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Dieser Artikel: Ausgabe 02/2007 vom 14.01.2007
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Klimaschutz auf Evangelisch

Kleine Maßnahmen erzielen hohe Wirkung: Pioniergemeinden machen es vor

Von Susanne Petersen

Klimaschutz in der Gemeinde macht viel Arbeit: Es geht um CO₂-Werte, um Kilowattstunden und Heizungssteuerung. Dass sich die Mühe doppelt lohnt, zeigen bayerische Pioniergemeinden, die mit Fantasie und Hartnäckigkeit ihre Energiebilanz verbessert haben - und zugleich den Geldbeutel schonen. Über 100 Fotovoltaikanlagen auf bayerischen Kirchendächern verwandeln Sonne in Strom, rund 20 Gemeinden haben das »Kirchliche Umweltmanagement« absolviert und schmücken sich mit dem »Grünen Gockel«, 16 Gemeinden beteiligen sich am Projekt »Sparflamme« zur Reduzierung des Heizenergieverbrauchs. Eine Zwischenbilanz.

Solarzellen auf dem Kirchendach: Rund 100 bayerische Gemeinden verwandeln bereits Sonnenkraft in Strom. Das Bündnis zwischen Kirchen und Freistaat soll den Klimaschutz wieder auf die kirchliche Tagesordnung bringen.
Foto: pa
   Solarzellen auf dem Kirchendach: Rund 100 bayerische Gemeinden verwandeln bereits Sonnenkraft in Strom. Das Bündnis zwischen Kirchen und Freistaat soll den Klimaschutz wieder auf die kirchliche Tagesordnung bringen.

Die jüngste Errungenschaft in Sachen kirchlicher Umweltschutz steht im Pfarrhauskeller der Erlösergemeinde Bamberg. Als die 30 Jahre alte Warmluftheizung der Kirche ausgetauscht werden musste, entschied sich der Kirchenvorstand für ein mit Pflanzenöl betriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) - das erste in der bayerischen Landeskirche.

Das ist gut für die Umwelt: »Wir reduzieren unseren CO₂-Ausstoß damit um 20 Tonnen pro Jahr und fördern außerdem die lokalen Landwirte«, sagt Pfarrer Günther Schardt. Bauern aus einem Umkreis von 50 Kilometern liefern das Rapsöl - das Energiesparen fängt durch die kurzen Wege schon beim Einkauf an. 6000 Liter passen in den Tank, und falls dem Pfarrer einmal das Salatöl ausgehen sollte, könnte er sich in seinem Heizungskeller Nachschub holen. Rapsöl ist eine saubere Sache: »Beim Verbrennen wird nur so viel CO₂ erzeugt, wie die Pflanzen zuvor gebunden haben - und falls der Tank einmal leckt, verschmutzt es nicht das Grundwasser«, erklärt Schardt.

80-seitige Checklisten, Tüftelei und Arbeitseinsatz: Pfarrer Otfried Haug (l.), Umweltberater Christoph Ernst (r.) und die Gemeindemitglieder der Nürnberger Versöhnungskirche nehmen für den Umweltschutz einige Mühen auf sich. Das Umweltsiegel »Grüner Gockel« belohnt ihr Engagement.
Foto: Fechter
   80-seitige Checklisten, Tüftelei und Arbeitseinsatz: Pfarrer Otfried Haug (l.), Umweltberater Christoph Ernst (r.) und die Gemeindemitglieder der Nürnberger Versöhnungskirche nehmen für den Umweltschutz einige Mühen auf sich. Das Umweltsiegel »Grüner Gockel« belohnt ihr Engagement.

