Gewalt bringt keinen Frieden
Landesbischof Johannes Friedrich: Warum jetzt der Einsatz einer internationalen Friedenstruppe in Nahost nötig ist
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sob
 Johannes Friedrich ist Landesbischof der bayerischen Kirche. Unter der Rubrik »Einblicke« schreibt er Beiträge aus persönlicher Sicht.
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WIE WEIT DARF ISRAEL noch gehen?« - so lautete vergangenen Sonntag das Thema bei Frau Christiansen, und so fragen viele Medien in diesen Tagen. Niemand fragt: »Wie weit darf die Hisbollah noch gehen?« Dabei wäre dies die richtige und angebrachte Frage. Denn für das Leid so vieler Zivilisten auf beiden Seiten der Nordgrenze Israels ist die Hisbollah verantwortlich.
Als jemand, der keine politische Verantwortung trägt, steht es mir nicht zu, Israel Ratschläge zu geben oder zu kritisieren. Ich verstehe, dass es ein Staat nicht akzeptieren kann, wenn er über Monate hinweg vom Nachbarland aus mit Raketen beschossen wird, die eindeutig Zivilisten treffen sollen. Ich verstehe, wenn ein Staat sich nicht länger auf internationale Garantien verlassen kann, wenn ein einstimmiger UN-Beschluss keinerlei Wirkung zeigt, der die libanesische Regierung aufforderte, die Hisbollah zu entwaffnen.
Ich verstehe allerdings auch, dass die libanesische Regierung nicht die militärische Kraft hatte und hat, mit Gewalt gegen die von Syrien und Iran schwer bewaffnete Hisbollah vorzugehen. Und ich verstehe, dass sich viele Menschen bei uns empört fragen: Ist es denn noch eine angemessene Reaktion auf die Entführung zweier Soldaten, wenn jetzt im Libanon so viele unschuldige Zivilisten leiden müssen?
ES IST IN DER TAT TRAGISCH, dass der Libanon, der sich eben in einem Zustand der demokratischen Konsolidierung zu befinden schien, nun offenbar wieder zurückgebombt wird in einen Zustand von vor 10 oder 20 Jahren. Und es ist tragisch, dass die Kosten dieser Auseinandersetzung auch im Libanon vor allem Zivilisten tragen.
Bevor wir aber danach fragen, »wie weit darf Israel noch gehen?« müssen wir feststellen: Es ist das klare Ziel der Hisbollah, Israel zu Vergeltungsschlägen zu provozieren, die Zivilisten treffen müssen. Deshalb haben sie ihre Raketenabschussrampen mitten in Wohngebiete aufgestellt, während Israel, wie alle demokratischen Staaten, seine militärischen Anlagen weit weg von der zivilen Bevölkerung aufgebaut hat. Während also die Hisbollah Raketen auf die israelische Bevölkerung richtet, obwohl dort keine militärischen Ziele vorhanden sind, ist es für Israel unmöglich, militärische Ziele der Hisbollah zu treffen, ohne zivile Opfer zu erzeugen.
ICH VERSTEHE ALSO das israelische Vorgehen. Und es fällt mir schwer, Israel Vorwürfe zu machen. Und wir Deutschen tun sehr gut daran, uns hier mit Vorwürfen zurückzuhalten. Ich frage mich allerdings: Bedenkt Israel genügend die psychologischen Folgen seines Vorgehens? Ist die Gefahr nicht sehr groß, dass zwar vielleicht die Hisbollah besiegt oder stark zurückgedrängt wird, aber viele libanesische Jugendliche sich durch die große Zahl der zivilen Opfer und der darauf aufbauenden islamistischen Propaganda radikalisiert werden und am Ende kein demokratisches, sondern ein islamistisches Libanon steht, in dem die dort lebenden Christen größte Schwierigkeiten haben werden - ähnlich wie wir es heutzutage im Irak beobachten können?
Und ich frage mich weiter: Wird bei allen Militärschlägen wirklich genügend darauf geachtet, die Zahl der zivilen Opfer so gering wie möglich zu halten, wie es Israel immer wieder von sich behauptet? Daran kann man bei der Bombardierung eines UN-Postens oder eines Krankenwagens oder eines Hauses mit mehr als 20 Kindern oder des Fluchtweges seine Zweifel haben. Und jeder getötete Mensch, egal welchen Alters, egal auf welcher Seite und egal, wer daran schuld ist, macht uns zutiefst betroffen und ist ein Opfer zu viel.
Keine Zweifel habe ich persönlich daran, dass die Hisbollah alles tut, um Israel in der Welt und in den Medien möglichst schlecht wegkommen zu lassen.
WIR SOLLTEN UNS DARUM nicht zu schnell auf das einlassen, was wir hören, sehen und lesen. Wir sollten vielmehr Gott darum bitten, dass er den verantwortlichen Politikerinnen und Politikern die Weisheit gibt, möglichst schnell zu Lösungen zu kommen, die die Waffen schweigen und dem Miteinander-reden-und-verhandeln den Vorzug geben lässt. Mit dem Ratsvorsitzenden der EKD meine ich, dass jetzt ein rasches und entschlossenes Eintreten der Weltgemeinschaft für die Beendigung der Kriegshandlungen erforderlich ist. Im Interesse der leidenden Bevölkerung sowohl in Israel als auch im Libanon müssen die Kriegsparteien die Kampfhandlungen unverzüglich einstellen. Alle Beteiligten sollten sich auf die Umsetzung des Vorschlags von UN-Generalsekretär Kofi Annan konzentrieren. Er sieht die Einrichtung einer Pufferzone und den Einsatz einer internationalen Friedenstruppe zur Stabilisierung der Region vor.
VIELLEICHT IST DAS gegenwärtig die einzige Möglichkeit, die Bedrohung Israels wie der Zivilbevölkerung auf beiden Seiten zu vermindern. Gott gebe allen Verantwortlichen die Einsicht, dass wirklicher Friede letztlich nie durch Gewalt, sondern nur durch Miteinander-reden zu erreichen ist. |
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