Sagen Sie mal, Hanna...
Interviews mit Personen der Bibel (232)
Sie war mit Elkana verheiratet - aber die intrigante Peninna war auch an seiner Seite ...
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sob
 Georges de la Tour: Frauenbildnis (1633-39), New York, Metropolitan Museum of Art
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...Frauen können ganz schön zicken, oder?
Hanna: Das kann ich aus bitterer eigener Erfahrung leider bestätigen, ja.
Ihre Widersacherin hieß Peninna.
Hanna: »Hieß«? Auch hier im Himmel, 3000 Jahre später, hat sie den Kampf und das Intrigieren gegen mich noch nicht aufgegeben. Ich dachte, mit dem Tod seien alle irdischen Fehden beendet - weit gefehlt.
Vielleicht haben auch Sie Anteil an dem Streit?
Hanna: Zwar bin auch ich kein Engel - doch in dieser Angelegenheit bin ich eindeutig das Opfer.
Mit Ihrem Leiden boten Sie dieser Peninna jedenfalls eine ideale Angriffsfläche.
Hanna: Man kann doch Leiden nicht abstellen! Zu Tode betrübt war ich darüber, dass ich keine Kinder bekam. Elkana, mein Mann, und ich liebten uns sehr. Doch diese Liebe blieb unfruchtbar. Unsere Kinderlosigkeit brachte mich zum Verzweifeln. Währenddessen gebar ihm Peninna ein Kind nach dem anderen. Und da soll man nicht depressiv werden?
Moment - Ihr Mann Elkana hatte zwei Frauen?
Hanna: Ja, das war zu unserer Zeit nicht ungewöhnlich. Andere Zeiten, andere Sitten, verstehen Sie? Da sollten Sie nicht den Maßstab moderner Moral anlegen.
Trotzdem hat sich das Modell »Ehe zu dritt« nicht bewährt.
Hanna: Genau, aber nur, weil Peninna unentwegt Pfeile gegen mich abschoss, gefüllt mit dem Gift der Demütigung.
Wie kann ich mir das vorstellen?
Hanna: Zum Beispiel so: Wenn unser Mann Elkana von der Opferstätte zurückkehrte, gab er stolz Peninna und jedem Kind ein Stück Fleisch.
Das ist doch ein Zeichen großer Vaterliebe. Sind Sie etwa eifersüchtig?
Hanna: Keineswegs. Mir gab er auch ein Stück. Nur musste ich hinterher den arroganten und kränkenden Augenaufschlag Peninnas ertragen. »Siehst Du, ich bin die Bessere, mit mir erlebt Elkana das ganze Glück des Lebens«, sagten mir ihre Blicke. Unzählige solcher Szenen gab es. Ständig fühlte ich mich als Zweitfrau, die ihre Aufgabe nicht erledigt hatte. Das nagte an meinem Selbstwertgefühl.
Und Ihr Mann? Tröstete er Sie nicht?
Hanna: Er versuchte es. Manchmal kam er zu mir und fragte, warum ich denn weine und so wenig esse. Wenn ich ihm von meinem Gram erzählte, fragte er liebevoll: »Bin ich dir denn nicht mehr wert als zehn Söhne?
Rührend. Ihr Mann empfand also Ihre Kinderlosigkeit gar nicht als Makel.
Hanna: So ist es. Was aber meine Selbstzweifel nicht behob. Ein Mensch konnte mir nicht helfen. Also ging ich in den Tempel und klagte Gott mein Leid. 'Wenn Du mir einen Sohn schenkst', betete ich zu ihm, 'dann werde ich dafür sorgen, dass er Dir sein Leben lang dient!' Ich ging nach Hause und lud Elkana zu einer Liebesnacht ein. Bald darauf wurde ich tatsächlich schwanger.
Vor Freude sangen Sie ein Lied, in dem Sie es Ihrer Widersacherin Peninna heimzahlten.
Hanna: Mit Heimzahlen hat das nichts zu tun. Ich lobte Gott, weil er manchmal so unberechenbar handelt. »Die Unfruchtbare hat sieben Kinder geboren«, sang ich, »und die viele Kinder hatte, welkt dahin.«
Sie haben Peninna als welke Mutter bezeichne? Dass sie bis heute sauer ist, kann ich gut nachvollziehen! Sie beide sollten in einem himmlischen Gespräch ihr Verhältnis befrieden.
Hanna: Meinen Sie? Ich sehe da keine Möglichkeit. Vielleicht könnten Sie mal mit Peninna reden?
Das will ich gerne tun. Gleich nächste Woche.
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