Bischof-Meiser-Straße nicht umbenennen
Die Landeskirche schließt sich dem Gutachten Gotthard Jaspers über den ehemaligen Landesbischof an
Im Streit um die Haltung des evangelischen Landesbischofs Hans Meiser (1881-1956) in der NS-Zeit hat der frühere Rektor der Universität Erlangen-Nürnberg, Gotthard Jasper, ein Gutachten vorgelegt: Die Bischof-Meiser-Straße soll weiter so heißen.
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 Hans Meiser.
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Jasper spricht sich trotz Meisers antisemitischer Äußerungen gegen eine Umbenennung der Nürnberger Bischof-Meiser-Straße aus. Die Entscheidung trifft der Nürnberger Stadtrat nach der Sommerpause.
»Heute würde ich keine Straße mehr nach Meiser nennen«, sagte Jasper. Etwas anderes wäre es jedoch, die 1957 beschlossene Ehrung wieder rückgängig zu machen. Ein solches »Unwert-Urteil« habe Meiser nicht verdient, auch wenn er heute aus guten Gründen kritischer gesehen werde als vor 50 Jahren. »Meiser teilte und transportierte antisemitische Klischees, die er rassistisch modernisierte«, sagte Jasper über Meiser. Der Bischof habe dem völkischen Denken der Nazis nahe gestanden. Erst im Laufe der Jahre sei er kritischer geworden, ohne jedoch gegen die Ermordung der Juden und der Behinderten öffentlich zu protestieren. Zugleich habe Meiser seine Kirche intakt durch die Naziherrschaft geführt und damit vielen Menschen Trost und Halt geboten. Auf stillen Wegen habe er zudem getauften Juden geholfen.
Die evangelische Kirche in Nürnberg hat sich der Gutachter- Empfehlung angeschlossen. »Eine Umbenennung eines seit fast 50 Jahren bestehenden Straßennamens würde bedeuten, dass Hans Meiser in erheblichem Maße unwürdiger sein müsste als andere Persönlichkeiten«, sagte Stadtdekan Michael Bammessel. Aber auch für die Kirche gelte: »Heute würden wir Bischof Meiser nicht mehr für einen Straßennamen vorschlagen.« Landesbischof Johannes Friedrich schloss sich laut Auskunft seiner Pressesprecherin Susanne Hassen dem Nürnberger Kirchenvotum an.
Die Kirche werde jede Stadtratsentscheidung akzeptieren, versicherte Bammessel. »Die Seligkeit der evangelischen Kirche hängt nicht an einem Straßenschild.« Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) hielt sich sein Urteil offen. Das Jasper-Gutachten könne dem Stadtrat die Entscheidung nicht abnehmen. Nötig sei ein sensibler Umgang mit dem Thema. Maly: »Einen Kirchenkampf wollen wir in Nürnberg nicht führen.«
Augustana benennt Meiser-Haus um
Unterdessen hat der Senat der Augustana-Hochschule beschlossen, den Namen des bisherigen Meiserhauses zukünftig nicht mehr zu verwenden. Bis auf weiteres soll das Haus, zu dem auch die Bibliothek und die Mensa gehören, als Hauptgebäude bezeichnet werden. Als Grund benennt der Senat Meisers antisemitische Äußerungen von 1926. »Sie lassen es ? auch bei Würdigung der Verdienste dieses Bischofs ? nach ganz überwiegender Meinung des Senates nicht mehr zu, eine Wohn- und Studienstätte künftiger evangelischer Theologinnen und Theologen nach seinem Namen zu benennen«, heißt es.
Einen Zusammenhang mit dem Gutachten Jaspers sieht der Senat nicht, Grundlage des Beschlusses sei eine interne Forschungsarbeit über Meiser.
Es sei auch nicht beabsichtigt, sich damit in die öffentliche Diskussion um die Umbenennung der Meiser-Straßen einzuschalten. Dass der Senatsbeschluss mit dem Jasper-Gutachten zusammenfiel, sei Zufall, verlautet in einer Erklärung des Senats. Die Benennung einer Straße und eines Studierendenwohnheims seien nicht vergleichbar, heißt es.
Das Meiser-Gutachten finden Sie unter hier als PDF-Dokument (257 kB) und hier als RTF-Dokument (172 kB). Klicken Sie zum Download mit der rechten Maustaste auf den Link und wählen Sie »Ziel speichern unter«.
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