Was die Wirtschaft von der Kirche lernen kann
3500 Besucher: Rekordbeteiligung beim Kongress christlicher Führungskräfte in Leipzig
»Mit Werten in Führung gehen« - ein hübsches Wortspiel, das das Motto für den »Kongress für christliche Führungskräfte« hergab.
 Foto:
GüS
 Diskutierten beim Führungskräftekongress über die Gestaltung der Zukunft: Vertreter aus Kirche, Wirtschaft, Politik und Journalismus.
|
Ein äußerst zugkräftiges Motto. Was 1999 mit 1200 Teilnehmern in Stuttgart begann, hat sich zu einer wahren Erfolgsgeschichte entwickelt. 3500 Personen aus Wirtschaft und Kirche kamen nach Leipzig zu der dreitägigen Tagung, die alle zwei Jahre in einer anderen deutschen Stadt stattfindet. Gab es beim letzten Treffen 2005 in Nürnberg schon mit 2500 Besuchern eine Rekordbeteiligung, so wurde sie diesmal in der sächsischen Metropole noch um weitere 1000 getoppt.
Der Kongress ist längst in den Reihen der Landeskirchen angekommen. Hatten sich 2003 die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann und zwei Jahre später der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich deutlich hinter das Führungskräftetreffen gestellt, so war in Leipzig neben dem sächsischen Bischof Jochen Bohl der oberste Repräsentant der Evangelischen in Deutschland, der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber (Berlin) dabei. Auch die EKD hatte die Werbetrommel für die von der evangelischen Nachrichtagentur »idea« (Wetzlar) und dem Zeitplanungsunternehmen »tempus« (Giengen) organisierte Veranstaltung gerührt.
 Foto:
GüS
 Arbeitslosigkeit und Alternativen zur gegenwärtigen Wirtschaftsordnung standen nicht auf der Tagesordnung.
|
Huber unterstrich in Leipzig, dass nicht nur die Kirche von der Wirtschaft lernen könne, sondern auch die Wirtschaft von der Kirche: »Wirtschaftliches Handeln kommt nicht ohne Wertüberzeugungen aus.« Es brauche nicht nur eine Globalisierung der Märkte, sondern auch eine Globalisierung der Solidarität und der Nächstenliebe. Die Wirtschaft sei für den Menschen da und nicht umgekehrt. Das Evangelium wird dem EKD-Ratsvorsitzenden zufolge nicht zur Ware, wenn die Kirche von der Wirtschaft lerne. Das Motto des Apostels Paulus »Prüfet alles und das Gute behalte« gelte auch hier. Das sei der Weg, wie Kriterien aus der Wirtschaft in den Dienst des Evangeliums zu stellen sind. Huber setzte sich für ein »aktives Qualitätsmanagement« ein, damit mehr Menschen in den Gottesdienst kommen.
Dass Kirche und Wirtschaft keine getrennten Welten mehr sind, wurde beim Leipziger Kongress deutlich. »Als Chef eines Kirchenbezirkes muss ich auch unternehmerisch handeln, weil ich Personalverantwortung für zahlreiche Mitarbeitende habe«, betonte der Glauchauer Superintendent Peter Hess. Und die Unternehmerin Christiane Underberg (Rheinberg) erklärte, nur wer ethisch handele, werde langfristig gut da stehen: »Ein Viertel des wirtschaftlichen Erfolgs steht in messbarem Zusammenhang mit der Orientierung an Werten.«
Arbeitslosigkeit - kein Thema
Apropos Erfolg: Auch wenn sich der Kongress zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt hat, blieben einige wichtige Fragen bei der Veranstaltung unberührt. So wurden die Arbeitslosigkeit und Alternativen zur gegenwärtigen Wirtschaftsordnung bei den Referaten nicht zum Thema gemacht. Das Problem Korruption stand indes auf der Tagesordnung.
Der Wirtschaftswissenschaftler Hartmut Kreikebaum (Oestrich-Winkel) kritisierte, dass in vielen Teilen der Welt Bestechung regelrecht zum guten Ton gehöre: »Ohne diese Kultur der offenen Hand läuft dort im wirtschaftlichen Alltag eigentlich gar nichts.«
Der Unternehmer Friedhelm Loh (Haiger) sprach dagegen von einem Dilemma: Entweder Schmiergeld zahlen, weil in anderen Ländern andere Werte und Zwänge gelten, oder in Deutschland zehntausende Mitarbeiter entlassen zu müssen. So blieb an diesem konkreten Punkt offen, mit welchem Wert in Führung zu gehen ist. | ZUM THEMA
»Die Kirche braucht offensive Strategie« Meinungsforscherin Renate Köcher vom Instituts für Demoskopie Allensbach beim Kongress christlicher Führungskräfte in Leipzig. » lesen!
Lesen Sie jede Woche auch das Sonntagsblatt-Titelthema, viele weitere interessante Artikel und Terminhinweise. Auch vor Ort immer gut informiert mit dem Sonntagsblatt: Sechs Regionalausgaben berichten über das, was an Ihrem Wohnort wichtig ist im evangelischen Bayern. Mit Gottesdienst-Anzeiger (München/Oberbayern, Nürnberg, Augsburg).
|
| |
|
 |