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Dieser Artikel: Ausgabe 10/2007 vom 11.03.2007
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»Menschsein statt Muslimsein«

Der neue »Zentralrat der Ex-Muslime« wirbt erstmals öffentlich für die Abkehr vom Glauben


Die Iranerin Mina Ahadi protestiert seit fast drei Jahrzehnten gegen islamische Traditionen, die Leben und Freiheit insbesondere von Frauen gefährden: Als Studentin warf sie in den 70er Jahren ihr Kopftuch fort und protestierte gegen das islamische Regime. Ihr Mann, ebenfalls politisch aktiv, wurde 1980 hingerichtet. Ahadi floh und gelangte auf Umwegen nach Köln. Dort gründete sie das Internationale Komitee gegen Steinigungen und das Komitee gegen die Todesstrafe. Jetzt ist sie Vorsitzende des »Zentralrats der Ex-Muslime«, der sich am Mittwoch in Berlin erstmals der Öffentlichkeit stellte.

Seit das Magazin »Focus« vor zwei Wochen über die Gründung berichtete, steht Ahadi unter Polizeischutz. Denn die Abkehr vom Islam, die Apostasie, wird in einigen Ländern mit der Todesstrafe geahndet. Eine ähnliche Initiative im englischsprachigen Raum, »Secular Islam«, des Islamkritikers Ibn Warraq verhält sich entsprechend vorsichtig: Warraq lässt sich auf Fotos lieber unkenntlich machen.

Die »Ex-Muslime« Deutschlands sind wagemutiger. Mit der Kampagne »Wir haben abgeschworen« präsentieren sich 30 Mitglieder mit Fotos und vollen Namen - in Anlehnung an die »Stern«-Kampagne »Wir haben abgetrieben« von 1971. »Nicht das Muslimsein, sondern das Menschsein zählt«, erklärt die 50-jährige Ahadi die Beweggründe. Der neue Verein will sich für Meinungsfreiheit und Unteilbarkeit der Menschenrechte einsetzen - und klar gegen den Islam, der als frauenfeindlich und teils im Widerspruch zum Grundgesetz angesehen wird.

Wichtig ist Ahadi auch die strikte Trennung von Religion und Staat. Religionsunterricht sollte es nicht geben: »Kinder sind nur zufällig in eine Familie von Muslimen, Christen oder anderen hineingeboren«, findet sie. Zu den Forderungen zählt auch ein Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst. Diese Linie entspricht ihren Unterstützern, der religionskritischen Giordano Bruno Stiftung und dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten.

Der Name des neuen Vereins erinnert nicht zufällig an den Zentralrat der Muslime. Die »Ex-Muslime« meinen, dieser und andere muslimische Verbände sähen sich als alleinige Stimme der geschätzten 3,5 Millionen Muslime in Deutschland. Ahadis Urteil: In den Verbänden säßen Menschen, die mit Politikern über Integration redeten und zugleich mit islamischen Regimes Kontakt pflegten und ihren Töchtern den Discobesuch verböten.

 

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Ann Kathrin Sost

 


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abgerufen 03.09.2010 - 03:39 Uhr

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