Gut ist die neue Anlage auch für den Geldbeutel. Zwar hat die Gemeinde 25000 Euro - aus Spenden und Rücklagen - in ihr BHKW investiert, doch diese Summe soll sich nach acht Jahren amortisiert haben. Schließlich hat das Bamberger Blockheizkraftwerk seit Mai letzten Jahres 18000 Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt, die ins städtische Stromnetz fließen und von den Stadtwerken mit 20 Cent pro kWh vergütet werden. Mit der Abwärme des Motors beheizt die Gemeinde neben der Kirche auch noch Pfarrhaus, Gemeindezentrum und Mesnerwohnung - und spart sich damit viele Sorgen wegen der ständig steigenden Gas- und Erdölpreise. Erst bei Temperaturen unter 10 Grad Celsius muss eine Gasheizung zugeschaltet werden, damit alle Räume warm werden. »Wir sind jetzt vom Weltmarkt weniger abhängig und können uns obendrein bei einem Stromausfall auch selbst versorgen«, sagt der Pfarrer.

Elf Prozent des deutschen Stroms werden mittlerweile aus erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind, Wasser und Biomasse gewonnen. In Bayern sind es laut Bund Naturschutz (BN) sogar 22 Prozent. Eine Klima-Allianz zwischen Staatsregierung und BN, im Oktober 2004 geschlossen, hat sich vorgenommen, bis 2010 rund 10 Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO₂) einzusparen. Ludwig Trautmann-Popp, BN-Energiereferent, freut sich über einen Bewusstseinswandel: »Die Beschlüsse von sechs südbayerischen Landkreisen, in spätestens 30 Jahren völlig auf fossile und atomare Energieträger zu verzichten, werden jetzt nicht mehr als Spinnerei abgetan.« Allerdings warnt er davor, dass die geplanten CO₂-Einsparungen durch den Bau der dritten Startbahn am Münchner Flughafen oder durch den Ausbau der Autobahnen wieder aufgefressen werden könnten.

Strom aus Sonne: Solarzellen passen auf fast jedes Kirchen- und Gemeindehausdach.
Foto: Ernst
   Strom aus Sonne: Solarzellen passen auf fast jedes Kirchen- und Gemeindehausdach.

Jetzt hat die »Klima-Allianz« Zuwachs bekommen. Beim zweiten Bayerischen Klimagipfel am vergangenen Donnerstag unterzeichneten Landesbischof Johannes Friedrich und Kardinal Friedrich Wetter eine »Grundsatzerklärung zum Schutz des Klimas« zwischen den bayerischen Kirchen und dem Freistaat (s. rechts). »Die Kirchen sind Vorreiter in der Jugend- und Erwachsenenbildung und können auf diese Weise den Klimaschutzgedanken hineintragen in weite gesellschaftliche Kreise«, begründet Umweltminister Werner Schnappauf die Wahl der neuen Bündnispartner. Landesbischof Friedrich sieht in der Vereinbarung »einen neuen Ansporn, unsere Anstrengungen an dieser Stelle zu verstärken«. Das »Kirchliche Umweltmanagement«, das bislang 20 Gemeinden absolviert haben, solle ausgebaut werden. Es nütze nichts, »wenn eine kleine Avantgarde in einer fast prophetenhaften Weise voranstürmt und die Menge der Menschen ihnen nicht folgt«, so Friedrich: »Wir sind erst am Anfang des Weges.«

Zu den Pionieren in Sachen Energiereduzierung gehört die Erlöserkirche Bamberg mit ihrem Blockheizkraftwerk genauso wie die Lutheraner in Schwabach, die sich mit 15 weiteren Gemeinden am aktuellen Projekt »Sparflamme« des landeskirchlichen Umweltreferats beteiligt haben. »Die 'Sparflamme' will Gemeinden für nicht-investive Maßnahmen im Bereich Heizung sensibilisieren«, sagt Roland Wolkersdorfer, einer von 25 mit einer dreijährigen Ausbildung gerüsteten kirchlichen Umweltberatern in Bayern und Mitglied im Schwabacher Umweltteam.

Aktiv gegen Flächenversiegelung.
Foto: Fechter
   Aktiv gegen Flächenversiegelung.

