung. Mittlerweile wundere ich mich über mich selbst. Was ich damals getan habe, war nicht okay.
Oh. Eine späte Einsicht? Höre ich da so etwas wie Reue?
Elia: Ja. Das alles ist fast 3000 Jahre her. Zeit genug, um mit sich selbst ins Gericht zu gehen. Inzwischen halte ich diesen ganzen Wettstreit, den ich damals veranstaltet habe, für falsch. Als ob Gott sich für so eine Show hergeben würde. Sicher, es schien so, als habe er das Opfer angenommen und sei deshalb stärker als Baal. Aber vielleicht war alles nur Zufall? Vielleicht hat er nur verwundert im Himmel sein Haupt geschüttelt über meine Unreife? Seine Stärke hätte er ja auch auf andere Weise zeigen können.
So wie später: Sie meinten, er würde sich Ihnen in Form eines Sturmes oder gar Erdbebens zeigen - doch er kam unerwartet in einem leisen Windhauch.
Elia: Genau so. Ich habe ihn herausgefordert, das ist mir im Laufe der Zeit klar geworden. Umso mehr bedauere ich das, als sich nun Gewalttäter Ihrer Zeit auf mein Tun berufen können.
In der Tat. Da versucht man redlich, die Bibel als Buch der Nächstenliebe anzupreisen. Und dann lesen die Menschen von so einem blutrünstigen Typen wie Ihnen. Lesefutter für alle, die ihre Kriege mit dem Glauben begründen!
Elia: Es ist geschehen, ich kann es nicht mehr ändern, selbst wenn ich wollte. Meinem Bedauern habe ich hiermit Ausdruck verliehen. Jetzt sind Sie an der Reihe.
Ich? Ich bin nur kleiner evangelischer Schreiber ohne Amt und Würden!
Elia: Aber ein Christ, der mit der Gabe des Denkens ausgestattet ist. Sie könnten dafür plädieren, dass diese Geschichte aus den Neuauflagen der Bibel herausgestrichen wird.
Sie überschätzen meinen Einfluss, Herr Prophet.
Elia: Sie haben doch gute Gründe, die alle Verantwortlichen überzeugen müssten!
Nein. Ihre Mords-Geschichte kann zwar bis heute verheerende Wirkung erzielen. Dennoch würde ich sie in der Bibel lassen.
Elia: Warum das? Erlösen Sie mich vom Ruf des Religionskriegers!
Sorry, damit müssen Sie leben. Vielleicht ist es gut, wenn viele Bibelleser und Bibelleserinnen diese dunkle Seite von Ihnen - und vom Glauben - kennenlernen. Sie muss ja nicht zur Nachahmung auffordern. Sondern sie kann zeigen, dass keine Religion vor Fanatismus und Gewalt gefeit ist. Auch nicht die, die wir in unserer Heiligen Schrift finden!
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ZUR SACHE
ELIA: Der Prophet Elia (hebr. »mein Gott ist Jahwe«) wirkte um 850 v. Chr., zur Zeit des israelitischen Königs Ahab. Sein Kampf galt dem Götzenglauben; um den wahren Gott zu erweisen, tritt er in Wettstreit mit den 450 Propheten des Baal. Als sich nach diesem »Gottesurteil« der Gott Elias als der wahre erweist, tötet Elia eigenhändig die 450 Baalspropheten. Elia gilt nach Mose als wichtigster Prophet des Alten Testaments. Von ihm ist überliefert, dass er am Ende in den Himmel entrückt sei.
QUELLE: 1. Könige 18 (Nachschlagen bei » bibel-online.net: 1. Kön 18
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