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Dieser Artikel: Ausgabe 31/2006 vom 30.07.2006
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Verletzend und beleidigend

Theologieprofessoren: Gutachten beschönigt Versagen von Landesbischof Meiser in der Nazizeit


Beschönigung und Verharmlosung der Rolle des bayerischen Landesbischofs Hans Meiser in der Nazi-Zeit werfen zwei evangelische Theologieprofessoren dem ehemaligen Rektor der Universität Erlangen-Nürnberg, Gotthard Jasper vor.

Vor der Demontage: Das Meiser-Schild an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau weist noch den Weg. Der Senat der Augustana hatte kürzlich den Namen Meiser-Haus für das Hauptgebäude der Hochschule zurückgezogen.
Foto: Winter
   Vor der Demontage: Das Meiser-Schild an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau weist noch den Weg. Der Senat der Augustana hatte kürzlich den Namen Meiser-Haus für das Hauptgebäude der Hochschule zurückgezogen.

Jasper hatte im Auftrag der Stadt Nürnberg und des evangelischen Dekanats ein Gutachten verfasst, in dem er die antisemitischen Verirrungen des Bischofs weitgehend aus den Zeitumständen erklärte und sich gegen eine Umbenennung der Nürnberger Bischof-Meiser-Straße aussprach. Über den Straßennamen entscheidet der Stadtrat nach der Sommerpause.

Meiser dürfe nicht als »Kind seiner Zeit« entschuldigt werden, hält der Erlanger Kirchengeschichtler Berndt Hamm dem Jasper-Gutachten in einem Offenen Brief entgegen. »Mit dem Gewicht seines Wortes und Amtes hat Meiser die verheerendsten Kräfte der deutschen Geschichte unterstützt, statt ihnen entgegenzuwirken.« Durch seinen Antisemitismus, die Bejahung des antidemokratischen Führerstaates, seine religiös verbrämte Kriegspropaganda und die Verdrängung der Schuldfrage nach 1945 sei Meiser »aktiver Mitgestalter dieser Verirrungen« gewesen. Hamm bezeichnet Meisers Denken als »eine Art Perversion der christlichen Verkündigung mit fatalen Konsequenzen«.

Wolfgang Stegemann, Professor an der evangelischen Augustana-Hochschule in Neuendettelsau, wirft Jasper vor, sein Gutachten sei »gefühllos gegenüber den Opfern«. Es müsse geprüft werden, ob sich der 1957 vergebene Straßenname mit der Menschenwürde der Opfer vereinbaren lasse. Bischof Meiser habe sich niemals von seinem Antisemitismus distanziert. Unbußfertigkeit und Selbstgerechtigkeit seien jedoch keine zu prämierenden Tugenden eines demokratischen Gemeinwesens, sagte Stegemann dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Anders als Jasper hält auch Hamm die Forderung nach einer Umbenennung der Nürnberger Bischof-Meiser-Straße für gerechtfertigt. Der Straßenname werde von den Nachfahren der Opfer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft als verletzend und beleidigend empfunden.rep

  Den offenen Brief Hamms können Sie hier als PDF-Dokument downloaden (61 KB).

  Das Meiser-Gutachten von Gotthard Jasper finden Sie hier als PDF-Dokument (257 kB) und hier als RTF-Dokument (172 kB). Klicken Sie zum Download mit der rechten Maustaste auf den Link und wählen Sie »Ziel speichern unter«.

 

Kirche und Nationalsozialismus

Kirche und Nationalsozialismus (Bild: Dietrich Bonhoeffer und »Reichsbischof« Ludwig Müller)

Weitere Beiträge zum Thema »Kirche und Nationalsozialismus« finden Sie » hier.

 

 

DOWNLOAD

  Den offenen Brief Hamms können Sie hier als PDF-Dokument downloaden (61 KB).

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rep

 


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abgerufen 08.02.2012 - 22:59 Uhr

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