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Dieser Artikel: Ausgabe 03/2007 vom 21.01.2007
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Die Zukunft liegt in Wittenberg

Bei einem Zukunftskongress formuliert die Evangelischen Kirche Ziele für 2030


In Wittenberg, wo Martin Luther vor bald 500 Jahren die Reformation anstieß, werden Ende Januar rund 280 Repräsentanten des Protestantismus bei einem »Zukunftskongress« darüber beraten, wie es mit der Evangelischen Kirche in Deutschland weitergehen soll.

Zersplitterter Protestantismus: Die Karte zeigt die 23 evangelischen Landeskirchen in Deutschland. Das evangelische Bayern erstreckt sich über den Freistaat, in Sachsen-Anhalt sind sechs Landeskirchen aktiv.
Foto: Halke (Karte)
   Zersplitterter Protestantismus: Die Karte zeigt die 23 evangelischen Landeskirchen in Deutschland. Das evangelische Bayern erstreckt sich über den Freistaat, in Sachsen-Anhalt sind sechs Landeskirchen aktiv.

Den Deutschen ist es nicht mehr peinlich, nach Gott zu fragen, nach Sinn zu suchen, über Halt und Heimat zu diskutieren. Zwei Drittel beten nach eigenen Angaben gelegentlich oder häufig, über die Hälfte interessiert sich laut einer aktuellen Umfrage für religiöse Themen.

Man könnte sagen, der religiöse Grundwasserspiegel in der Gesellschaft steigt. Doch noch ist unklar, wie sich diese neue Offenheit für Religion auf die Entwicklung der christlichen Kirchen in Deutschland auswirkt. Die Vorhersagen - resultierend aus verschiedenen Studien - verheißen nichts Gutes. Geht die Entwicklung weiter wie bisher, verliert die evangelische Kirche bis 2030 ein Drittel ihrer knapp 26 Millionen Mitglieder und die Hälfte ihrer Steuereinnahmen. Kirchliches Handeln wäre dann immer eng verbunden mit zurückfahren, abwickeln, dichtmachen - was die Kirche nicht gerade attraktiv machen würde.

Grund genug, bereits jetzt - in immer noch komfortabler volkskirchlicher Lage - die Weichen für eine bessere Zukunft zu stellen. Bei einem Kongress vom 25. bis 28. Januar in Wittenberg soll der Zug aufs richtige Gleis gebracht werden. Als Grundlage dient das 100-seitige Impulspapier »Kirche der Freiheit«, das im vergangenen Sommer dem deutschen Protestantismus eine ungeschminkte Bestandsaufnahme präsentierte und anhand von zwölf »Leuchtfeuern« langfristige Reformperspektiven nahelegte.

In Wittenberg wird nun darüber debattiert, wie die ehrgeizigen Reformziele des Impulspapiers umgesetzt werden können. Die viertägigen Beratungen sollen in eine »Reformdekade« münden, die bis zum Reformationsjubiläum 2017 reicht und sogar die Kirche des Jahres 2030 in den Blick nimmt.

Im Jahr 2030 soll sich - wie derzeit - etwa ein Drittel der Deutschen zur evangelischen Kirche bekennen, die Beteiligung an Gottesdiensten soll von derzeit vier auf zehn Prozent wachsen, die Zahl der steuerzahlenden Mitglieder von 30 auf 60 Prozent steigen. Zu dieser wachsenden Kirche sollen bundesweite Qualitätsstandards bei Gottesdienst, Taufe, Trauung und Bestattung beitragen. Kirchenferne sollen verstärkt durch sogenannte »Profil- und Passantengemeinden« interessiert werden. Dafür soll bundesweit die Zahl der Ortsgemeinden und Pfarrer zurückgehen. Um dies auszugleichen, sollen verstärkt Lektoren und Prädikanten eingesetzt werden, jeweils so viele, wie es dann noch Pfarrer gibt. Der bayerische Bischof Johannes Friedrich hat derartige Überlegungen für Bayern jedoch bereits zurückgewiesen.

Damit sich die Reformer in der Lutherstadt nicht verzetteln, hat ihnen EKD-Ratspräsident Wolfgang Huber vier Schlagworte mitgegeben: »Geistliche Profilierung statt undeutlicher Aktivität«, »Schwerpunktsetzung statt Vollständigkeit«, »Beweglichkeit in den Formen statt Klammern an Strukturen« und »Außenorientierung statt Selbstgenügsamkeit«. In einer Zeit vagabundierender Religiosität soll so das unverwechselbar Eigene des Protestantismus gestärkt und seine geistliche Prägekraft erhöht werden.

Wittenberg als Ursprungsort der Reformation ist gut gewählt. Wittenberg besagt, dass die Kirche das Evangelium zum Leuchten bringen kann, dass sie sich aber nicht selbst profilieren kann. Wittenberg besagt, dass die Kirche als aufpolierte Organisationsform keine Zukunft hat, sondern als Gemeinschaft in der Nachfolge Christi. Die Reformation hat gezeigt, dass dann eine neue Gestalt von Kirche daraus wächst.

Wie diese Gemeinde Jesu Christi in Zukunft sein wird, ist eine spannende Frage. Was für eine Kirche brauchen die Menschen im Jahr 2030? Was braucht unser Land dann für eine Kirche?

ZUKUNFTSKONFERENZ

Sonntagsblatt-Umfrage: Wachsen gegen den Trend: Wie kann das funktionieren? » lesen!

INTERVIEW

Bayerns Leuchtfeuer

Landesbischof Johannes Friedrich ist im Rat der EKD und Teilnehmer der Wittenberger Zukunftskonferenz.
Foto: sob
   Landes- bischof Johannes Friedrich ist im Rat der EKD und Teilnehmer der Wittenberger Zukunfts- konferenz.

  Was bedeutet der Zukunfts- kongress für die bayerische Kirche?

Friedrich: Das Impuls- papier »Kirche der Freiheit« hat auch in unserer bayerischen Kirche für Diskussionen gesorgt. Es gab Kritik und Zustimmung, verteilt auf Form und Inhalt des Papiers. Mit dem Kongress in Wittenberg haben wir jetzt Gelegenheit, eine Zwischenbilanz zu ziehen: Welchen Impuls nehmen wir auf, und welchen können wir zur Seite legen.

  Das EKD-Impulspapier spricht von Leuchtfeuern. Welche davon können Bayern erhellen?

Friedrich: Gleich das erste Leuchtfeuer spricht davon, Kirche habe »nahe bei den Menschen« zu sein. Das passt sehr gut zu »Kirche vor Ort«, dem Thema, das unsere bayerische Sy­node auf den Weg gebracht hat. Daneben sprechen die Leuchtfeuer vier, fünf und sechs vom Aufbruch bei den kirchlichen Mitarbeitenden. Ich habe den Eindruck, dass hier im Impulspapier noch nicht alles gesagt ist, was uns wichtig ist. Auch über die Sprache sind ja einige Leser und Leserinnen gestolpert, wenn es um »Qualität« und »Leistungsbereitschaft« geht. Inhaltlich stimme ich aber zu: »Das Evangelium und die Menschen sind der entscheidende Schatz der Kirche«.

  Was wird im Jahr 2030 sein?

Friedrich: Eine Kirche, die auf Gott vertraut. Deshalb wird sie eine Kirche der Freiheit sein. (Interview: fra)

 

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Helmut Frank

 


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abgerufen 11.03.2010 - 21:23 Uhr

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