Ein kleines Wunder
Seit zehn Jahren sendet der christliche Fernsehsender Sat7 von Zypern aus in die arabische Welt
Seit zehn Jahren verbreitet Sat7 das Evangelium in der arabischen Welt. Der einzige christliche Fernsehsender im Nahen Osten sendet auf Arabisch, Farsi und Türkisch. Er will die Christen in der Region stärken und das Bild der Christenheit in ein besseres Licht rücken.
 Foto:
Sternberg
 Die Mitarbeiter sind arabische Christen: Sat7 sendet von der Insel Zypern.
|
Terence Ascott ist ausgezogen, die christlichen Seelen in der arabischen Welt zu retten. Es sind nur wenige verblieben in den islamischen Ländern. Eine isolierte Minderheit in der einstigen Wiege des Christentums. Doch für seinen »Kreuzzug« gebraucht Ascott kein Schwert, sondern seine Sendelizenz. Der Engländer ist Geschäftsführer des TV-Senders Sat7, der seit zehn Jahren von der Sendezentrale in Zypern aus die christliche Botschaft im Nahen Osten, in Nordafrika und nun auch in der Türkei verbreitet.
Nur noch 20 Millionen arabische Christen leben in der Region zwischen Marokko, Sudan und Iran - etwa sechs Prozent der Bevölkerung. Ihre Kirchen sind oft führerlos, ihr Ruf ist angeschlagen. »Die moslemische Mehrheit bezieht ihr Bild über den Westen aus amerikanischen Filmen und bewertet die Christenheit nach 'Baywatch'«, klagt der 59-jährige Ascott, der selbst 30 Jahre im Nahen Osten lebte. Was fehlt, sind christliche Bildung und geistlicher Zuspruch.
 Foto:
Sternberg
 »Die moslemische Mehrheit bezieht ihr Bild über den Westen aus amerikanischen Filmen und bewertet die Christenheit nach Baywatch«, klagt Terence Ascott. Der Engländer ist Geschäftsführer des TV-Senders Sat7.
|
In einer Region, in der fast die Hälfte der Bevölkerung als Analphabeten lebt, ist ein Fernseher oft die einzige Informationsquelle. Viele arme Familien besitzen keinen Kühlschrank, aber eine Satellitenschüssel auf dem Dach. Mit der empfangen sie seit 1996 auch die Worte des Herrn, die Sat7 verbreitet. Für diejenigen, die die Bibel nicht lesen können, in deren Umgebung es keine Gottesdienste und Glaubensbrüder gibt, ist das die einzige Erbauung.
Die vom Sender jährlich benötigten acht Millionen Dollar kommen von christlichen Stiftungen und Fonds, von Kirchen und Privatpersonen weltweit. Der Vorstand aus arabischen Christen ist eine Art ökumenischer Rat.
Die Programminhalte von Sat7 bestehen nicht aus Massenpredigten und Spendenaufrufen. Die christliche Botschaft wird durch Filme, Kindersendungen und Frauen-Magazine verkündet - auf Arabisch, Farsi (Iran) und Türkisch. Die TV-Beiträge thematisieren zwischenmenschliche Probleme - etwa häusliche Gewalt, Schwierigkeiten mit dem Chef oder Lebenskrisen. Moderatoren helfen mit Gleichnissen aus der Bibel.
 Foto:
Sternberg
 Aus diesem Studio sendet Sat7.
|
Die junge Generation gilt als bevorzugte Zielgruppe. Nicht nur, weil 60 Prozent der Bevölkerung unter 21 Jahren sind. Vor allem, weil die Botschaft über die Kinder auch die Eltern erreicht.
Die Sendungen werden in den hauseigenen Studios in Ägypten und im Libanon produziert, eine spezielle Abteilung kontrolliert jeden der von westlichen Partnern eingekauften Beiträge auf anstößige Inhalte. Man will die sensiblen Problemzonen der arabischen Welt nicht verletzen. Verstöße gegen politische, moralische, rassistische, religiöse und kulturelle Werte müssen auf Prüfblättern vermerkt und später herausgeschnitten werden. Dem arabischen Publikum wird damit einiges vorenthalten, es bekommt zum Beispiel in einer Dokumentation über Papua-Neuguinea die 45 Sekunden lange Szene mit nackten Menschen nicht zu sehen oder hört nicht, dass in einem Film König Saul als »King Crazy« bezeichnet wird.
