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Dieser Artikel: Ausgabe 15/2007 vom 15.04.2007
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Auf der Suche nach dem guten Tod

Katrin Göring-Eckardts Buch über Sterbehilfe und -begleitung


»Würdig leben bis zuletzt« lautet der Titel eines neuen Buches zum Umgang mit den Themen Sterbehilfe und Sterbebegleitung. Herausgeberin ist die Theologin Katrin Göring-Eckardt, Synodale der Evangelischen Kirche in Deutschland und Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/die Grünen.

Katrin Göring-Eckardt
Foto: pr
   Katrin Göring-Eckardt

Im Kreis von Familienangehörigen und Freunden zu Hause zu sterben, ist in den Augen vieler Bundesbürger ein »guter Tod«. Doch die Realität sieht anders aus: Das Leben vieler Menschen endet in der Einsamkeit von Alten- oder Pflegeheimen oder angeschlossen an Maschinen auf der Intensivstation. Und immer wieder werden Sterbende in letzter Minute mit dem Rettungswagen in eine Klinik gebracht, obwohl schon seit Monaten feststand, dass die Medizin in ihrem Fall nicht mehr helfen kann.

Für die EKD-Synodale und Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Katrin Göring-Eckardt, sind solche Fälle ein Skandal. In ihrem in diesem Jahr im Gütersloher Verlagshaus erschienenen Buch »Würdig leben bis zuletzt« setzt sich die Politikerin für einen neuen Umgang mit dem Sterben in Deutschland ein. »Der Tod darf nicht länger tabuisiert werden«, schreibt Katrin Göring-Eckardt im Vorwort der rund 200 Seiten umfassenden Aufsatzsammlung, in der Mediziner, Juristen und Theologen über Sterbehilfe und Sterbebegleitung diskutieren.

So erläutert der Jurist Michael Neubert die derzeit geltende Rechtslage beim Thema Patientenverfügungen. Denn auch wenn es derzeit noch kein Gesetz gibt, das die Reichweite und Bindungskraft dieser Dokumente regelt, existieren doch einige Urteile etwa des Bundesgerichtshofs, auf die sich Angehörige und Patienten beim Abfassen einer solchen Willenserklärung berufen können. Anschaulich und auch für Laien verständlich gibt der Rechtsanwalt Tipps, worauf beim Ausfüllen einer Patientenverfügung zu achten ist und wie man einem Anverwandten eine Vorsorgevollmacht erteilt.

Wer an der aktuellen politischen Debatte um das Thema interessiert ist, wird von den Beiträgen von Ulrike Riedel und Inge Weißgerber profitieren. Sie stellen die teils widersprüchlichen Positionen vor, die sich die Bundestags-Enquete-Kommission »Ethik und Recht der Modernen Medizin« und der Nationale Ethikrat zu den Themen Sterbehilfe und Sterbebegleitung erarbeitet haben. Vor allem die Enquete-Kommission prägt bis heute die Debatte: Ihre Forderung, Patientenverfügungen künftig nur bei unumkehrbar zum Tode führenden Krankheiten gelten zu lassen, findet sich etwa in dem von René Röspel (SPD) und Wolfgang Bosbach (CDU) erarbeiteten und kürzlich erstmals im Bundestag debattierten Gesetzesentwurf zum Thema wieder.

Aus einem Land, in dem Sterbehilfe gesetzlich legalisiert ist, berichtet dagegen der niederländische Medizinethiker Henk Jochemsen. Denn in unserem nordwestlichen Nachbarkönigreich darf bereits seit 2001 aktive Sterbehilfe unter bestimmten Bedingungen straffrei geleistet werden. Was laut Jochemsen zur Folge hat, dass die ethische Qualität der Gesundheitsfürsorge untergraben wird.

Eine Alternative dazu zeigt die Palliativmedizinerin Birgit Jaspers auf, die über die modernen Angebote zur Sterbebegleitung schreibt, während der thüringische Landesbischof Christoph Kähler die kirchliche Position zum Sterben schildert und die Unterstützung beider Kirchen für die Hospizarbeit inhaltlich begründet.

Allerdings haben die jüngst zwischen der katholischen Kirche und den Protestanten entstandenen Differenzen über den Umgang mit Wachkomapatienten noch keinen Eingang in das Buch gefunden.

Doch insgesamt gelingt es Katrin Göring-Eckardt und ihren Mitstreitern, einen guten und kompetenten Überblick über alle Facetten des Themas »Sterbebegleitung und Sterbehilfe« zu liefern. Das kompakte und verständlich geschriebene Buch kann vor allem Kirchengemeinden und Gesprächskreisen, die sich mit dem Thema vertraut machen wollen, als nützliches Hilfsmittel dienen.

BUCH-TIPP

Katrin Göring-Eckardt (Hg.): Würdig leben bis zuletzt. Sterbehilfe, Hilfe beim Sterben, Sterbebegleitung - eine Streitschrift. Gütersloher Verlagshaus 2007. ISBN 978-3-579-06816-9, 14,95 Euro.

  Katrin Göring-Eckardt (Hg.): Würdig leben bis zuletzt. Sterbehilfe, Hilfe beim Sterben, Sterbebegleitung - eine Streitschrift. Gütersloher Verlagshaus 2007. ISBN 978-3-579-06816-9, 14,95 Euro.

STERBEBEGELEITUNG

Leben bis zuletzt. Ein Tabu bricht: Es wird Zeit, qualifizierte Sterbebegleitung auch in Alten- und Pflegeheimen einzuführen. Von Lutz Taubert. » lesen!

Auf der Suche nach dem guten Tod. Katrin Göring-Eckardts Buch über Sterbehilfe und -begleitung. Von Benjamin Lassiwe. » lesen!

 

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Benjamin Lassiwe

 


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abgerufen 08.02.2012 - 11:30 Uhr

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