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Dieser Artikel: Ausgabe 20/2006 vom 14.05.2006
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Auswege aus der Immobilienfalle

Das erste »Laborprojekt« zum Immobilienmanagement ist abgeschlossen


Im Dekanat Nürnberg ist das erste von sechs landeskirchlichen »Laborprojekten« zum modernen Immobilienmanagement abgeschlossen worden.

Kirchliches Immobilienmanagement im Nürnberger Norden: Um ihr Pfarrhaus grundlegend sanieren zu können, hat sich die Kirchengemeinde St. Matthäus von einem anderen Gebäude bereits getrennt...
Foto: Fechter
   Kirchliches Immobilienmanagement im Nürnberger Norden: Um ihr Pfarrhaus grundlegend sanieren zu können, hat sich die Kirchengemeinde St. Matthäus von einem anderen Gebäude bereits getrennt...

Im Dekanat Nürnberg ist das erste von sechs landeskirchlichen »Laborprojekten« zum modernen Immobilienmanagement abgeschlossen worden. Die zwölf beteiligten Projekt-Gemeinden hätten nunmehr eine verlässliche Basis für ihre Entscheidungen, welche Gebäude gehalten und welche aufgegeben werden müssten, sagte der für Immobilienfragen zuständige Dekan Detlev Bierbaum bei der Präsentation des Systems.

In Kooperation mit dem Facility-Management-Unternehmen impleaPlus, einer Tochter des Energieversorgers N-ERGIE, wurden Daten von 75 der 350 Nürnberger Kirchen, Gemeindehäuser, Diakoniestationen, Kindergärten und Pfarrhäuser digital erfasst, mit Daten der Gemeindeentwicklung zusammengeführt und den Kirchenvorständen über das Internet zur Verfügung gestellt.

Für jedes einzelne Gebäude wurden Lagepläne und Grundrisse eingescannt, Verbrauchsdaten erfasst, Bauschäden ermittelt und Modernisierungsvorschläge gemacht. Implea-Plus-Geschäftsführer Thomas Fösel sprach von einem »Laborprojekt mit bundesweitem Modellcharakter«.

Die Gnadenkirche in Nürnberg-Schafhof besitzt für die Stadtkirche geringe Priorität - dafür hat sich dort inzwischen ein eigener Förderverein gebildet.
Foto: Fechter
   Die Gnadenkirche in Nürnberg-Schafhof besitzt für die Stadtkirche geringe Priorität - dafür hat sich dort inzwischen ein eigener Förderverein gebildet.

»Die Daten haben ergeben, dass die Herausforderung teilweise dramatisch ist«, sagte Stadtdekan Michael Bammessel. Allein in einer einzigen Gemeinde sei ein Modernisierungsbedarf von 1,9 Millionen Euro ermittelt worden. »Es ist klar, dass die das nicht schaffen können.«

Das Dekanat Nürnberg müsse schon seit Jahren in seine Baurücklage greifen, in weiteren drei Jahren sei sie erschöpft, sagte Bammessel. Wenn Gemeinden mit besonders sanierungsbedürftigem Immobilienbestand bis dahin keine Lösungen fänden, drohten maroden Gebäuden großräumige Absperrungen. Bammessel appellierte an die Gemeinden, bei denen die Entscheidungshoheit liegt, sich des Ernstes der Lage bewusst zu sein. »Mit Augen zu und durch geht es nicht«, sagte er.

Der Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche stellte klar, dass die sehr eingeschränkten Zuschüsse der Landeskirche für Instandsetzungsmaßnahmen nur dann erhöht werden könnten, wenn es außerplanmäßige Einnahmen gebe. Er forderte die Kirchenvorsteher auf, angesichts der schwierigen Finanzsituation nicht in Panik zu verfallen. Es gehe nicht um Kirchenschließungen, sondern um die zukunftsweisende Neuordnung des Gebäudebestandes.

Wirtschaftliche Gesichtspunkte dürften nicht allein ausschlaggebend sein, unterstrich Baudekan Bierbaum. »Es gibt Kirchen in extrem schlechtem Zustand, die aber enorm identitätsstiftend sind.« Generelle Lösungen gebe es nicht, jede Gemeinde müsse mit Hilfe des Managementsystems ihren eigenen Weg bestimmen.

Kirchen + Räume

 

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KOMMENTAR

Eine Zahl verdeutlicht die Dramatik, die in dem trockenen Immobilien-Thema steckt: Eine einzige, eher typische Nürnberger Gemeinde steht vor Sanierungskosten von 1,9 Millionen Euro in den nächsten Jahren. Was bleibt da noch an Spielräumen für irgendetwas anderes? Wenn die Kirche nicht schleunigst energisch gegensteuert, droht sie unter der Last ihrer Immobilien zu ersticken.

Von dieser Erkenntnis sind die »Laborprojekte« geleitet, aus denen möglichst schnell Empfehlungen für alle kirchlichen Haus- und Grundbesitzer gegossen werden müssen. Die Uhr für manches Pfarr- oder Gemeindehaus, für manche Kirche tickt. Die Nürnberger haben's erkannt, vielleicht noch rechtzeitig.

Was in deren Expertise nun wirklich drinsteht, haben die Macher übrigens leider nicht verraten. Konkrete Kosten, konkrete Gebäude, konkrete Vorschläge, konkrete Beispiele - Fehlanzeige. Selbst die Kosten des Gutachtens bleiben ein Geheimnis. Dabei gilt doch (wie fast immer): Transparenz hat noch niemals geschadet. (Thomas Greif)

 

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Peter Reindl

 


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abgerufen 08.02.2012 - 23:54 Uhr

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