Sat7 versteht sich nicht als christlicher Stachel im Fleisch des Islam
Die Macher bei Sat7 wissen, wie ihre Landsleute denken. Es sind zwar Christen, aber eben arabische Christen. Kein außerhalb produzierender Sender würde diese Akzeptanz erreichen. »Der Westen kann sehr unsensibel sein gegenüber den politischen und religiösen Realitäten in dieser Region hier«, betont Ascott.
Politik ist für den Sender tabu. Die arabischen Fernsehmacher achten darauf, dass sich die Regierungen der Länder, in denen Sat7 empfangen wird, nicht kritisiert fühlen. »Unsere Schwerpunkte sind soziale Probleme - Armut, Drogen, Behindertenintegration. In politische Bereiche stoßen wir dabei nicht vor«, erklärt Sprecher David Harder.
Die Programminhalte änderten sich durch den Krieg im Libanon geringfügig. Die Kollegen in Beirut sind gefordert, inmitten der Zerstörung ihrem Publikum die verbliebenen Fünkchen Hoffnung zu zeigen. Die Reporter bringen Geschichten über den Zusammenhalt der christlichen Gemeinde im Libanon, sie zeigen die Versorgungslieferungen der christlichen Hilfsorganisationen. Es wurden Flüchtlinge interviewt, die kein Blatt vor den Mund nahmen, und christliche Führer taten in Diskussionsrunden ihre Meinung kund. »Aber wir bringen keine politischen Sendungen«, betont Harder.
In der gesamten inhaltlichen Ausrichtung ist Sat7 ein Missionssender, der die Menschen zu Gott führen soll. Er versteht sich nicht als christlicher Stachel im Fleisch des Islam. »Die lokalen Behörden brauchten vier Jahre, um uns zu vertrauen«, erinnert sich Terence Ascott. »Sie fürchteten, wir würden gegen den Islam hetzen. Aber wir attackieren niemanden und geben auch keine politischen Statements ab - nur positive Botschaften über die Bibel.« Der Sender ist ein Sprachrohr für die christlichen Konfessionen, und davon gibt es im Nahen Osten hunderte.
Laut Befragungen schalten sechs Millionen Zuschauer regelmäßig den Sender ein. Die Zuschauerzählung sei nicht so einfach. »In Saudi-Arabien droht jedem die Todesstrafe, der sich vom Islam lossagt. Dort wird kaum jemand gestehen, dass er einen christlichen Fernsehsender einschaltet.« Doch Ascott weiß, dass es auch islamische Konvertiten gibt. »Es ist nicht unser Ziel, Moslems zum christlichen Glauben zu bekehren, aber wir nehmen es als Geschenk.«
Bekehrungen, Wunderheilungen, den Sinn des Lebens gefunden - diese frohen Nachrichten bekommt die Zuschauerabteilung in großer Zahl auf den Tisch. Die Mitarbeiter beantworten die Briefe, und sie beten nach eigenen Aussagen auch für das Wohl jedes einzelnen Absenders. Andererseits sind die Zuschauer angehalten, für Sat7 zu beten. »Wir stärken die Kirche im Nahen Osten und verändern die Haltung der Moslems gegenüber dem Christentum«, erklärt Terence Ascott. »Unsere Mission ist, das Evangelium in arabischer Sprache zu verbreiten. Es ist doch ein Menschenrecht für jedes Individuum, Zugang zum christlichen Glauben zu haben.« |
Lesen Sie jede Woche auch das Sonntagsblatt-Titelthema, viele weitere interessante Artikel und Terminhinweise. Auch vor Ort immer gut informiert mit dem Sonntagsblatt: Sechs Regionalausgaben berichten über das, was an Ihrem Wohnort wichtig ist im evangelischen Bayern. Mit Gottesdienst-Anzeiger (München/Oberbayern, Nürnberg, Augsburg).
|
| |
|
 |