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Dieser Artikel: Ausgabe 22/2006 vom 28.05.2006
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Evangelisch in Jerusalem

Der neue Propst Uwe Gräbe tritt sein Amt in einer schwierigen Phase des Nahost-Konflikts an


Am Sonntag Kantate wurde Uwe Gräbe als neuer evangelisch-lutherischer Propst in Jerusalem in sein Amt eingeführt. Gräbe, zuletzt Pfarrer in Edewecht bei Oldenburg, übernimmt die Nachfolge des württembergischen Theologen Martin Reyer.

»Die Sprachlosigkeit überwinden«: Propst Uwe Gräbe.
Foto: epd-bild
   »Die Sprachlosigkeit überwinden«: Propst Uwe Gräbe.

Israels Atomspion Mordechai Vanunu, der zum Christentum konvertiert ist und bei seiner Freilassung vor zwei Jahren für weltweites Aufsehen sorgte, bekennt sich jetzt zur lutherischen Gemeinde in der Jerusalemer Altstadt. Als eher ungebetener Gast sorgte er am Rande der Amtseinführung des neuen Propstes für Aufregung unter den deutschen Kirchenvertretern, vielleicht deshalb, weil er trotz höchstrichterlichen Verbots keine Scheu zeigte, sich mit ausländischen Journalisten zu unterhalten und fotografieren zu lassen.

Ansonsten war im Gegensatz zu früheren Amtseinführungen des deutschen Propstes wenig Prominenz zugegen, es waren auch keine ranghohen Vertreter anderer Kirchen erschienen. Offensichtlich sieht man in der äußerst standesbewussten ökumenischen Gemeinschaft der heiligen Stadt den Vertreter der EKD im Heiligen Land dem palästinensischen Bischof untergeordnet.

Diese Sichtweise hat die EKD unterdessen in einer Presseerklärung als falsch bezeichnet. Seit einigen Jahren gebe es einen intensiven Dialog darüber, wie die traditionell engen Beziehungen zwischen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land und der EKD bzw. der Evangelischen Jerusalemstiftung vertraglich geregelt werden. Gräbe betonte gegenüber dem Sonntagsblatt, zwischen den lutherischen Kirchenvertretern in Jerusalem gebe es keine Über- oder Unterordnung.

Der neue Jerusalemer Propst verfügt über solide Erfahrung in Nahost. Im Rahmen seines Studiums der Theologie und Judaistik nahm er am »Studium in Israel« 1988/89 teil. Nach mehreren Studienaufenthalten am Al Liqa'-Zentrum in Bethlehem zwischen 1995 und 1998 promovierte er über Strömungen palästinensischer Theologie. Zuletzt war er auch Mitglied der EKD-Synode.

Er sieht nun seine vorrangige Aufgabe darin, die evangelische Präsenz im Heiligen Land stärker zu vernetzen. Neben der Kaiserin-Auguste-Victoria-Stiftung mit der Himmelfahrtkirche, dem Krankenhaus und der Pilgerseelsorge auf dem Ölberg gehören dazu die Evangelische Jerusalemstiftung mit der Erlöserkirche und dem Hospiz in der Altstadt sowie das Deutsche Evangelische Institut für Archäologie in Jerusalem und dessen Filiale in Amman. »Evangelisch in Jerusalem« umschreibt Gräbe den Arbeitstitel für dieses Vorhaben zur Bündelung der evangelischen Aktivitäten.

Daneben sieht er im Ausbau der Beziehungen zu den israelischen Partnern sowie zu den griechischen, armenischen, römisch-katholischen, anglikanischen Kirchen und der lutherischen einheimischen Schwesterkirche eine vorrangige Herausforderung.

Nach der Regierungsbildung in Israel und in den palästinischen Autonomiegebieten erhofft sich der EKD-Auslandspfarrer zudem eine »Überwindung der derzeitigen Sprachlosigkeit« auf palästinensischer Seite sowie einen Verzicht auf einseitiges israelisches Vorgehen. Nur so seien auf mittlere Sicht Fortschritte in der aktuell schwierigen Phase des Nahost-Konflikts zu erreichen.

Uwe Gräbe ist verheiratet mit Nilar-Cynthia, geborene Maw, die aus Burma stammt, und hat einen fünfjährigen Sohn namens Jonathan. Der neue Propst entspannt sich nach eigener Aussage am besten »bei einem guten Glas Rotwein und einem ebenso guten Science-Fiction«.

PROPST IN JERUSALEM

  DIE WURZELN DER PROPSTEI in Jerusalem gehen auf das Jahr 1841 zurück, als unter Schirmherrschaft des preußischen Königs und der Königin von England ein gemeinsames Bistum gegründet wurde, das sich aber im Jahr 1889 in einen englischen und einen deutschen Zweig aufspaltete. Seit 1898 führt der Pfarrer aus Deutschland den Titel »Propst«.

  DIE DEUTSCHSPRACHIGE ERLÖSERGEMEINDE, die als wichtige Adresse für Pilger und Touristen gilt, zählt mehr als 200 Mitglieder, darunter Diplomaten und Vertreter deutscher Firmen sowie im Heiligen Land dauerhaft lebende Deutsche.

 

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Johannes Gerloff/sob

 


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abgerufen 08.02.2012 - 23:33 Uhr

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