Sagen Sie mal, Peninna...
Interviews mit Personen der Bibel (233)
Warum auch der Himmel nicht davor bewahrt, Streit zu schlichten
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sob
 Frauenporträt von Gustav Klimt (entstanden 1898/99), Wien, Österreichische Galerie.
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...Streit ist auf der Erde ja manchmal klärend und gut. Ihre Widersacherin Hanna jedoch hat uns letzte Woche berichtet, dass Sie ihr selbst im Himmel noch die Hölle heiß machen.
Peninna: Die Hanna... das ist wirklich typisch: Immer wälzt sie die Schuld auf andere ab und stilisiert sich selbst zum Unschuldsengel. Ätzend. Auch ich meinte, im Himmel gebe es nur Harmonie. Weit gefehlt. Mit dem Tod enden Hader und Zwietracht nicht. Im Gegenteil: Die, mit denen man sich im irdischen Leben nicht vertragen hat, sitzen im Himmel auf derselben Wolke! Da fliegen oft die Fetzen.
Vielleicht führt Gott die Kontrahenten dort zusammen, damit sie endlich ihren Streit beiseite legen.
Peninna: Mag sein. Trotzdem finde ich's grausam. Da freut man sich das ganze Leben lang darauf, dass das Leben in der Ewigkeit problemlos sei - und dann trifft man seine Widersacher wieder. Als ich Hanna sah, war ich wie vom Schlag gerührt. »Lass diesen Kelch an mir vorübergehen«, wünschte ich insgeheim. Schon setzte sie sich neben mich und wollte mir ein Gespräch aufdrängen.
Reden ist immer gut. Sind Sie etwa nicht drauf eingegangen?
Peninna: Warum sollte ich? Hanna hat mich zu Lebzeiten als »welke Mutter« bezeichnet. Sie wissen wahrscheinlich, was so ein Spruch bei einer Frau auslöst, die Wert auf ihr Äußeres legt.
Wer austeilt, muss auch einstecken können. Sie haben Hanna »gekränkt und gereizt«, lese ich in der Bibel, und zwar wegen ihrer Kinderlosigkeit. Ihr hochmütiges Verhalten zielte eindeutig unter die Gürtellinie.
Peninna: Ach, die soll sich nicht so haben... Später hat sie doch noch einen Sohn bekommen.
Ich kann nur feststellen: Sie haben sich beide verrannt. Gerne würde ich Ihnen helfen, aus dieser Sackgasse wieder herauszukommen. Sie sollen doch die Ewigkeit unbeschwert erleben können! Haben Sie eine Idee, wie wir das schaffen können?
Peninna: Hanna muss sich bei mir entschuldigen. Für die »welke Mutter«.
Okay. Und dann bitten Sie sie für Ihren Hochmut um Verzeihung?
Peninna: Ach, das war doch wirklich nicht schlimm. Ich kann doch nichts dafür, dass ich sieben Kinder bekommen habe und sie keines! Und wie Sie immer leidend da saß, nur weil ihr Schoß verschlossen blieb. Ein Anblick des Jammers. Sie hat sich in ihrer Opferrolle gesuhlt.
Peninna! Mit solchen Anwürfen können Sie keinen Frieden schließen! Warum nur sind Sie noch immer so gereizt? Ich vermute, das hat noch andere Gründe.
Peninna: Na ja... Ich meine: Elkana - das ist der Mann, mit dem wir beide verheiratet waren - also ich hatte den Eindruck, dass Elkana Hanna viel mehr liebte als mich. Obwohl - oder gerade weil? - sie keine Kinder bekommen hat. Wissen Sie, sieben Geburten gehen nicht spurlos am Körper einer Frau vorüber. Ich fühlte mich nicht mehr so attraktiv wie früher. Hanna hingegen sah blendend aus. Und wenn ich dann mit ansehen musste, wie Elkana sie tröstete, hätte ich mich vor Gram am liebsten versteckt.
Was Sie sagen, ist sehr interessant und wirft ein ganz neues Licht auf Ihren Streit. Hanna und Sie dachten also, jede für sich, dass Elkana die jeweils andere mehr liebte. Eine klassische Eifersuchts-Situation. Aus gutem Grund hat die spätere jüdisch-christliche Kultur die Ehe zu dritt abgeschafft.
Peninna: Ja, das erscheint mir vernünftig. Dieses ständige Hin und Her ist kaum zu ertragen. Man fühlt sich dauernd benachteiligt und beobachtet die Nebenbuhlerin.
Nun, liebe Peninna: Ich denke, es ist an der Zeit, dass Sie Hanna von Ihren wahren Gefühlen damals erzählen. Seien Sie sicher: So werden Sie Ihren Streit beilegen und friedlich bis in alle Ewigkeit leben können. Vielleicht sogar als die besten himmlischen Freundinnen!
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ZUR PERSON
PENINNA (hebräisch »Koralle«) lebte zur Zeit der Richter Israels (vor 1000 v. Christus). Ihrem Mann Elkana gebar sie mehrere Töchter und Söhne. Gehässig »kränkte und reizte« sie Hanna, die zweite Ehefrau Elkanas, die kinderlos geblieben war.
QUELLE: 1. Samuel 1,1-6. (Nachschlagen bei » bibel-online.net: 1. Samuel 1,1)
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