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Dieser Artikel: Ausgabe 28/2006 vom 09.07.2006
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Wer im Glashaus sitzt...

...zeigt Kreativität: Die Nürnberger Christuskirchengemeinde baut ihr Gemeindezentrum in die Kirche


Das neue Gemeindezentrum der Christuskirchengemeinde in Nürnberg-Steinbühl wird das ungewöhnlichste Gemeindehaus Bayerns sein: auf drei Seiten von Glaswänden umgeben und doch so dunkel, dass dort stetig Lampen brennen müssen. Denn das Haus steht, in Bayern bislang einzigartig, frei mitten in einer Kirche.

Vorläufig noch Modell: das neue Gemeindezentrum der Christuskirche, das in den bestehenden Kirchbau eingefügt wird. Pfarrerin Regina Geyer-Eck sieht's mit großer Spannung.
Foto: Fechter
   Vorläufig noch Modell: das neue Gemeindezentrum der Christuskirche, das in den bestehenden Kirchbau eingefügt wird. Pfarrerin Regina Geyer-Eck sieht's mit großer Spannung.

Die Bauarbeiten für das gewagte Projekt sind bereits im Gange, und das heißt vor allem, dass die Planung und die Finanzierung stehen. Ein Gemeindehaus und ein Jugendwohnheim hat die Gemeinde aus ihrem Immobilienbesitz verkauft, um nun mit dem Erlös eine Kernforderung kirchlicher Bauexperten geradezu mustergültig einzulösen: Die Konzentration der Arbeit in Gemeinderäumen und Pfarramt unter einem Dach. Doch die Steinbühler gehen noch weiter: Denn das eine Dach ist das Dach der Christuskirche. Der moderne und längst viel zu groß gewordene Bau kann damit erhalten werden. Symbolträchtig auch: Das Dach wurde vor zwei Jahren mit Dekanatsgeld komplett saniert.

Zwei Millionen an Kosten

Gute zwei Millionen Euro kostet das Vorhaben; wegen des Pilotcharakters gibt auch die Landeskirche ihr Scherflein dazu. Ein Gemeindezentrum in einer zu groß geratenen Kirche gibt es zwar auch schon seit 16 Jahren in der benachbarten Gustav-Adolf-Gedächtniskirche. Die innerkirchlichen Gemeinderäume sind dort allerdings eher eine erweiterte Empore und sparen das Pfarramt aus.

Für Steinbühl bedeutet die Glashaus-Idee den Wandel von einer »fast ausweglosen Situation« zu einem »zukunftsorientierten Konzept«, wie Sigrid Schubert formuliert, Vorsitzende des gemeindlichen Bauausschusses. Wenn - voraussichtlich - zu Weihnachten 2007 unter den bunten Glasfenstern wieder Gottesdienst gefeiert werden kann, wird sich von außen so gut wie nichts geändert haben. »Den Innenraum muss die Gemeinde wieder entdecken, denn er wird ganz anders sein«, sagt Pfarrerin Regina Geyer-Eck. Aus 1000 Sitzplätzen werden 400; die Hälfte des Innenraums wird durch ein dreistöckiges Gebäude ausgefüllt, das bis knapp unter die Kirchendecke reicht und ab dem ersten Stock fast nur aus Glaswänden besteht. Mit der kurios anmutenden Konsequenz übrigens, dass im ganzen Haus Bewegungsmelder fürs erste Licht sorgen - für Schalter ist an den Glaswänden schließlich ebenso wenig Platz wie für Schränke.

Ebenerdig ziehen Pfarramt und ein Kirchencafé ein, das tagsüber bewirtschaftet werden soll. Darüber finden Gemeinderäume und ein Saal für 130 Personen Platz. Vom Aufzug über Technik- und Sanitärräume bis zu einem Meditationszimmer mit Blick auf den Christus über dem Altar ist an alles gedacht.

Der verbleibende liturgische Kirchenraum muss sich anpassen: Die Orgel wandert von der Empore an die Altarseite, die Kanzel verschwindet, der Taufstein wird ins Foyer verbracht.

Die Christuskirche wandelt mit dem Umbau bereits zum zweiten Mal ihr Gesicht. Von der gewaltigen neugotischen Kirche, die 1894 als »Arbeiterkathedrale« eingeweiht wurde, steht seit dem Zweiten Weltkrieg nurmehr der Turm. Anstelle des total zerstörten Kirchenschiffs entstand 1957 ein schlichter Betonbau, der inzwischen allerdings auch schon wieder denkmalgeschützt ist. Der Lage in der stark industrialisierten Südstadt trug der Bodenbelag der Kirche Rechnung: Es sind Straßenpflastersteine, die den liturgischen Raum eng mit dem säkularen Umfeld verbinden.

Ihre bewegte Geschichte macht die Kirche in besonderer Weise zu einem »historischen Ort«, sagt die Pfarrerin - neben dem ausgeprägten Steinbühler Selbstbewusstsein ein wichtiger Grund, bei der Neusortierung der gemeindlichen Immobilien die Kirche zu erhalten.

Kirchen + Räume

 

Alle Folgen der Serie » Kirchen + Räume und weitere Informationen finden Sie » hier...

 

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Thomas Greif

 


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/news/aktuell/2006_28_10_01.htm
abgerufen 09.02.2012 - 00:11 Uhr

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