Home Artikel-ID: 2006_08_19_01
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Das Sonntagsblatt-Blog
Anzeigen-Service
Leserreisen
Zeitvertreib
Leserbriefe
Impressum

    
Heute: 11.03.2010
Aktuelle Ausgabe: 10 vom 07.03.2010
Dieser Artikel: Ausgabe 08/2006 vom 19.02.2006
Alle Artikel der » Ausgabe 08/2006 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


Sagen Sie mal, Ahab...

Interviews mit Personen der Bibel (158)


Der König Israels denkt über seine Ehe mit der phönizischen Prinzessin Isebel nach

König Ahab mit dem Propheten Elia, um 1875, Maler unbekannt.
Foto: pa
   König Ahab mit dem Propheten Elia, um 1875, Maler unbekannt.

  ...Ihr Beispiel einer religionsverschiedenen Ehe schreckt viele Menschen ab. Steht eine unterschiedliche Religionszugehörigkeit dem Eheglück im Wege?

Ahab: Bei meiner Gattin Isebel und mir war es so. Ob man diese Erfahrung jedoch pauschalisieren sollte? Ich meine, nicht.

  Immerhin steht Ihre wenig rühmliche Ehegeschichte in der Bibel, und dann auch noch ziemlich am Anfang. Vielleicht wollte Gott damit lehren, dass sich nur Paare gleichen Glaubens das Ja-Wort geben sollten?

Ahab: Ich hätte eine andere Erklärung, die nicht minder einleuchtend ist: Vielleicht wollte Gott Paaren in ähnlicher Konstellation ein abschreckendes Beispiel geben, vielleicht wollte er sie lehren: »Wenn ihr schon unterschiedlichen Religionen angehört, dann fangt gefälligst keinen Religionskrieg an, sondern sucht das Gemeinsame, Verbindende!«

  Das kann es aber doch nicht geben, wenn ein Ehepartner den Götzen Baal anbetet, der andere den wahren und einzigen Gott!

Ahab: Auch das hätte funktionieren können, glauben Sie mir!

  Ich bitte Sie! Ihr Glaube an den Gott der Väter hat den Baal verabscheut. Und die Baalspropheten Ihrer Gattin haben lautstark Gott gelästert!

Ahab: Ich gebe zu, eine schwierige Kombination. Dennoch. Dass es bei Isebel und mir so gekracht hat, lag weniger am Glauben als an dem fehlenden Fundament unserer Ehe. Nicht aus Liebe, sondern aus taktischen Gründen hatten wir zueinander gefunden. Sie war immerhin die Tochter des phönizischen Königs. Diese Eheschließung war keine Liebesheirat, sondern sicherte meinem Land den Frieden. Trotzdem kann ich nicht verhehlen: Isebel war eine bildhübsche Frau. Ein bisschen verliebt war ich schon in sie.

  Das Prinzesschen entpuppte sich aber bald als Xanthippe und Intrigantin.

Ahab: Leider. Isebel hat ihren Status als »First Lady« allzu wörtlich genommen. Ihr genügte es nicht, hübsch zu repräsentieren. Sie wollte Macht.

  Isebel erhob sich zur Herrscherin über Leben und Tod vieler Menschen. In der vergangenen Woche sprachen wir mit Nabot.

Ahab: Oh mein Gott. Der arme Weinbauer, der seinen Weinberg nicht rausrücken wollte... Die Geschichte geht mir nicht aus dem Sinn.

  An Ihrer blassen Gesichtsfarbe erkenne ich, dass Ihnen die Erinnerung gar nicht gut tut.

Ahab: So ist es. Ein ganz, ganz dunkles Kapitel meines Lebens. Obwohl ich eigentlich unschuldig bin an Nabots Tod, fühle ich mich verantwortlich. Isebel hatte dermaßen gegen ihn aufgestachelt, dass das Volk ihn schließlich zu Tode steinigte. Zwar ahnte ich, dass etwas nicht stimmte. Doch zum Einschreiten fehlte mir der Mumm.

  Das klingt nicht nach einer vertrauensvollen Ehe.

Ahab: Sie immer mit Ihren romantischen Ehevorstellungen. Unsere Ehe glich eher einem Bündnis als einer harmonischen Idylle, wie sie Ihnen offensichtlich im Kopf herumschwirrt. Auch Isebel spielte mit solchen Vorstellungen. Perfekt konnte sie das. »Stell dir vor, Ahab-Schatz«, säuselte sie mir ins Ohr, »wir sitzen abends gemeinsam auf dem Weinberg, halten uns fest in den Armen und schauen die Sterne an!« Hätten Sie sich gegen solche Vorstellung wehren können?

  Ich weiß nicht...

Ahab: Sehen Sie. Dass Isebel diese Romantik mit dem Tod des Weinbergbesitzers erkaufte, hätte ich nicht gedacht.

  »Du sollst nicht töten« stand in Ihrem Gesetz.

Ahab: Aber nicht in Isebels!

  Noch ein Grund gegen religionsverschiedene Ehen.

Ahab: Nein, nein, nein! Das war unsere ganz spezielle und einmalige Geschichte. Ich bin mir sicher: Im Kleinen wie im Großen können die Religionen auch ohne Lug und Trug, Mord und Totschlag miteinander leben!

Eine » Übersicht aller Interviews mit Personen der Bibel finden Sie » hier...

 

ZUR PERSON

Unter König AHAB (hebr. »Bruder des Vaters«, Regierungszeit 874-853 v. Chr.) erlangte das Nordreich Israel Macht und Ansehen. Dem politischen Erfolg Ahabs stand dessen religiöse Uneindeutigkeit gegenüber. Kritisiert wurde er vor allem wegen der Ehe mit der Baals-Gläubigen phönizischen Prinzessin Isebel. Folge sind erbitterte Kämpfe zwischen den Propheten Jahwes und Baals. Auch sorgt Isebel mit Intrigen dafür, dass der Weinbauer Nabot getötet wird und dessen Weinberg in Ahabs Besitz gelangt. Zur Strafe für ihr Verhalten sterben Ahab und Isebel einen schmachvollen Tod.

QUELLE: Quelle: 1. Könige 21-22 (Nachschlagen bei  » bibel-online.net:  1. Könige 21-22

 

@ Haben Sie Fragen an Menschen aus der Bibel? Stellen Sie sie ins Internet unter:  www.sagen-sie-mal.de

Interview: Uwe Birnstein

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2006_08_19_01.htm
abgerufen 11.03.2010 - 21:22 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2010, ImpressumWebmaster
Angebote für Webmaster