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Dieser Artikel: Ausgabe 11/2007 vom 18.03.2007
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Zeit, zu pfeifen

150 bayerische Gemeinden und Dienste haben sich am Prozess »Kirche vor Ort« beteiligt


Kirche vor Ort - was ist das eigentlich? Diese Frage hat die Landessynode schon 2005 an Gemeinden, Werke und Dienste gestellt - jetzt, zur Frühjahrstagung 2007, die dem Schwerpunktthema »Kirche vor Ort« gewidmet ist, bekommt das bayerische Kirchenparlament die Antworten.

Auf 30 Seiten hat die siebenköpfige »Steuerungsgruppe« die Ergebnisse der insgesamt 149 Rückmeldungen zusammengefasst. Die Hälfte der Einsendungen stammt aus Gemeinden, die andere Hälfte aus überparochialen Diensten. Besonders stark vertreten ist laut Stefan Koch, dem theologischen Planungsreferenten der Landeskirche, dabei der Kirchenkreis Ansbach-Würzburg. Andere Landesteile, etwa Ostbayern, sind unterrepräsentiert.

Nachdenklich stimmen muss, dass sich von 1600 Gemeinden und Dekanaten nur 75 an einem Prozess beteiligen, dessen Ziel es ist, inhaltliche Schwerpunkte für die Kirche der nächsten Jahrzehnte festzulegen - egal, ob mangelndes Interesse oder mangelnde Kapazitäten der Grund dafür sind.

Die Ergebnisse von »Kirche vor Ort« sind in weiten Teilen nichts Neues: Kirche soll Heimat sein, Kirche soll auf Fernstehende zugehen, Kirche soll sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren - das haben schon Untersuchungen wie die Mitgliedschaftsstudien und das EKD-Impulspapier »Kirche der Freiheit« festgestellt. Ein Problem der bayerischen Studie ist auch, dass sie die Richtung weisen will, dabei aber in alle Richtungen gleichzeitig zeigt: Kirche soll Menschen »in Glaubensfragen sprachfähig« machen, sie soll sich gesellschaftspolitisch engagieren, diakonisch handeln, eine »erfahrbare Gemeinschaft« bieten, aber auch Kontakt nach Außen suchen - das ist die Wunschkirche, von der übrigens niemand weiß, wie sie in Zukunft finanziert werden kann.

Bestandsaufnahme ohne Folge?

Mit Kritik an Kirchenleitung und Verwaltungsaufwand spart das Papier nicht: Die Rückmeldungen stellen fest, dass Kirche glaubwürdige Mitarbeiter braucht, keine »austauschbaren Manager«, sie kritisieren die vielen Parallelprozesse, die die eigentliche Arbeit blockieren, sie warnen vor langen Vakanzen, die Kooperationen gefährden und der Gemeindestruktur schaden. Die Frage ist: Was passiert jetzt mit dieser Bestandsaufnahme? »Wir haben in der Vergangenheit oft genug die Lippen gespitzt«, sagt Stefan Koch, »nun wäre es an der Zeit, zu pfeifen.« Heißt: All die Studien und Prozesse bringen nichts, wenn sich am Ende niemand traut, daraus Konsequenzen zu ziehen.

Dabei sind unterschiedlichste Meinungen zu vereinen. Nur zwei davon: Ulrich Exler, Vorsitzender des Finanzausschusses, ist der Auffassung, dass die Frage nach den Prioritäten und Posterioritäten, die im Konsolidierungsprozess letztlich unbeantwortet geblieben ist, nun endlich geklärt werden muss. Verena Übler, Mitglied im Grundfragenausschuss, hingegen sagt: »Schwerpunkte setzen können nur die Gemeinden selbst.«

Pfeifen muss die Landessynode. Wie das Lied klingt, hören wir am 22. März.

SYNODE

 

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Susanne Petersen

 


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abgerufen 08.02.2012 - 12:09 Uhr

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