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Dieser Artikel: Ausgabe 43/2006 vom 22.10.2006
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Angriff über Dubai

Über die Arabischen Emirate haben Hacker die Sonntagsblatt-Onlineausgabe zeitweise lahmgelegt


Das Sonntagsblatt im Internet war plötzlich verschwunden: Nicht eine einzige Seite war am 12. Oktober von 2 Uhr morgens bis 14 Uhr auf www.sonntagsblatt-bayern.de noch erreichbar. Einem Hacker, der sich über einen Anbieter in Dubai ins Internet einwählt, war es gelungen sich Zugang zu verschaffen und das Sonntagsblatt-Angebot stillzulegen.

Fremder Server, alles weg...
Foto: sob
   Fremder Server, alles weg...

Die Zugriffe erfolgten von IP-Adressen, die zu Adressräumen des Internet-Providers »EMIRNET« gehören. So genannte IP oder »Internet Protocol«-Adressen dienen im weltweiten Netz zur Identifizierung der beteiligten Computer. »EMIRNET« gehört zum Telekommunikationsanbieter »Emirates Telecommunications Corporation« mit Sitz in Dubai ( www.emirates.net.ae).

Welchen Hintergrund die Hacker-Attacke auf das Sonntagsblatt hat, ist unklar. Immer wieder kursieren in muslimischen Internetforen aber Aufrufe, christliche Websites durch Viren oder so genannte »Spam-Attacken« lahmzulegen. Webseiten werden durch Löcher in auf ihnen laufenden Programmen geknackt, umgeschrieben, gelöscht. Bei so genannten DoS (»Denial of Service«)-Attacken treiben die Angreifer den Internetserver in den Kollaps, indem sie zum Beispiel so lange so viele Anfragen gleichzeitig an ihn richten, bis der Rechner den Dienst versagt.

Waren es nach den Angriffen vom 11. September vor allem amerikanische Hacker, die islamistische Seiten störten, haben die muslimischen »Cyber-Krieger« inzwischen nachgezogen. Sie greifen zum Beispiel Seiten wie  www.islameyat.com an: Dieses Angebot betreiben vom Islam konvertierte Christen, die offensiv unter Muslimen missionieren.

Jumeirah-Moschee in Dubai.
Foto: sob
   Jumeirah-Moschee in Dubai.

Im Zuge des Karikaturenstreits gab es nicht nur wütende muslimische Proteste auf vielen Straßen in der arabischen und übrigen Welt, sondern auch eine Vielzahl von Angriffen auf hunderte dänische und andere nordeuropäische Webseiten durch pro-muslimische Hacker. Vor allem im Iran und in den arabischen Emiraten steht die Hacker-Szene der in Europa oder Russland, den USA oder China kaum nach - anders als beispielsweise in Afghanistan, wo die medienfeindlichen Taliban auch das Internet verboten und wo es bis heute nur eine gering entwickelte Web-Infrastruktur gibt.

Hauptziele der islamistischen Hacker sind vor allem amerikanische und jüdische Webseiten. So löschten im April Hacker aus Katar alle Daten vom Server des größten deutschsprachigen jüdischen Internetmagazins  HaGalil.com. Damals, so berichtete seinerzeit die Presse, ermittelte das bayerische Landeskriminalamt wegen eines möglichen antisemitischen Hintergrunds.

Nahezu gleichzeitig mit dem Angriff auf den Sonntagsblatt-Server ist - ein Schelm wer da einen Zusammenhang vermutet - nun auch der Vatikan elektronisch angegriffen worden. Die italienische Nachrichtenagentur ANSA meldete, eine »Brigade Al-Mohadscherin« habe in einem einschlägigen Dschihad-Forum dazu aufgerufen, Rom als Vergeltung für die Papst-Äußerungen von Regensburg elektronisch anzugreifen. Über mehrere Tage sei dann versucht worden, den Webserver von Radio Vaticano zu stören. Der italienischen Polizei zufolge gelang es den Angreifern aber nicht, »nennenswerten Schaden« anzurichten.

Im Cyber-Krieg mit dem Westen

Eine der einschlägigen Adressen des Cyber-Dschihad ist zum Beispiel  www.al-jinan.org. Als Inhaber ist unter einer irakischen Adresse ein Ahmad Adel angegeben, der Server steht in Saudi-Arabien. Die Betreiber der Seite nennen sich »Gruppe Elektronischer Dschihad«. Der Name ist nicht nur Programm - man kann sich auf der Seite auch gleich ein Hacker-Programm mit dem Namen »Jihad 1.5 (Silver Version)« downloaden. Der Plan: Mit dem einfach zu bedienenden kleinen Werkzeug sollen möglichst viele Cyber-Krieger möglichst viele islamfeindliche und »zionistische« Internetseiten angreifen, bis diese den Betrieb einstellen.

Für Jürgen Müller, bei der Münchner Kriminalpolizei zuständig für Computerkriminalität, ist der Sonntagsblatt-Fall nichts Besonderes: »Allein in unserem Bereich haben wir 10 bis 15 solcher Fälle im Jahr.« Das einzige was sich gegen Hackerangriffe wirklich tun lasse, sei, den eigenen Computer so sicher wie möglich zu machen. Gegen die Täter, die meist von Schul- oder Hochschulrechnern aus operierten, könne man kaum etwas ausrichten. »Das Problem ist nicht nur Dubai, weil in diesen exotischen Ländern auf die Schnelle kaum Auskunft zu erwarten ist.« Es sei auch keineswegs ausgemacht, dass sich die Hacker in Dubai befinden: »Die können auch hier ums Eck sitzen, haben in Arabien einen offenen Rechner gefunden und freuen sich, dass es so aussieht, als ob es von dort kam.«

 

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Markus Springer

 


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abgerufen 03.09.2010 - 03:36 Uhr

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