Home
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Das Sonntagsblatt-Blog
Anzeigen-Service
Leserreisen
Zeitvertreib
Leserbriefe
Impressum



    
Heute: 09.02.2012
Aktuelle Ausgabe: 06 vom 05.02.2012
Artikel mit anderen teilen!
Dieser Artikel: Ausgabe 28/2007 vom 15.07.2007
Alle Artikel der » Ausgabe 28/2007 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


Was für die Münchner Meiserstraße spricht

Am 18. Juli entscheidet der Münchner Stadtrat über die Meiserstraße

Von Markus Springer

Die Sache scheint gelaufen. Am 18. Juli befindet in der Landeshauptstadt der Stadtrat über die »Entnennung« der umstrittenen Meiserstraße. SPD und Grüne, die im Stadtrat die Mehrheit stellen, haben sich wie OB Christian Ude (SPD) schon lange für eine Umbenennung ausgesprochen.

Ausgerechnet aus dem Bezirks­ausschuss Maxvorstadt, dem »Stadtviertelparlament«, in dessen Gebiet die Münchner Meiserstraße liegt und in dem SPD und Grüne ebenfalls die Mehrheit haben, kam vor kurzem das wohl einzige wirklich »gute Argument«, das für eine Beibehaltung der Münchner Meiserstraße spricht. Um sein Votum gebeten, weigerte sich der Bezirks­ausschuss einen Alternativnamen vorzuschlagen und hielt den Räten stattdessen entgegen, mit der Tilgung des Straßennamens werde die Chance einer »offensiv-transparenten Auseinandersetzung« zur politischen Bildung vertan.

Tatsächlich liegen Meiserstraße und Landeskirchenamt an einem »authentischen historisch-politischen Lernort«. Genau das unterscheidet München von Nürnberg. Hier stand jener zwiespältige evangelische Landesbischof, der in den 20er-Jahren sein antisemitisches Weltbild öffentlich gemacht hat, während des Kirchenkampfs unter Hausarrest. Hier demonstrierten fränkische Bauern für ihren Bischof und gegen die NS-Regierung.

Gleich ums Eck stand das »Braune Haus«, die Parteizentrale der NSDAP. Hier soll im kommenden Jahr der Grundstein für das Münchner NS-Dokumentationszentrum gelegt werden.

Warum soll es den bayerischen Protestanten erspart bleiben, dass ihre »Zentrale« auch künftig an der Meiserstraße liegt? Kommentare an den Straßenschildern, die vom Bezirksausschuss geforderte Dauerausstellung im Landeskirchenamt, eine Vernetzung mit dem NS-Dokumentationszentrum: All das würde - über die Person von Landesbischof Hans Meiser hinaus - dauerhaft erinnern an die Geschichte christlichen Antijudaismus und protestantischen Antisemitismus und ihren Beitrag beim Weg in die Shoah.

Wenn manche Münchner Protestanten, die sich für den Erhalt der Meiserstraße kämpfen, nun SPD und Grüne mit der ­NSDAP gleichsetzen, weil auch die einst »Fort mit Meiser« forderte, dann ist das nur peinlich und dumm.

Unsäglich und unerträglich aber ist es, wenn sich ein Münchner Pfarrer in einem offenen Brief an OB Ude und den Stadtrat wendet und fragt, ob die Umbenennung nicht »Stimmung gegen die jüdische Bevölkerung unserer Stadt« fördere. Das ist das alte, widerwärtige antisemitische Argument, die Juden seien doch selbst schuld, wenn man sie verfolge.

Gerade jenen, die das noch immer meinen, wäre der beständige Stachel einer kommentierten Meiserstraße zu wünschen. Nein, das einzige Argument, das wirklich für die Münchner Meiserstraße spricht, kam leise und spät. Weil es Erhellung der Vergangenheit will und zugleich in die Zukunft gerichtet ist, sollte es Gehör finden. Aber alles spricht dafür, dass es anders kommt.

 

Kirche und Nationalsozialismus

Kirche und Nationalsozialismus (Bild: Dietrich Bonhoeffer und »Reichsbischof« Ludwig Müller)

Weitere Beiträge zum Thema »Kirche und Nationalsozialismus« finden Sie » hier.

 

 

Lesen Sie jede Woche auch das Sonntagsblatt-Titelthema, viele weitere interessante Artikel und Terminhinweise. Auch vor Ort immer gut informiert mit dem Sonntagsblatt: Sechs Regionalausgaben berichten über das, was an Ihrem Wohnort wichtig ist im evangelischen Bayern. Mit Gottesdienst-Anzeiger (München/Oberbayern, Nürnberg, Augsburg).
 

 

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2007_28_03_01.htm
abgerufen 09.02.2012 - 00:31 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2012, ImpressumWebmaster
Angebote für Webmaster