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Dieser Artikel: Ausgabe 08/2006 vom 19.02.2006
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Der Neuanfang nach der Geburt

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Wenn ein Kind unmittelbar nach der Geburt nicht bei seiner Mutter sein konnte, weil es medizinisch behandelt werden musste - ist dann eine Beeinträchtigung der Mutter-Kind-Beziehung zu befürchten?

Meine Tochter hat vor drei Wochen ihr erstes Kind bekommen. Die Kleine ist gleich nach der Geburt in die Kinderklinik gebracht worden, weil sie Probleme mit der Atmung hatte. Mittlerweile geht es ihr gut, sie ist zu Hause. Nun macht sich meine Tochter furchtbar Vorwürfe, dass sie nicht ganz von Anfang an bei ihrem Kind war. Sie hat Angst, dass es ihr nicht gelingt, ein gutes Verhältnis zu ihrer Tochter aufzubauen.

Frau D.

Ja, das gab es einmal: die Auffassung, dass die Beziehung zwischen Mutter und Kind entscheidend geprägt wird vom allerersten Kontakt, von der allerersten gemeinsamen Stunde. Und Tausende von Müttern, die keine Chance für diesen innigen ersten Kontakt unmittelbar nach der Geburt hatten, haben sich später deswegen Gedanken gemacht, Schuldgefühle bekommen und befürchtet, keine gute Mutter sein zu können.

Gott sei Dank sind die Fachleute von dieser These wieder abgerückt und haben verstanden, dass es nicht um die eine »erste Stunde«, sondern um die vielen »ersten Stunden« geht, die Mutter und Kind miteinander verbringen. Alles ist neu, wunderbar und ängstigend zugleich. Alles braucht Zeit und Aufmerksamkeit. Ihre Tochter und Ihre Enkelin sind gerade mittendrin in diesen ersten Stunden. Bindung und Beziehung geschehen dabei unablässig zwischen Mutter und Kind. Es braucht viel Zeit, um diese wichtigen Erfahrungen miteinander zu machen.

Deshalb werden Mütter und Kinder in anderen Kulturen in den Wochen nach der Geburt besonders verwöhnt und geschont. Bei uns ist das oft anders. Da erwartet man - und vor allem erwarten das viele Mütter ganz selbstverständlich von sich selbst - dass sie, wenn sie wieder zu Hause sind, funktionieren, als wäre alles wie immer. Überforderung und Erschöpfung sind dann vorprogrammiert.

Es ist ja auch nichts mehr »wie immer«. Und es wird auch nie wieder so sein. Ein kleiner Mensch ist dazugekommen und verändert alles, was bisher gut eingespielt und selbstverständlich war.

Gemeinsam mit ihm müssen die Erwachsenen neu entdecken, was jetzt nötig und wichtig ist. Die Mutter wird, so gesehen, für kurze Zeit selber wieder ein Kind, fragend, manchmal ängstlich - und doch herausgefordert, Neues zu entdecken, erste Schritte auf neuem Terrain zu wagen. Dazu braucht sie - wie jedes Kind, das neue Schritte macht - Menschen um sich herum, die ihr das zutrauen und die gemeinsam mit ihr überlegen, wo und vom wem sie dabei Unterstützung braucht und wie die aussehen könnte. Welche Rolle spielen Sie als Großmutter, welche der Vater oder Freunde und Freundinnen? Das könnte der Beginn von solchen gemeinsamen Überlegungen sein.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Deutenbacher Str. 1, 90547 Stein - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Hauptstr. 67, 82327 Tutzing.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Barbara Hauck

 


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abgerufen 08.02.2012 - 22:53 Uhr

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