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Dieser Artikel: Ausgabe 08/2006 vom 19.02.2006
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Kunst - Krimi - Kirche

Schätze in der Aservatenkammer: Zwei Münchner Kriminalhauptkommissare fahnden nach Kirchenräubern


Die Kriminalhauptkommissare Elisabeth Zum-Bruch und Walter Moser haben im bayerischen Landeskriminalamt eine besondere Aufgabe: Sie ermitteln, wenn in einer Kirche wieder einmal ein Kunstwerk abhanden gekommen ist.

Elisabeth Zum-Bruch und Walter Moser mit dem spätgotischen Holzrelief «Marientod» aus der Votivkirche Passau. Die Figurengruppe aus dem 16. Jahrhundert wurde im Februar 2004 gestohlen.
Foto: Frank
   Elisabeth Zum-Bruch und Walter Moser mit dem spätgotischen Holzrelief «Marientod» aus der Votivkirche Passau. Die Figurengruppe aus dem 16. Jahrhundert wurde im Februar 2004 gestohlen.

Sachgebiet 623« steht auf der Visitenkarte von Kriminalhauptkommissar Walter Moser. Hinter der Nummer verbirgt sich eine spannende Aufgabe, für die seit 1972 ein eigener Bereich zuständig ist: Moser und seine Kollegen ermitteln bei Kunstdiebstählen. Dazu gehören spektakuläre Geschichten wie der Raub der 200000 Euro teuren Wanduhr aus der Münchner Residenz vor vier Jahren oder der Einbruch in Schloss Hohenschwangau vergangenen November, bei dem über 100 wertvolle historische Orden gestohlen wurden.

Zu Walter Mosers Aufgabe gehören aber auch Diebstähle aus Kirchen und Kapellen. Ende vergangenen Jahres gelang seinem Dezernat ein großer Coup, als LKA-Fahnder eine Diebstahls-Serie aus niederbayerischen Kirchen aufklären konnten. In der Wohnung eines Goldschmiedes aus Passau fanden die Beamten fünf von insgesamt zehn gestohlenen Kunstwerken aus der Region in einem Gesamtwert von 79000 Euro. Sie waren zwischen Mai 2003 und März 2005 aus Kirchen entlang der Autobahn A 3 zwischen Regensburg und Passau gestohlen worden. »Uns half ein Hinweis aus der Kunsthändlerszene«, erzählt Mosers Kollegin Elisabeth Zum-Bruch. Der 55-Jährige machte sich verdächtig, als er die Figuren verkaufen wollte. Bei einer Hausdurchsuchung fanden die Beamten dann gestohlene Objekte aus Passau, Eging am See, Außernzell und Kirchberg vorm Wald.

»Insgesamt«, freut sich Moser, »ist die Zahl der Kirchendiebstähle stark rückläufig.« Jährlich 25 bis 50 Fälle lassen sich bewältigen, in den 70er-Jahren waren es bis zu 1500. Woran es liegt? Zum einen seien die Kirchen heute besser gesichert, sagt Moser. »Wer sein Kunstwerk liebt, schraubt es fest und installiert eine Alarmanlage«, empfiehlt der Beamte. Noch besser wäre eine Videoüberwachung, aber das sei wohl in einer Kirche unrealistisch, schränkt er selbst ein. Zum anderen sei die Sensibilität des Marktes gegenüber gestohlenen Kunstwerken gestiegen. Die Ermittler haben inzwischen umfangreiche Bilddateien parat, sie lassen sich die Kataloge von Auktionshäusern kommen und »grasen» mit ihrem Kennerblick Flohmärkte und Kunstmessen ab. Dort finden sie immer wieder Objekte, die zum Teil schon vor Jahrzehnten gestohlen wurden.

Manchmal findet auch eine Figur von selbst wieder zurück. So mysteriös, wie sie verschwand, ist die spätgotische Madonna von Rezelsdorf nach 27 Jahren wieder aufgetaucht. In der Nacht zum Pfingstsonntag 1977 war die 20000 Euro teure Skulptur von unbekannten Tätern mit Gewalt aus dem Altar der evangelischen Dorfkirche gebrochen und mitgenommen worden, am 19. Mai 2004 lag sie auf dem Parkplatz eines Lebensmittelmarktes in Füssen in einer Einkaufstasche. Ein beiliegender Pappdeckel enthielt den holprigen Hinweis: »Dise Mariea wurd warscheinlisch 1978 in Beiern geklaut.« Die Kunstdatenbank wusste dann, dass das Fundstück nach Rezelsdorf gehörte.

Die Rückgabe wurde für die 180-Seelen-Gemeinde zu einem Fest, manche Gemeindeglieder konnten nach Aussage des hoch erfreuten Pfarrers die ganze Nacht vor Freude nicht schlafen. So wie beim Verschwinden der Figuren oft in der Gemeinde blankes Entsetzen herrsche, sei die Freude bei ihrer Rückkehr groß, sagt Moser. »Die Leute hängen an den Figuren.« Wenn plötzlich die Johannesfigur nicht mehr auf dem Taufbecken stehe, treffe dies ganze Generationen, die dort getauft wurden. Und wenn die Figur dann wieder auftaucht, ist die Wertschätzung umso größer. Und der Dank der Gemeinden ist den Ermittlern sicher. Als die gestohlene Madonna von Leonberg wieder in die Kirche zurückkehrte, feierte der Bischof ein Hochamt, und Kunstfahnder des Landeskriminalamts waren eingeladen.

Helmut Frank

 


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/news/aktuell/2006_08_09_01.htm
abgerufen 08.02.2012 - 11:53 Uhr

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