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Dieser Artikel: Ausgabe 38/2006 vom 17.09.2006
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Alzheimer - ein Thema für jedermann

Interview mit Heiner Aldebert


Heiner Aldebert, der die »Koordinationsstelle für Medizinethik der Evangelisch lutherischen Kirche in Bayern« inne hat, war für den kirchlichen Anteil der Alzheimer-Informationskampagne »Verstehen Sie Alzheimer?« verantwortlich.

Heiner Aldebert, Institut TTN Technik, Theologie, Naturwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München
Foto: lt
   Heiner Aldebert, Institut TTN Technik, Theologie, Naturwissenschaften an der Ludwig-Maximilians- Universität München

  Die bayerische Landeskirche hat sich an der diesjährigen Alzheimer- Informationskampagne auffallend stark engagiert. Warum? Und was hat es bewirkt?

Heiner Aldebert: Die Evangelische Landeskirche (vertreten durch das Institut TTN) hat im »Alzheimer-Jahr 2006« zusammen mit der Alzheimer Gesellschaft München und der Landeshauptstadt München die Informationskampagne »Verstehen Sie Alzheimer?« als Hauptaktionspartner getragen. Es ging dabei vor allem darum, die Tabumauer um diese »Krankheit des 21. Jahrhunderts« zu durchbrechen und Schweigen durch Wissen, aber auch durch Hoffnungsperspektiven zu ersetzen. Dies ist, denke ich, im Rahmen des Möglichen gelungen, was zum Beispiel das rege Interesse an der landeskirchlichen Handreichung »Nähme ich Flügel der Morgenröte...« zeigt, die bereits in 2. Auflage vorliegt (siehe rechts). Aber auch das  Sonntagsblatt-Themaheft »Alzheimer« und die landeskirchlichen Unterrichtsmodelle (»Jenseits der Freiheit« und »Oma lebt in einer anderen Welt«) öffnen Türen in die »Welt des Vergessens«. Alzheimer ist nicht mehr nur ein Thema für Pflegeprofis, sondern für jedermann auf der Straße, auch für Kirchengemeinden. Zu hoffen ist, dass dadurch auch betroffenen Familien vor Ort besser geholfen werden kann.

  Was ist denn das Besondere einer »Alzheimer-Ethik« aus evangelischer Sicht?

Heiner Aldebert: Das besondere einer »Alzheimer-Ethik« aus evangelischer Sicht könnte in der Haltung liegen, mit der wir auf Demenz-Patienten und ihre Angehörigen zugehen. Natürlich braucht es da zuerst einmal ganz viel Verständnis, wie schwer, belastend und erschreckend diese Krankheit sowohl für die Betroffenen, aber auch für die ist, die sie lieben. Aber genauso wichtig ist es, dass wir vom Defizitdenken wegkommen. Nicht das, was nicht mehr ist, steht im Vordergrund, sondern das, was gerade noch ist. Immer das ist das Ganze. Wenn wir uns darauf konzentrieren, können wir den Strudel der Verzweiflung unterbrechen.

  Das Thema Alzheimer verlangt auch eine neue »Ethik des Pflegens«! Wie sieht denn diese neue Ethik aus?

Heiner Aldebert: Der Wert eines Menschen bemisst sich nicht daran, was er kann. Menschenwürde ist ein Geschenk, das man sich nicht verdienen muss. Liebevolle Pflege ist eine Entsprechung dazu, dass Gott jeden Menschen liebt, sein Leben lang, selbst wenn dieser ihn vergisst. Jeder Alzheimer-Patient hat seine Geschichte, seine Biografie. Als Pflegende sollten wir uns für diese Biografie interessieren, um die Durchgänge ins Innere der Welt eines Demenz-Patienten zu finden. Ihm, ihr in ihrer Welt begegnen, nicht erwarten, dass sie sich an unsere Realität anpassen. Biografiearbeit in der Pflege heißt aber auch, den Menschen von seiner ganzen Lebensgeschichten her zu sehen und zu achten.

ALZHEIMER - EIN TABU BRICHT

ZUM THEMA

Kulissen des Lebens: In Nürnberg hat das Kompetenzzentrum Demenz seinen Betrieb aufgenommen. Von Thomas Greif. » lesen!

 

INFOS UND TERMINE

  Kompetenzzentrum Demenz

Das Kompetenzzentrum Demenz im Nürnberger Tillypark wird am Freitag, 29. September, offiziell eingeweiht. Informationen unter Tel. (0911) 600098-0 oder im Internet unter  www.Kompetenzzentrum-Demenz.de.

Zum Weltalzheimertag am 21. September findet hier von 9 bis 16.30 Uhr ein Informationstag der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft statt.

  Gottesdienst zur Kampagne

In München findet die Alzheimer-Kampagne ihren gottesdienstlichen Abschluss am 24. September um 11.15 Uhr in St. Markus. Predigerin ist Dekanin Barbara Kittelberger.

  Akademietagung in Tutzing

»Leben mit Demenz« ist der Titel einer Tagung in der Evangelischen Akademie Tutzing am 4. und 5. Oktober 2006. Info und Anmeldung im INternet unter der Adresse  www.ev-akademie-tutzing.de

  Kampagne in Nürnberg

Die Kampagne endet nicht mit dem WeltAlzheimer-Tag. Die Fortführung für den nordbayerischen Raum markiert eine Tagung der Evangelischen Stadtakademie Nürnberg im Haus eckstein am 8. Dezember. Ein Workshop Demenz um 14 Uhr; Vortrag und Podiumsdiskussion um 19 Uhr.

  Handreichung der Synode

Die Synode verabschiedete eine landeskirchliche Handreichung »Nähme ich Flügel der Morgenröte...«. Schnell vergriffen, liegt sie jetzt bereits in 2. Auflage vor. Ihr Ansatz ist ein seelsorgerlicher; und sie hat neben den Patienten auch deren Angehörige im Blickfeld. Bestellen im Landeskirchenamt München unter (089) 5595-481.

  Sonntagsblatt-THEMA: Alzheimer

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Ein Sonntagsblatt-THEMA-Heft beschäftigt sich auf 52 Farbseiten mit dem Thema Alzheimer. Hintergründe zu der Krankheit, Hilfen für Angehörige, persönliches Gedächtnistraining u.v.m.!  Nähere Informationen zu Sonntagsblatt-THEMA und Bestellung  hier.

Fragen: lt

 


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/news/aktuell/2006_38_01_02.htm
abgerufen 04.02.2012 - 06:23 Uhr

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