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Dieser Artikel: Ausgabe 49/2006 vom 03.12.2006
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Meisers Schatten über der Synode

Kontroverse um Bischof Meiser - wird Meiserstraße zur Heilig-Geist-Straße?


Landesbischof Johannes Friedrich kämpft für ein gerechtes Bild seines Vorgängers Hans Meiser (1881-1956) in der Geschichte. In seinem Bericht vor der Synode mahnte er eine angemessene Erinnerungskultur innerhalb der Kirche an. Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen, dass die Stadt Nürnberg ihre Bischof-Meiser-Straße umbenennen will.

Landesbischof Johannes Friedrich.
Foto: sob
   Landesbischof Johannes Friedrich.

Bischof Friedrich warnte beim Urteil über Meiser vor selbstgefälligem Moralismus. Meiser als »Nazi-Bischof« zu titulieren sei ebenso unangebracht, wie seine pauschale Rechtfertigung. Meiser, der nach dem Krieg in höchstem Ansehen stand, habe es »leider unterlassen, sich in eindeutiger Form zu seiner Schuld zu bekennen.« Heute müsse die Kirche ihr Versagen gegenüber der Vernichtungspolitik der braunen Machthaber eingestehen. Aufgrund der Erfahrungen mit der Diskussion um die Gedenkfeier für Meiser forderte der Bischof eine angemessene Erinnerungskultur innerhalb der Kirche: Diese solle Schuld und Versagen nicht verschweigen, immer aber auch von der Barmherzigkeit Gottes sprechen. Gottes Gnade werde allen zugesprochen, auch denen, die versagt haben. In diesem Sinne plädierte er für eine differenzierte Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und ihren Gestalten.

Dass er in der Diskussion um die Umbenennung der Meiserstraße nicht deutlich Stellung bezogen hatte, rechtfertigte Friedrich mit der lutherischen Lehre von den zwei Regimenten: »Wir sind als Kirche für Straßenbenennungen nicht zuständig, es ist nicht unsere Straße.«

Dagegen plädierte der Neuendettelsauer Theologieprofessor Wolfgang Stegemann leidenschaftlich für die Namensänderung. Meiser habe den gleichen rassistischen Antisemitismus vertreten wie die Nürnberger Rassegesetze der Nationalsozialisten. »Er hätte nach Kriegsende zurücktreten müssen«, sagte Stegemann. Stegemann und der Erlanger Meiser-Gutachter Professor Gotthard Jasper haben in Absprache mit dem Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) bereits den Text für ein Schild entworfen, das die Namensänderung begründet.

Im Gegensatz zu seiner bisherigen Haltung hält Jasper inzwischen eine Namensänderung für möglich. Auch der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, Arno Hamburger, hat nach epd-Informationen dem Text zugestimmt. Wann der Stadtrat darüber entscheidet, steht noch nicht fest. Als neuer Name ist Heilig-Geist-Straße im Gespräch.

  DEN VOLLSTÄNDIGEN BERICHT des Landesbischofs können Sie hier downloaden (PDF, 202 kB).

SYNODE

 

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esc/epd

 


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abgerufen 08.02.2012 - 11:35 Uhr

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