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Dieser Artikel: Ausgabe 16/2007 vom 22.04.2007
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Sagen Sie mal, Evangelisten...

Interviews mit Personen der Bibel (217)


Warum die Verfasser der vier Evangelien das Christusgeschehen unterschiedlich bezeugen

Der Evangelist Matthäus auf einem Rembrandt-Gemälde von 1661, das sich heute im Louvre befindet.
Foto: sob
   Der Evangelist Matthäus auf einem Rembrandt-Gemälde von 1661, das sich heute im Louvre befindet.

  ...ich würde gerne die Bibel wörtlich nehmen - aber das macht mir die Bibel selber schwer. Deswegen habe ich Sie vier zum Interview gebeten. Wie kann ich die Bibel als Wort Gottes anerkennen?

Johannes: Das Wort ist Fleisch geworden - das ist die Quintessenz der frohen Botschaft!

Matthäus: Und dass Jesus, der am See Genezareth die Bergpredigt gehalten hat, wieder auferstanden ist am dritten Tage nach dem Tode.

  Gerade über die Auferstehung ist in Ihren Texten Unterschiedliches zu lesen. Mal sind es mehrere Frauen, die zum Grab gehen, mal nur eine. Einige von Ihnen schreiben, der Stein war bereits vom Grab zur Seite gerollt, gleichzeitig lese ich, dass ein Engel den Stein weggewälzt habe. Wie soll ich an die Wahrheit der Bibel glauben?

Lukas: Ich habe alles von Anfang an sorgfältig erkundet, versichere ich Ihnen.

Markus.
Foto: sob
   Ostern nur angedeutet: Den Evangelisten Markus stellte Andrea Mantegna (1431-1509) um 1450 mit einem geschlossenem Buch dar (Städel-Museum Frankfurt).

  Ja, das steht bei Ihnen schon im ersten Kapitel. Haben deshalb aber die anderen Evangelisten falsch recherchiert?

Markus: Nein, natürlich nicht. Auch ich habe mich nach bestem Wissen und Gewissen bemüht, die Wahrheit über das Leben und die Verkündigung Jesu herauszubekommen und aufzuschreiben. Wenn ich Sie daran erinnern darf, liebe Brüder Matthäus und Lukas: Mein Evangelium ist das erste gewesen.

Matthäus: Auch das ist kein Argument. Wir Evangelisten sollten den Einwand ernst nehmen: Unsere Osterberichte unterscheiden sich doch tatsächlich.

Lukas: Aber die Unterschiede sind unbedeutend.

Ebenfalls von Andrea Mantegna ist dieses Gemälde des Evangelisten Lukas (Altarretabel des Hl. Lukas, Pinacoteca di Brera, Mailand).
Foto: sob
   Ebenfalls von Andrea Mantegna ist dieses Gemälde des Evangelisten Lukas (Altarretabel des Hl. Lukas, Pinacoteca di Brera, Mailand).

  So unbedeutend auch nicht. Ich finde es wichtig, wer von den Jüngern oder Jüngerinnen das Grab zuerst gesehen hat. Oder ob Jesus zuerst einer Frau oder einem Mann erschienen ist.

Johannes: Das Wichtigste ist, dass Jesus gesagt hat: »Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.«

Matthäus: Mit solchen steilen Sätzen ist im Moment unserem Fragesteller nicht gedient, Bruder Johannes. Ich meine, wir müssen heute erklären, warum unsere Bücher über Jesu Leben sich tatsächlich in vielem unterschieden.

  Ich bitte darum.

Matthäus: Wir hatten mündliche und schriftliche Zeugnisse vom Geschehen am Ostermorgen und nach der Auferstehung Jesu.

Lukas: Es lag nun an uns, diese erst einmal auszuwerten auf ihre Glaubwürdigkeit hin. Das Problem müssten Sie als Journalist doch kennen.

Der Evangelist Johannes auf einem um 1522 entstandenen Fresko von Antonio Allegri, genannt Correggio (1489-1534) im Dom von Parma.
Foto: sob
   Der Evangelist Johannes auf einem um 1522 entstandenen Fresko von Antonio Allegri, genannt Correggio (1489-1534) im Dom von Parma.

  Mein tägliches Handwerk: Herauszubekommen, wie sich etwas abgespielt hat. Da wird Wahres von Falschem geschieden, Wichtiges von Unwichtigem.

Johannes: So war es bei mir auch: Zum Beispiel hielt ich die Weihnachtsgeschichte für unwichtig. Das mit der Krippe, mit den drei Weisen, den Hirten. Ich habs einfach weggelassen und den wunderbaren Hymnus von Christus, dem Wort Gottes an den Anfang gestellt.

Markus: Mein Wissen endete damit, dass das Grab leer vorgefunden war. Mein Text endete deshalb auch mit dem Satz: »Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen, und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.« Alles, was danach steht, wurde erst im 2. Jahrhundert vom Text des Kollegen Lukas übernommen und bei mir drangehängt.

  Heißt das alles aber, dass keiner von Ihnen die ultimative Geschichte des Lebens Jesu kennt?

Matthäus: Unser aller Wissen ist Stückwerk, aber dennoch ist unser Zeugnis wahr, denn wir haben eine Botschaft, die uns eint: Der Sohn Gottes kam in diese Welt, starb am Kreuz und überwand den Tod. Es gab im 2. Jahrhundert Gruppen und Strömungen, die aus den vielen Jesus-Berichten und Evangelien ein einziges »ultimatives« Evangelium machen wollten. Zum Glück wurde das von den Gemeinden nicht anerkannt. Ich halte es für einen Segen, dass die alte Kirche nicht nur ein Evangelium, sondern vier zur Heiligen Schrift erklärt hat. Sie ergänzen sich prächtig.

Markus: Und ergeben erst zusammen das vollständige Bild...

Johannes: ... und die Wahrheit.

Eine » Übersicht aller Interviews mit Personen der Bibel finden Sie » hier...

 

ZUR PERSON

VIER EVANGELISTEN: Das leere Grab am Ostermorgen gehört zu den Kernaussagen des christlichen Glaubens. Interessanterweise weichen die Berichte der Evangelisten in wichtigen Punkten voneinander ab. Dieser und andere Unterschiede innerhalb der Evangelien haben zur Erkenntnis geführt, dass die Evangelisten unterschiedliche Berichte über das Leben Jesu kannten.

QUELLEN: Matthäus 28, 1-15; Markus 16, 1-8; Lukas 24, 1-12; Johannes 20, 1-18. (Nachschlagen bei  » bibel-online.net:  Mt. 28,1,  Mk. 16,1,  Lk. 24,1,  Joh. 20,1)

@ Haben Sie Fragen an Menschen aus der Bibel? Stellen Sie sie ins Internet unter:  www.sagen-sie-mal.de

Interview: Uwe Birnstein

 


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abgerufen 08.02.2012 - 11:00 Uhr

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