Appell ans Kulturbewusstsein
Stiftungen und Spendenfonds helfen beim Bauunterhalt gefährdeter Kirchbauten
Wenn das Geld knapp wird, gibt es zwei Wege: die Ausgaben reduzieren oder die Einnahmen erhöhen. Weil die Kirche die kostbarsten ihrer Immobilien nicht einfach schließen oder verkaufen kann, bleibt für die allermeisten Kirchengebäude nur die Möglichkeit zwei.
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Schulze
 Bundesweit tätig ist die Stiftung »KiBa« der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Das operative Geschäft bestreiten Stiftungsbüroleiter Martin Ammon (links) und Referent Uwe Koß.
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Im mecklenburgischen Barkow ereignete sich vor zwei Jahren so etwas wie der Super-GAU des kirchlichen Bauunterhalts. Die spätmittelalterliche Dorfkirche, ein schlichter Bau aus Feldsteinen und Ziegelfachwerk, stürzte in einer Frühlingsnacht ein.
Das Unglück hat bundesweiten traurigen Symbolcharakter. Denn die Probleme, die in Barkow zugespitzt herrschen, gibt es in der ganzen Republik: sanierungsbedürftige, oft verfallende Kirchen und finanzschwache Gemeinden. Was es aber daneben auch gibt, ist ein verschärftes Bewusstsein, welche Bedeutung Kirchen weit über ihre Rolle als Gottesdienstraum für die europäische Kultur haben. »Wo die Kirche stirbt, stirbt auch das Dorf,« sagt Uwe Koss, bayerischer Pfarrer und Referent der EKD-Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (»KiBa«). Positiv gesagt: Wo alte Dorfkirchen aus Ruinen erstehen, blühen Gemeinwesen auf - eine Erfahrung, die Koss und sein Kollege Martin Ammon, Büroleiter der Stiftung, landauf, landab machen.
Seit 1999 hat die KiBa-Stiftung bundesweit über 200 evangelische Kirchbausanierungen mit rund 3,6 Millionen Euro gefördert. Und die Stiftung wächst rasant: Die für das laufende Jahr beschlossenen Fördersummen liegen bereits gut zehn Prozent über denen von 2005. Noch immer fließt das meiste Geld in den Osten, vor allem nach Mecklenburg, wo aufgrund der historisch gewachsenen Siedlungsstrukturen häufig eine Dorfkirche auf wenige Familien kommt. Die KiBa-Leute hatten mit einem mecklenburgischen Pfarrer zu tun, der für nicht weniger als 18 alte Dorfkirchen Verantwortung trug. Nach Bayern fließen bisher wenig KiBa-Mittel - nach der Augsburger Ulrichskirche bekommt nun zum Beispiel auch St. Jakob in Rothenburg Fördergeld aus Hannover, wo die Stiftung ihren Sitz hat (Kontakt: KiBa-Stiftung, Herrenhäuser Str. 12, 30419 Hannover, Tel. (0511) 2796333, Internet: www.stiftung-kiba.de).
Blühende Stiftungslandschaft
Dafür blühen im evangelischen Stiftungsgarten des Freistaates seit Jahren die Eigengewächse. Aus 22 evangelischen Stiftungen, die kirchlicher Aufsicht unterliegen, im Jahr 1997 sind heute - auch dank der landeskirchlichen Initiative »Stiften gehen« - 133 geworden, Tendenz steigend. Ein gutes Viertel von ihnen, schätzt Cornelia Kammerbauer, Stiftungsreferentin in der Ansbacher Landeskirchenstelle, hat den Bau und Unterhalt kirchlicher Gebäude eigens als Stiftungszweck formuliert.
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 »Wahrzeichen bewahren!« fordern in Nürnberg Baudekan Detlev Bierbaum (links) und Stadtdekan Michael Bammessel vor der Sebalduskirche.
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Das kann reichen von einer Privatstiftung zugunsten einer Dorfkirche, die ausdrücklich auch Kirchensanierungen anderswo in Deutschland bedenkt, bis zum Erhalt der Bausubstanz eines Gemeindehauses mit großer Ausstrahlung in die Stadtgesellschaft wie im Falle des Coburger Hauses »Contakt«. »Stiftungen sind die beste Plattform, um langfristig Geld anzureichern«, sagt Kammerbauer.
In Wald bei Gunzenhausen etwa legte die Gemeinde einen Teilerlös aus dem Verkauf eines Kochbuches in der neu gegründeten »Hermann-von-Bezzel-Stiftung« an. Sie sorgt nach der Stiftungssatzung »insbesondere für den Unterhalt der Gebäude der Kirchengemeinde« und war eine Trumpfkarte in der Frage, ob Wald auch nach der Pfarrstellenreform des Dekanates Sitz eines Pfarramtes bleibt. In Weißenburg will die Andreasgemeinde nach abgeschlossener Kirchensanierung sich nicht zufrieden zurücklehnen, sondern an die Gründung einer Stiftung gehen, um künftig anstehende Baumaßnahmen langfristig abzufedern. Informationen über Stiftungen in der Evang.-Luth. Landeskirchenstelle Ansbach, Bischof-Meiser-Str. 16, 91522 Ansbach, Tel. (0981) 969910.
Einen organisatorisch und räumlich ganz anderen Ansatz verfolgt die Aktion »Wahrzeichen bewahren« des Dekanates Nürnberg. »Das Thema Kirchenerhalt muss als gemeinsame Aufgabe von Kirche und Zivilgesellschaft noch stärker ins Bewusstsein kommen«, sagt Dekan Michael Bammessel. Wer sich von den großflächigen »Wahrzeichen bewahren«-Plakaten angesprochen fühlt, die seit zwei Jahren wechselseitig die Baugerüste an evangelischen Kirchen in der Stadt zieren, spendet vielleicht am Ende auf ein ganz anderes Kirchbaukonto. Dem Dekan soll's egal sein.
200 000 Euro Ausschüttung
Gut 200000 Euro hat die Aktion, die ausdrücklich nicht als Stiftung organisiert ist, bislang an barer Münze erbracht, unter anderem durch gezielte Aufrufe bei der Kirchgelderhebung. Zuschüsse aus dem »Wahrzeichen bewahren«-Topf sollen ausdrücklich vor allem jene Gemeinden außerhalb der Innenstadt bekommen, die sich mit Fundraising ansonsten besonders schwer tun. Profitiert haben so unter anderem die Emmauskirche in der Gartenstadt mit ihrem charakteristischen Dachreiter, die moderne Auferstehungskirche in Fischbach oder zuletzt die Matthäuskirche in der Vorortgemeinde Heroldsberg (Wahrzeichen bewahren, Burgstr. 6, 90403 Nürnberg, Tel. (0911) 2142140, Internet www.wahrzeichen-bewahren.de).
Ein bundesweites Pendant hat die Nürnberger Aktion auch - es heißt »Rettet unsere Kirchen« und wird getragen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Koblenzer Straße 75, 53177 Bonn, Tel. (0228) 957380, Internet: www.rettet-unsere-kirchen.de.
Übrigens: In Barkow hat sich inzwischen ein eigens gegründeter Förderverein den Wiederaufbau der eingestürzten Dorfkirche zur Aufgabe gemacht. Ende März wurde der neue Dachstuhl der Kirche mit Ziegeln gedeckt. Es ist eben nie zu spät. |
Alle Folgen der Serie » Kirchen + Räume und weitere Informationen finden Sie » hier...
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