Nicht-investive Maßnahmen, das sind in diesem Fall eine optimale Einstellung der Heizungsanlage und ein verbessertes Nutzerverhalten. Denn was nützt eine hochwertige Elektronik, wenn die Nachtabsenkung nicht aktiviert ist? Und was nützt eine sparsame Heizung, wenn die Fenster im Gemeindezentrum ständig auf Kipp stehen? Eigentlich alte Weisheiten, »aber trotzdem macht es niemand«, sagt »Sparflammen«- Projektleiter Bernd Brinkmann. Dabei würde sich die Umstellung alter Gewohnheiten lohnen: »Ohne Investitionen können Gemeinden zehn Prozent CO₂ und Heizkosten einsparen.«

Das Projekt »Sparflamme« ist nur ein erster Schritt auf dem Weg zum umfangreichen »Kirchlichen Umweltmanagement«, besser bekannt unter dem Namen »Grüner Gockel«. Eine von 20 bayerischen Gemeinden, die bereits mit dem »Grünen Gockel« zertifiziert sind, ist die Versöhnungskirche in Nürnberg. »Ein Kirchenraum ist ökologisch gesehen eine problematische Geschichte«, sagt Pfarrer Otfried Haug. Dennoch wollten er und sein Kirchenvorstand die Gottesdienste im Winterhalbjahr nicht - wie vom Kirchengemeindeamt empfohlen - ins Gemeindehaus verlegen.

Regenwasser, das auf Kirchengrund versickert.
Foto: Fechter
   Regenwasser, das auf Kirchengrund versickert.

Stattdessen installierte die Gemeinde eine neue Steuerung für die Kirchenheizung. Das schlaue Gerät misst nun automatisch Außen- und Innentemperatur und errechnet daraus, wann es die Heizung starten muss, damit die Kirche pünktlich zum Gottesdienstbeginn auf 17 Grad erwärmt ist - mit einer stündlichen Steigerung um maximal 1,5 Grad, damit die Orgel nicht leidet. Die Erfolge sind messbar: Im Jahr 2002 lag der Verbrauch bei 235 kWh pro Quadratmeter, 2005 waren es nur noch 138. »Wir haben den Energieverbrauch damit auf 60 Prozent unseres vorherigen Bedarfs heruntergebracht«, sagt Haug. Im Jahr gibt die Versöhnungskirche dank eines relativ simplen Eingriffs - trotz gestiegener Energiepreise - jetzt nur noch 3800 statt vorher 4200 Euro für Heizkosten aus.

Doch damit allein ist der grüne Umweltgockel noch nicht zu bekommen. Eine 80-seitige Checkliste hat die Gemeinde abgearbeitet und schaut jetzt auch beim Müll, beim Bürobedarf, beim Wasserverbrauch und den Pkw-Kilometern pro Mitarbeiter genauer hin. Dass Ökonomie und Ökologie beim Umweltschutz zusammenkommen, ist von Vorteil. »Durch den innerkirchlichen Finanzausgleich schrumpft unser Haushalt um 47 Prozent«, sagt Otfried Haug - da sei er froh, wenn er weniger Geld für Büromaterial, Müllgebühren und Heizung ausgeben müsse. Insgesamt hat die Gemeinde durch die Maßnahmen für den Grünen Gockel ihren CO₂-Ausstoß um 20 Prozent, das sind 15 Tonnen pro Jahr, verringert.

Das nächste Projekt der Gemeinde ist das Niederschlagswasser, für das sie 51 Cent pro Quadratmeter versiegelter Fläche an die Stadt bezahlen muss. Allein das Kirchendach hat eine Fläche von 400 Quadratmetern. »Wenn wir dieses Wasser nicht mehr in den Kanal leiten, sondern auf der Grünfläche vor der Kirche versickern lassen, entlasten wir die Kläranlagen, nützen dem Grundwasser und sparen zugleich Geld«, rechnet Haug.

