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Dieser Artikel: Ausgabe 08/2006 vom 19.02.2006
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Ein Kind als »Sinndeutungsmaschine«

Berlinale: Kirchlicher Filmpreis für belgische Brüder Dardenne


Die belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne sind für ihren Film »L'Enfant« bei der Berlinale mit dem Templeton-Filmpreis ausgezeichnet worden.

»L´Enfant«: Durch ein Kind und die von ihm geliebte Frau (Déborah Françoise) erfährt der junge Kleinkriminelle Bruno (Jérémie Renier), was es heißt Verantwortung zu übernehmen.
Foto: Kinowelt
   »L´Enfant«: Durch ein Kind und die von ihm geliebte Frau (Déborah Françoise) erfährt der junge Kleinkriminelle Bruno (Jérémie Renier), was es heißt Verantwortung zu übernehmen.

Die beiden Regisseure nahmen die Auszeichnung am vergangenen Wochenende in Berlin bei einem Gottesdienst in der französischen Friedrichstadtkirche in Empfang. Der mit 10000 Euro dotierte Preis der US-amerikanischen John-Templeton-Foundation wird seit 1997 jährlich von der internationalen kirchlichen Film­organisation Interfilm und der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) für hervorragende europäische Filme vergeben.

»L'Enfant« erzählt die Geschichte von Bruno, 20 Jahre alt, und Sonja, 18. Die beiden haben ein Kind in die Welt gesetzt, dem sie den Namen »Jimmy« gegeben haben. Während Sonja (Déborah François) von der Sozialhilfe lebt, verdient Bruno (Jérémie Renier) sein Geld als Anführer einer Bande jugendlicher Diebe. Sonja und Bruno leben ihre leidenschaftliche Liebe in animalischer und gleichzeitig kindlicher Intensität.

Doch mit ihrem kleinen Glück und Brunos Verdrängungskünsten ist es vorbei, als der Kleinkriminelle auch den kleinen Jimmy gegen Bares eintauschen will und gegen den Willen der Mutter mit anonymen Mittelsmännern ein illegales Adoptionsgeschäft einfädelt. Eine Tat, die Sonja ihrem Liebsten nicht verzeihen kann. Das Drama nimmt seinen Lauf, als Bruno verzweifelt versucht, sein Handeln rückgängig zu machen, um Sonja nicht zu verlieren.

Zweite Goldene Palme in Cannes für die Gebrüder Dardenne: Filmplakat von »L´Enfant«.
Foto: Kinowelt
   Zweite Goldene Palme in Cannes für die Gebrüder Dardenne: Filmplakat von »L´Enfant«.

In seiner Ansprache hob der ehemalige Filmbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Hans Werner Dannowski, die existenzielle Dimen­sion des Films hervor, in dem es um das Erlernen personaler Verantwortung und um die Veränderung von Menschen in der Begegnung mit anderen gehe.

Beim anschließenden Empfang der EKD begrüßte der Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann (CDU), das Engagement der Kirche im Filmbereich durch Auszeichnungen, Veranstaltungen, Mitarbeit in Gremien und durch Publikationen. »Es ist nicht selbstverständlich, dass sich die Kirche mit diesen Dingen beschäftigt, und es ist wirklich segensreich«, sagte Neumann.

Die neu berufene Kulturbeauftragte der EKD, Petra Bahr, sagte, der bei den Filmfestspielen von Cannes 2005 mit der »Goldenen Palme« ausgezeichnete Film habe sich zu einer mächtigen »Sinndeutungsmaschine« entwickelt, die unsere Vorstellung von der Welt präge. »Diese Maschine tankt auch aus dem Bilderreservoir des Christentums.« Im Film entfalteten sich aber nicht nur Heilsgeschichten, er gebe immer wieder auch Anstöße für Debatten um das historische und kulturelle Selbstverständnis.epd/ms

   Internet:  www.enfant-derfilm.de

epd/ms

 


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/news/aktuell/2006_08_26_01.htm
abgerufen 08.02.2012 - 22:51 Uhr

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