Schwieriges Gedenken
Die Person Karl Steinbauer hat viele Facetten
Von
Lutz Taubert
Gewiss war er ein sonderbarer Mensch, ein Querdenker, der Typ, den man, wenn man mit ihm nicht so recht umgehen kann, einen notorischen Querulanten nennt. Man kann auch Karl Steinbauer, wie es in der Einladung zu seinem Gedenkgottesdienst heißt ein »fränkisches Gewächs mit Ecken und Kanten« nennen. Doch wird man mit solchen ins Persönliche zielenden Charakterisierungen dem Mann und seiner kirchengeschichtlichen Rolle in der Nazizeit gerecht?
Denn die hat er, ein aufrechter Vertreter der Bekennenden Kirche in einer sogenannten »intakten Landeskirche«, mit der ganzen Originalität seiner Person innegehabt. Die anderen mögen in ihrer Hilflosigkeit über einen solchen biblisch fundierten Dickschädel nur den Kopf geschüttelt haben. Auch sagte man, dieser Mann »macht es sich selbst so schwer«. Doch auch wir haben es schwer mit ihm: Dieser Steinbauer schrieb wütende Briefe gegen den Nationalsozialismus mit Durchschlag an Hitler und Niemöller, aus dem KZ heraus meldete er sich mit Begeisterung zur Front, und vor allem: dieser Steinbauer fuhr, schon als junger Vikar, seinem Bischof über den Mund, dessen »Kirchendiplomatie« er als widerwärtig empfand und als Verrat am Evangelium sah.
Steinbauer war, wenn auch in völlig anderer biographischer und auch funktionaler Situation als sein Bischof, der Antipode zu Meiser. 2006, in dem Jahr, in dem die Landeskirche auch des 50. Todestages Meisers gedachte oder besser gesagt: sich mit einem angemessenen Gedenken oder auch Bedenken ihres ersten Bischofs quält, ist es deshalb spannend zu sehen, wie der bayerische Protestantismus mit Karl Steinbauer umgeht.
Der Gedenkgottesdienst ist verbunden mit einer kleinen Ausstellung, die derzeit in Bayern auf Wanderschaft ist und nun in der politischen Gemeinde Uttenreuth angekommen ist. Misslungen ist dagegen die Herausgabe eines Buches, in dem Pfarrer Thomas Öder den Nachlass Steinbauers novellenhaft und erzählerisch verarbeitet hat. Das Ziel dieser Publikation ist ehrenwert: Steinbauer in einer populären Weise einem breiten Publikum bekannt zu machen. Doch Steinbauers Tochter Elisabeth Giesen-Steinbauer sieht Urheberrechte verletzt, weswegen der Titel gesperrt ist. Auch ist ihr - inhaltlich - der Ansatz einer solchen Biographie zu trivial. So bleibt - drittens - der gewiss nicht trivial gemeinte »Dies academicus« der Erlangener Evangelischen Fakultät, der heuer (nämlich am 13. November) Karl Steinbauer gewidmet ist. | ZITAT
»Es geht heute nicht um einen innerkirchlichen Kampf, sondern um die Auseinandersetzung des Evangeliums mit der absolut gesetzten, weil von dem lebendigen Gott getrennten Weltanschauung des Nationalsozialismus und allem offenen und geheimen Wahnwitz, zu dem er sich bereits ausgewachsen hat. Es geht allerorts der blanke Wahnsinn um in den Parteiversammlungen, Schulungskursen, Kundgebungen mit ihrem wahnwitzigen Staats- und Führerkult.«
Karl Steinbauer in einem Brief vom 27. Januar 1936 an Reichskirchenminister Kerrl mit Kopien an Adolf Hitler, Bischof Meiser und Martin Niemöller
|
Kirche und Nationalsozialismus
|
Weitere Beiträge zum Thema »Kirche und Nationalsozialismus« finden Sie » hier.
Artikel unter anderem zu den Themen |
| |

|
 |