Bilder im kollektiven Gedächtnis
Eine Ausstellung erinnert in Schwäbisch Hall an den vergessenen Kinderbuchillustrator Franz Josef Tripp
Es gibt nicht sehr viele Menschen, denen man nachsagen kann, dass ihre Ideen und Arbeiten Eingang ins kollektive Gedächtnis der Nation gefunden haben. Manchmal sind ihre eigenen Namen vergessen. So wie der des Buchillustrators Franz Josef Tripp. In Schwäbisch Hall wird er erstmals in einer Ausstellung gewürdigt.
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Thienemann Verlag
 Die Gestalt des Räuber Hotzenplotz ist Franz Josef Tripps bleibendste Schöpfung.
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Der Journalist und Werbegrafiker aus Essen bekam 1960 von Lotte Weitbrecht, damals Verlegerin des Stuttgarter Thienemann-Verlages, den Auftrag, ein neues Kinderbuch zu illustrieren. Das Buch hieß: »Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer«, und es wurde zu einem der ganz großen Klassiker der deutschen Jugendliteratur. Geistiger Schöpfer war Michael Ende - aber das Bild, das jeder Mensch, der Jim Knopf kennt, von diesem im Kopf hat, stammt aus Tripps Feder. Die Augsburger Puppenkiste hielt sich dran, und selbst die sehr freie Zeichentrick-Neufassung zeigt Lukas, Lummerland oder Herrn Tur Tur so, wie sie sich Franz Josef Tripp mit liebevoll detailliertem und erfrischend unabstraktem Strich vorstellte. Und man darf raten, wie Jim Knopf in der geplanten Verfilmung aussehen wird.
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Museum
 Sein Sohn Jan Peter hat das Motiv mit seinem »netten Herrn Hotzenplotz« persifliert.
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Noch tiefer ins deutsche Bewusstsein hat sich Tripp mit dem »Räuber Hotzenplotz« gezeichnet. Die Hotzenplotz-Trilogie von Otfried Preußler, die ab 1962 erschien, gehört mit 6,9 Millionen verkauften Exemplaren und 34 Übersetzungen zu den meistgelesenen Buchtiteln in ursprünglich deutscher Sprache. Die deutsche Ausgabe erlebte über 100 Auflagen. Das Buch wurde zur Vorlage für mehrere Spielfilme sowie unzählige Theater- oder Puppentheaterstücke. Wahrscheinlich gibt es in Deutschland keine Bühne, die im Kinderprogramm nicht irgendwann den »Hotzenplotz« herausgebracht hätte - und immer schaut die Hauptfigur so gut wie irgendwie möglich so aus, wie sie Tripp zeichnete. Gerd Fröbe und Achim Rohde, die beiden prominentesten Hotzenplotz-Darsteller, und ihre schwer beschäftigten Maskenbildner können ein Lied davon singen.
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Museum
 Ein liebevolles Denkmal des Sohnes für den Vater: Jan Peter Tripps Jim Knopf, so wie ihn Vater Franz Josef gezeichnet hatte.
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Franz Josef Tripp kam erst über den Umweg der Schriftstellerei zur Buchillustration. Er war bereits über 30, als er bei dem Innsbrucker Grafiker Heinrich Berann eine Ausbildung absolvierte, und immerhin 45, als ihm mit den Zeichnungen zu »Jim Knopf« der erste große Coup gelang. Tripps dritte unsterbliche Titelfigur neben Jim Knopf und Hotzenplotz wurde »Das kleine Gespenst«, ebenfalls von Otfried Preußler, später folgten die Illustrationen unter anderem zu Boy Lornsens »Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt« und den Erzählungen über »Meffi, der kleine feuerrote Teufel« von Doris Jannausch, die, obgleich ebenfalls Bestseller, in ihrer Popularität gegenüber den Erstgenannten freilich weit zurückblieben. 1978 verstarb Tripp im Alter von 62 Jahren. Sein Ruhm blieb klein gegenüber dem der jeweiligen Textautoren.
Die nun ausgestellten Originalzeichnungen Tripps hat dessen Sohn Jan Peter, selbst ein prominenter Grafiker, mit dem Literaturhaus Stuttgart aus dem Archiv des Thiedemann-Verlages gekramt und mit einigen eigenen Arbeiten verwoben, die sich in augenzwinkernder Verehrung mit dem Werk des Vaters auseinandersetzen. Da spaziert hinter einem Zaun »Der nette Herr Hotzenplotz« vorbei, oder schräg hinter der entzückenden Meerjungfrau Sursulapitschi aus dem zweiten Band von »Jim Knopf« nähert sich ein Hai mit hungrig aufgerissenem Rachen. Titel: »Sweet Lolita's End«.
Die Ausstellung »Vater & Sohn. Bilder über 40 Jahre hinweg. Franz Josef Tripp & Jan Peter Tripp« ist noch bis zum 4. Februar zu sehen im Hällisch-Fränkischen Museum in Schwäbisch Hall, Tel. (0791) 751-360. Internet: www.schwaebischhall.de.
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