Sagen Sie mal, Maria Magdalena...
Interviews mit Personen der Bibel (172)
War Jesus nicht nur wahrer Mensch, sondern auch wahrer Mann? Ein gescheitertes Interview
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sob
 Maria Magdalena in der Pièta von Angelo Bronzino, um 1530, Florenz.
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Eine schöne letzte Ruhestätte haben Sie gefunden!
Maria: Sie kennen mein Grab?
Natürlich! Ich war gestern im Kino, darin wird es doch gezeigt! Direkt unter dem Louvre!
Maria: Oh, bitte nicht. Sie gehören also auch zu denen, die vom »Da Vinci-Code«-Virus befallen sind.
Virus? Das klingt so negativ! Ich finde es toll, dass durch diesen Film und das Buch so viele Menschen endlich etwas mehr über Sie erfahren, als in der Bibel steht!
Maria: Welche wahnsinnigen Neuigkeiten haben Sie denn erfahren über mich?
Dass Sie schwanger unter dem Kreuz standen und mit ansehen mussten, wie der Vater Ihres ungeborenen Kindes starb!
Maria: Wow. Hört sich wie eine Schlagzeile in einer Frauenzeitschrift an. Noch was?
Ja. Sie sind dann nach Frankreich gezogen und haben dort Ihr Kind bekommen - das Kind Jesu! Leider ein Halbwaise.
Maria: Na, klasse. Jetzt auch noch auf die Tränendrüsen drücken. Hört sich an wie eine Story aus einer Frauen-Tratsch-Zeitschrift.
Falsch. Eher aus einem theologischen Buch, das endlich mal nicht nur die Bibel, sondern auch alle anderen Berichte über das Leben Jesu auswertet. Jene Schriften, die immer unterdrückt wurden durch die übermächtige Kirche!
Maria: Tut mir Leid, was Sie sagen, ist mir vollkommen fremd. Ich finde, die Christen der ersten Jahrhunderte haben sehr weise gehandelt, als sie das Neue Testament zusammenstellten. Aus meiner Sicht ist da gar nichts Wichtiges rausgestrichen worden. Jesus und Gott sollten im Mittelpunkt stehen - und für diese Haupthandlung sind Menschen wie ich nur Nebendarsteller. Es geht ums Wesentliche: darum, dass sich in Jesus das Menschliche und das Göttliche in einzigartiger Weise getroffen haben!
Wollen Sie etwa dementieren, dass Sie und Jesus sich geliebt haben - so wie ein Mann und eine Frau sich lieben?
Maria: Werter Reporter - mein Privatleben geht Sie gar nichts an. Ich kann Ihnen versichern: Was in den Evangelien steht, sagt alles, was die Nachwelt wissen sollte. Jesus hat mich von bösen Geistern befreit. Diese Heilung hat mich so befreit und bis ans Lebensende glücklich gemacht, dass ich mich ihm und seinen Jüngern angeschlossen habe.
Dabei sind Sie ihm vermutlich als Frau sehr nahe gekommen. Wenn er nicht nur ganz Gott war, sondern auch ganz Mensch, war er auch »ganz Mann«.
Maria: Lassen Sie Ihren Fantasien ruhig freien Lauf. Jedoch muss ich Sie darauf hinweisen: Wo auch immer sie enden - es wird keine Auswirkung darauf haben, dass Jesus Gottes Sohn war. Was würde es an Ihrem Glauben oder dem der Milliarden Christen ändern, wenn wir nicht nur ein Herz und eine Seele, sondern auch ein Herz und ein Körper gewesen wären?
Vielleicht wäre dadurch Jesu Heiligenschein angekratzt.
Maria: Das würde mehr über Ihren Kleinglauben sagen als über Jesus. Ich habe ihn gesehen, vor dem leeren Grab, also kann ich bezeugen: Wahrlich, er war Gottes Sohn. Zu allem anderen: Kein Kommentar.
Wie ging es Ihnen denn als allein erziehende Mutter? Haben Sie Ihrem Kind vom Vater erzählt?
Maria: Sie sind leider zu ungeschickt, um aus mir etwas über mein Privatleben herauszubekommen. Auf Wiedersehen. | Eine » Übersicht aller Interviews mit Personen der Bibel finden Sie » hier...
ZUR PERSON
MARIA MAGDALENA: Maria aus Magdala gehörte zu den Frauen, die durch Jesus »von bösen Geistern und Krankheiten« geheilt wurden. Sie schloss sich den Nachfolgern Jesu an, war Zeugin seiner Kreuzigung und Grablegung. Der Evangelist Johannes berichtet, Maria Magdalena sei der erste Mensch gewesen, dem der Auferstandene erschienen ist. Außerbiblische Überlieferungen schildern sie als Jesu bevorzugte »Gefährtin«. Über ihr weiteres Schicksal gibt es keinerlei Hinweise. Eine moderne Legende besagt, Maria sei nach dem Osterereignis nach Frankreich gereist und habe dort ein Kind bekommen.
QUELLEN: Lukas 8,1-3; Matthäus 27,55-28,15; Johannes 20,11-18. (Nachschlagen bei » bibel-online.net: Lukas 8, Matthäus 27,55, Johannes 20,11)
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