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Dieser Artikel: Ausgabe 02/2007 vom 14.01.2007
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Lachen über das Böse?

Was »Führer«-Satiren über Adolf Hitler und das deutsche Kino sagen


Am 11. Januar kommt Dani Levys Hitler-Satire »Mein Führer« in die Kinos. Eine sehr deutsche Frage wird erhoben: Darf man über Adolf Hitler eigentlich lachen? Antwort: Ja, muss man. Jetzt auch in deutschen Produktionen.

Hoch die Pfote zum »deutschen Gruß«: Szene mit Hitler (Helge Schneider) und seinem Hund Blondie (links).
Foto: X-Verleih
   Hoch die Pfote zum »deutschen Gruß«: Szene mit Hitler (Helge Schneider) und seinem Hund Blondie (links).

In Dani Levys Film »Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler« gibt der Komiker Helge Schneider einen Diktator, dem aufgrund seiner Depressionen sein früherer jüdischer Schauspiellehrer an die Seite gestellt wird, um ihm wieder mehr Selbstbewusstsein zu verschaffen.

Eine andere Hitler-Satire hat ihre Karriere auf den Videoplattformen des Internets gemacht, der Kurzfilm »Der Bonker« von Felix Gönnert nach der Comicfigur von Walter Moers. »Berlin, 30. April 1945. Die Welt brennt, Deutschland liegt in Schutt und Asche, und Japan geht es auch nicht mehr so gut. Aber einer lässt sich nicht unterkriegen - im Führerbunker brennt noch Licht.«

Mit diesem Vorspann beginnt die freche Satire auf die Person des »Führers«. Er rappt (»Kapitulation, nö, da halt ich nix davon«), sitzt auf dem Klo, putzt sich die Zähne und planscht in der Badewanne, in der der Chor der Adolf-Enten singt: »Adolf, du alte Nazisau, kapitulier doch endlich.«

Das Lachen über Hitler ist salonfähig geworden - und hat eine lange Tradition. Die Verunglimpfung seiner Person durch Überzeichnung war die Methode der beiden großen Hitler-Satiren der 40er-Jahre: »Der große Diktator« von Charlie Chaplin und »Sein oder Nichtsein« von Ernst Lubitsch. Beiden Filmen ist gemein, dass sie äußerst respektlos mit ihrer Figur und ihrer Redeweise umgehen.

Inszeniert wurden beide Satiren von zwei in den USA arbeitenden Europäern, dem Briten Chaplin und dem schon 1942 ausgewanderten Deutschen Lubitsch, dem, wäre er in Deutschland geblieben, Verfolgung gedroht hätte. Aber darf ein deutscher Regisseur das? Diese Frage scheint unausgesprochen hinter der gesamten Nachkriegsfilmgeschichte zu stehen - die sie bis in die Neunzigerjahre eher verneint hat.

Der deutsche Spielfilm hat sich weitgehend um das Abbilden des »Führers« gedrückt, ihn gewissermaßen umschrieben. Rainer Werner Fassbinder lässt in »Lili Marleen« die Sängerin Wilkie (Hanna Schygulla) die Treppe in der Reichskanzlei hinaufschreiten, und als die Flügeltüren sich öffnen, bricht ein Lichterglanz hervor - ein Moment der Kolportage, mit der der Film genau wie mit der alten Ufa-Herrlichkeit permanent spielt.

Der filmische Umgang mit dem »Führer« blieb dem Dokumentarfilm vorbehalten. Von Joachim C. Fest stammt »Hitler - Eine Karriere« (1977), ein Zusammenschnitt zeitgeschichtlicher Aufnahmen. Zwei Jahrzehnte zuvor hatte sich schon Erwin Leiser in seinem »Adolf Hitler - Mein Kampf« (Schweden 1959) an einer solchen Zusammenstellung versucht, die vom Ersten Weltkrieg bis zum Ende des Zweiten reichte.

Vor allem aber im letzten Jahrzehnt hat das Interesse an Täter­biografien einen neuen Aufschwung erlebt (»Hitlers Helfer«, »Hitlers Frauen« oder jüngst Heinrich Breloers »Speer und Er«).

Doch selbst im Kino der Fünfzigerjahre gab es einen Film, der aus heutiger Perspektive wie ein Meilenstein in der Darstellung der Figur Adolf Hitler wirkt: G.W. Pabsts »Der letzte Akt«, eine österreichische Produktion aus dem Jahr 1955. Es geht um die letzten Tage Hitlers, den Albin Skoda darstellt, im Bunker unter der Reichskanzlei. Pabst vermeidet jede Morbidität, er filmt einen Totentanz mit expressionistischen Schlagschatten. Noch einmal widmete sich »Der Untergang« (2004) mit dem vielleicht besten Hitlerdarsteller bislang, Bruno Ganz, den letzten Stunden im Führerbunker - aber Pabsts Film bleibt der bösere, weil er gerade die Generäle als feige Speichellecker entlarvt.

Verneinung von Größe

Der »Untergang« und Ganz' Hitlerfigur bilden nun den Resonanzrahmen, auf dem sich die neueren Satiren über den »Führer« entfalten. »Der Bonker« funktioniert schon von seinem Setting her als eine Parodie auf das monumentale Untergangs-Epos, und zu den geglückten Momenten in Dani Levys Komödie »Mein Führer« gehört, dass sie sich lustig macht über die scheinheilige Psychologisierung Hitlers.

»Der Bonker« und »Mein Führer« sind Reaktionen auf die Nazi-Bilder der populären Kultur, auf den Kitsch, die billige Erklärwut. Sie verneinen die Größe ihrer Figur. Christoph Schlingensief hat in »100 Jahre Adolf Hitler - Die letzten Stunden im Führerbunker« den »Untergang« schon als große Lächerlichkeit vorweggenommen. »Der Bonker« und »Mein Führer« führen uns auch die bisherige Stumpfheit der Hitler-Bilder vor Augen. »Natürlich muss man über Hitler lachen!«, meint (nicht nur) Herbert Achternbusch.

INTERNET

Hoch die Pfote zum »deutschen Gruß«: Szene mit Hitler (Helge Schneider) und seinem Hund Blondie (links).

  Das »Bonker«-Video kann man sich ansehen unter  www.youtube.com

 

Kirche und Nationalsozialismus

Kirche und Nationalsozialismus (Bild: Dietrich Bonhoeffer und »Reichsbischof« Ludwig Müller)

Weitere Beiträge zum Thema »Kirche und Nationalsozialismus« finden Sie » hier.

 

 

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Rudolf Worschech

 


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abgerufen 09.02.2012 - 01:51 Uhr

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