Sagen Sie mal, Hesekiel...
Interviews mit Personen der Bibel (203)
Wie der Prophet Gottes über die Hinrichtung Saddam Husseins denkt
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 Hesekiel in der Maestà von Duccio di Buoninsegna, Altarretabel des Sieneser Doms, entstanden 1311, Washington, National Gallery.
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...die Welt ist einen Diktator und Menschenschinder los: Saddam Hussein wurde hingerichtet.
Hesekiel: Sie ist ihn nicht los, da täuschen Sie sich gewaltig.
Natürlich ist er tot. Das hat eine Video gezeigt, Zeugen waren dabei, Fotos wurden gezeigt.
Hesekiel: Dass er tot ist habe ich ja gar nicht bestritten. Aber die Welt ist ihn nicht los. Wenn ich mir Ihre Zeitungen und Fernsehsendungen anschaue, bestimmt die Figur Saddam Hussein noch immer viele Meldungen und Kommentare. Und wenn ich auf die Straßen und in die Häuser irakischer und anderer arabischer Städte schaue, ist er auch dort noch präsent. Egal, ob die Menschen seinen Tod bedauern oder ihn als gerechte Strafe verstehen. So einen werden nicht durch den Tod los. Vielleicht war sein Tod sogar der sicherste Garant dafür, dass die Erinnerung an ihn nicht verblasst.
Sie meinen, dies könnte ein Argument gegen die Todesstrafe sein: Dass sie dem Übeltäter die Ehre erweist, noch länger im Bewusstsein der Menschen zu bleiben als er es lebend tun würde?
Hesekiel: Ein interessanter Gedanke. Doch in Hinblick auf die Todesstrafe eher ein Nebenargument. Zu diesem Thema hat Gott der Herr durch meinen bescheidenen Mund den Menschen sehr eindeutige Worte gesagt: »Ich habe keinen Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe.« Klarer geht's nicht, oder?
Gott scheint mir da sehr wankelmütig zu sein. Er selbst hat doch die Menschen und Tiere fast ausgerottet, als er mit der Sintflut die Erde bedeckte. Eine globale Todesstrafe hat er da angewendet. Ähnlich in Sodom und Gomorrha. Und jetzt führen Sie ausgerechnet Gott als Gegner der Todesstrafe an?
Hesekiel: Gott hat eine Geschichte mit den Menschen. Gott sah, dass Menschen die Freiheit, die er ihnen geschenkt hat, missbrauchten. Dass sie sich gegenseitig umbrachten und seine Gebote missachteten. Gottes Handeln gegenüber den Menschen veränderte sich. Viele Worte, die er mir damals sagte, haben sich jedoch als so tragfähig erwiesen, dass er sie bis heute vertritt. Zum Beispiel, dass er den Menschen ein neues Herz und einen neuen Geist geben will.
Damit hätte er ja mal bei Saddam anfangen können. Das hätte den Menschen viel Leid erspart.
Hesekiel: Gott lässt sich nichts vorschreiben. Ich bitte Sie, wer sind wir denn, dass wir so etwas verlangen könnten! Woher wollen Sie überhaupt wissen, was geschehen wäre, wenn Saddam Hussein Jahre lang im Gefängnis gesessen hätte? Vielleicht wäre er ins Nachdenken gekommen. Vielleicht hätte ihm irgendjemand klargemacht, dass er mit seinen Mordaktionen und Folterungen gegen die Lehre des Koran verstoßen hat? Der Gottlose soll nicht sterben - verstehen Sie doch endlich! Gott ist unendlich geduldig und hoffnungsvoll. Selbst mit den schlimmsten Massenmördern dieser Welt.
Das erzählen Sie mal den Gefolterten und Angehörigen der Opfer.
Hesekiel: Gerne. Ich weiß, dass die Freudensprünge gemacht haben, als sie von der Hinrichtung des irakischen Diktators erfahren haben. Dennoch: Uns Menschen gesteht Gott Rache nicht zu. »Mein ist die Rache«, hat er schon Mose gesagt. Ein Gedanke, den übrigens auch Ihr Apostel Paulus den Christen mit auf den Weg gegeben hat. »Rächt euch nicht selbst, meine Lieben«, schrieb er der christlichen Gemeinde in Rom. Gott ist Herr über Leben und Tod, nicht ein Menschengericht oder ein Henker. Wir alle warten gemeinsam auf einen neues Herz und einen neuen Geist.
Auch die Opfer?
Hesekiel: Sicher. Erst recht die, die sich so lautstark freuen über den Tod des gottlosen Saddam Hussein. Rache ist ein nachvollziehbares, nichtsdestotrotz unseliges Gelüst. Es gilt, die Spirale der Rache zu durchbrechen. Sie schafft weder Gerechtigkeit noch Frieden, sondern immer neue Gewalt. Wer sich unverblümt am Tod eines anderen Menschen freut hat ein neues Herz ebenso nötig wie ein Mörder. Die Menschheit möge getrost sein: Gott wird's richten! | Eine » Übersicht aller Interviews mit Personen der Bibel finden Sie » hier...
ZUR PERSON
Der Prophet
HESEKIEL (auch »Ezechiel« genannt, hebr., »Gott macht stark«) wirkte unter den von König Nebukadnezar 598 v. Chr. nach Babylon verschleppten Jerusalemern. Dort weckte er die Hoffnungen auf die Rückkehr nach Jerusalem.
QUELLEN: Hesekiel 33,11; 36, 26. Römer 12, 19. (Nachschlagen bei » bibel-online.net: Hes. 33,11, Röm. 12,19)
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