Mit Idealismus und gutem Willen allein ist es aber nicht getan. »Umweltschutz muss sich auch wirtschaftlich rechnen«, sagt der Nürnberger Pfarrer. Das heißt nicht, dass die Gemeinde durch alternative Methoden reich wird - sie kann es sich aber auch nicht leisten, dabei draufzuzahlen. Trotzdem bleibt der christliche Schöpfungsgedanke für Otfried Haug der zentrale Motor: »Unsere Kirche heißt Versöhnungskirche. Da ist die Frage doch: Wie versöhnt bin ich mit meinen Mitmenschen und meiner Umwelt? Ich kann nicht am Sonntag Versöhnung predigen und mich am Montag nicht mehr darum kümmern.«

Missionarischer Eifer liegt ihm fern: »Jede Gemeinde hat ihre eigenen Probleme oder Schwerpunkte.« Allerdings lasse sich die Umwelt nicht am grünen Tisch schützen - eine Grundsatzerklärung zum Klimaschutz bringe nichts, wenn nicht konkrete Projekte angepackt und umgesetzt würden. »Mit 'müsste', 'sollte' und schlechtem Gewissen«, sagt Pfarrer Haug, »kommt man im Umweltbereich nicht weiter.«

KLIMA-ALLIANZ

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Warum fällt das umweltbewusste Verhalten so schwer?: Vier Stimmen zur Klima-Allianz von Kirchen und Staat. » lesen!

 

KLIMA-ALLIANZ

Umweltschutz in der Gemeinde

  Grüner Gockel

Der »Grüne Gockel«: www.gruener-gockel.de

Der »Grüne Gockel« ist das Zertifikat für Gemeinden, die das Programm »Kirchliches Umwelt- management« absolviert haben. Der Grüne Gockel ist konform mit der Europäischen Öko-Audit-Verordnung EMAS. Er erfasst systematisch die Wirkung der Gemeinde auf die Umwelt, bewertet Einsparpotenziale und zeigt einen Weg zu ökologischem Wirtschaften. Infos:  www.gruener-gockel.de

  Sparflamme

Logo »Sparflamme«

Die »Sparflamme« ist ein Projekt der Umweltberatung der Evangelischen Kirche in Bayern. Es bietet eine zweitägige Fortbildung und zwei Gebäudebegehungen durch Umweltberater und Heizungsingenieur. Ziel ist eine verbesserte Heizungssteuerung, die Ermittlung von Einsparmöglichkeiten und Anregungen für ein verbessertes Nutzerverhalten. Infos: bernd-brinkmann @t-online.de

  Umweltbewusstes Nutzerverhalten

Die größten Treibhausgas-Verursacher sind Stromerzeugung, Gebäudeheizung und Verkehr. Verbraucher können Strom sparen durch Kauf effizienter Gerräte, Verzicht auf Stand-by-Schaltung, Abbau von Stromheizungen, auf gute Gebäudedämmung achten und sparsame Pkw kaufen oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen.

Darüber hinaus könnten Gemeinden bei Bewirtungen auf Produkte aus ökologischem oder regionalem Anbau achten, fair gehandelten Kaffee und Tee verwenden, umweltfreundliche Reinigungsmittel benutzen, ihren Heizenergieverbrauch untersuchen lassen und Sparmaßnahmen ergreifen, Stellplätze für Fahrräder bei der Kirche anbieten, den Gemeindeausflug mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Rad machen.

DOKUMENTATION

Grundsatzerklärung der bayerischen Klima-Allianz (in Auszügen):

»Die bayerischen Bistümer, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und die Bayerische Staatsregierung sind sich einig, dass die Erde und ihre natürlichen Ressourcen den Menschen nicht als uneingeschränkt verfügbares Eigentum, sondern nur zu treuen Händen gegeben sind. [...]

Ein achtsamer Umgang mit der Schöpfung wird sich erst dann im Alltag durchsetzen, wenn es gelingt, ihn im Ethos der Menschen zu verankern. [...] Wissen zu vermitteln, den Einzelnen zum Handeln zu motivieren und in seinem Engagement zu begleiten, ist dabei eines der Kernanliegen. Der Erfolg hängt davon ab, das persönliche Leben an der Verantwortung für die Schöpfung auszurichten. [...]

Staat und Kirchen können schon heute auf ein umfangreiches Engagement im Umweltschutz blicken. Sie werden auch in Zukunft mit gutem Beispiel vorangehen, z.B. durch energetische Optimierung der eigenen Liegenschaften, durch Maß-nahmen zur Energieeinsparung und durch verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien.«

 

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abgerufen 08.02.2012 - 11:33 Uhr

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