Bürgerentscheid über Meiserstraßen?
Professor Jasper weist Theologen-Kritik an seinem Gutachten zu Straßen-Umbenennung zurück
Der frühere Rektor der Universität Erlangen-Nürnberg, Professor Gotthard Jasper, hat die Theologen-Kritik an seinem Gutachten zu dem umstrittenen früheren Landesbischof Hans Meiser entschieden zurückgewiesen.
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 Die Schuld der Kirche den Juden gegenüber »konkret thematisiert«: Landesbischof Hans Meiser (Mitte).
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In einem »Offenen Brief« hatte der evangelische Kirchengeschichtler Professor Berndt Hamm (Erlangen) dem Jasper-Gutachten (wir berichteten) eine Beschönigung und Verharmlosung der Rolle Meisers vorgeworfen. Meiser dürfe nicht als »Kind seiner Zeit« entschuldigt werden, da er mit dem Gewicht seines Amtes die »verheerendsten Kräfte der deutschen Geschichte unterstützt« habe. Im Gegensatz zu Jasper hält der Theologieprofessor deshalb die Umbenennung der Nürnberger Meiser-Straße für gerechtfertigt.
In seiner Erklärung betont Jasper, dass die Haltlosigkeit der Vorwürfe Hamms »evident« sei. »Keinem Studienanfänger würde man solche Fehlinterpretationen durchgehen lassen.« Zitate seines Gutachtens seien aus dem Zusammenhang gerissen.
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 Landesbischof Hans Meiser (Detail).
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Meiser habe durch seine Unterschrift unter Erklärungen, in denen die Schuld der Kirche den Juden gegenüber »konkret thematisiert« wurde, gezeigt, dass er auch persönlich »andere Akzente zum Verhältnis zu Juden« gesetzt habe. Deshalb könne nicht von einem »unrevidierten Antisemitismus« Meisers nach 1945 gesprochen werden.
Die Stadtratsfraktion »Die Freien« hat inzwischen einen Bürgerentscheid in der Frage der Straßen-Umbenennung angeregt. Die Stadtrats-CSU hatte nach dem Jasper-Gutachten eine Umbenennung abgelehnt, die Fraktionen von SPD und Die Grünen sprachen sich hingegen für eine neue Namensgebung der Straße in der Nürnberger Innenstadt aus. Eine Entscheidung trifft der Stadtrat nach der Sommerpause. |